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Premiere: Charpentiers "Médée" an den Landesbühnen Sachsen mit Silke Richter in der Titelpartie

Premiere: Charpentiers "Médée" an den Landesbühnen Sachsen mit Silke Richter in der Titelpartie

Es gibt Opernpartien, die gehen zu Herzen, andere rühren zu Tränen - und dann gibt es noch die, die einem Sänger regelrecht an der Substanz zehren können. Silke Richter singt mit der Titelpartie von Marc-Antoine Charpentiers "Médée" (1693) an den Landesbühnen Sachsen gerade eine solche.

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Rache ohne Rücksicht auf Verluste ist das Thema in Marc-Antoine Charpentiers Oper "Médée", die an den Landesbühnen Sachsen mit Silke Richter in der Titelpartie Premiere feiert.

Quelle: Hagen König

Eigentlich ist die Mezzosopranistin mit der blonden Mähne und den klaren blauen Augen eher in der Klassik und der Romantik zu Hause - etwa mit dem Programm zu Franz Schuberts "Die schöne Müllerin", das sie Anfang Juni wieder im Glashaus der Landesbühnen Sachsen singt. Mit der "Médée" wendet sie sich zuvor nun dem französischen Barock zu - und einem Werk, das sonst an deutschen Theatern eigentlich kaum gespielt wird und nun am 17. Mai in der Regie und musikalischen Leitung von Jan Michael Horstmann in Radebeul Premiere feiert.

"Die Musik ist wirklich sehr schön, es geht in dieser Oper nicht nur um Belcanto und schönes Singen, es gilt, die Besonderheiten der französischen Barockmusik zu beachten, man hat Gestaltungsfreiraum als Sänger, und das gefällt mir sehr", sagt Silke Richter. Sie hat an der Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Gesang studiert, gehört nach langjährigen Engagements als Opernsängerin am Theater Freiberg-Döbeln und am Theater Plauen-Zwickau seit 2009 zum festen Ensemble der Landesbühnen Sachsen. In Radebeul sang sie unter anderem die Marcellina in Mozarts "Die Hochzeit des Figaro" und den Prinz Orlovsky in der "Fledermaus". Mit der Rolle der Messagera in Claudio Monteverdis "L'Orfeo" ging sie im vergangenen Jahr schon mit Alter Musik auf Tuchfühlung.

Doch keine dieser Rollen ist auch nur ansatzweise mit der Unerbittlichkeit der "Médée" vergleichbar. Dabei ist es nicht nur der gesangliche, sondern ebenso der darstellerische Part, der diese Rolle für die Sängerin zur Herausforderung macht. Die Oper war einst dem Sonnenkönig Ludwig XIV. gewidmet. Ihre Handlung beruht auf dem antiken Mythos von der Königstochter Medea. Sie hat aus Liebe zu Jason das eigene Land verraten, flieht und ist auf das Asyl bei König Kreon von Korinth angewiesen. Als Jason sie wiederum verrät und des Königs Tochter Krëusa heiraten will, schwört Medea Rache. "Die Annäherung an diesen Stoff ist tatsächlich schwierig. Vor allem dem Kindesmord aus Rache an einem Mann steht man erst mal verständnislos gegenüber", sagt Silke Richter.

Sie ist selbst Mutter eines Sohnes, kann die Kompromisslosigkeit, mit der Medea Rache übt, daher umso schwerer nachvollziehen. "Es gibt natürlich Dinge, die man verstehen kann. Es ist nachvollziehbar, dass sie Jason liebt und fast alles für ihn aufgibt, dass sie Hass entwickelt, weil sie von ihm verraten wird - sie hat ihre Heimat verlassen, die Kinder weg gegeben, hat ihn am Ende nicht mehr und soll das Land verlassen - nur wohin?", sagt die Sängerin. In den vergangenen Wochen hat sich Silke Richter intensiv mit den Handlungsmotiven ihrer "Médée" auseinandergesetzt, versucht, Erklärungen für die eiserne Konsequenz dieser Figur zu finden. Noch immer spricht sie mit sinnendem Blick über diese Fragen, die Kernthemen der Oper.

Nachdenklich streicht sich Silke Richter eine Locke aus dem Gesicht, als sie schließlich sagt: "Es geht ihr darum, dass er mindestens so leidet wie sie." Im richtigen Leben würde man jedoch die Grenze spätestens dort ziehen, wo andere dadurch zu Schaden kommen könnten, ist sie überzeugt. Doch das Médée-Motiv ist auch heute noch aktuell. "Ich habe erst einen Tatort gesehen, wo es um eine ähnliche Sache ging - die Frau hat ihre Kinder umgebracht, nur weil sie es nicht ertragen konnte, dass ihr Mann mit einer anderen Frau ein Kind bekam", erzählt die Sängerin. Manchmal falle es schwer, diesen Stoff abzuschütteln. "Es geht einem nicht wirklich gut damit", sagt Silke Richter.

Anders als bei ihren Lieblingsfiguren in der Oper - dem Octavian in Richard Strauss' "Rosenkavalier", Bizets "Carmen" oder der Dorabella in Mozarts "Così fan tutte" - fehle bei Médée die Leichtigkeit. "Die Handlung von 'Così fan tutte' habe ich auch mit nach Hause genommen. Diese Beziehungskiste, bei der man nie so richtig weiß, wer bei wem nun richtig ist - das hat mich sehr beschäftigt", verrät sie. Bei den Proben zu "Médée" helfe ihr jedoch die Musik, um das Undenkbare auf der Bühne zu transportieren. "Als Schauspieler wäre es sehr viel schwerer, diese Rache darzustellen." Charpentiers Musik jedoch mache manche Dinge nachvollziehbarer. "Ich habe mich richtig in diese Musik verliebt, sie trägt einen", sagt die Sängerin.

Marc-Antoine Charpentiers "Médée" an den Landesbühnen Sachsen, Premiere am 17.5., 19 Uhr im Stammhaus Radebeul, weitere Vorstellungen am 18.5., 29.5. und 13.6.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.05.2014

Nicole Czerwinka

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