Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Porzellanmanufaktur Meißen macht Mode - Biedenkopf für Kurswechsel der Manufaktur

Porzellanmanufaktur Meißen macht Mode - Biedenkopf für Kurswechsel der Manufaktur

Meißen/Dresden. In die Debatte um die Zukunft der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen (SPM) schaltet sich nun der Aufsichtsratsvorsitzende Kurt Biedenkopf ein.

Voriger Artikel
Radebeuler Generationentag widmet sich Senioren
Nächster Artikel
Falsche Spendensammlerin betrügt Rentnerin um 1.000 Euro

Mode made in Meißen: Unter der Dachmarke "Meissen Couture" will die Porzellanmanufaktur mit edlen Damenroben großen Modehäusern Konkurrenz machen. Mit dem Debüt in Mailand gelang dies bereits.

Quelle: meissen couture

Sachsens Ex-Ministerpräsident nennt die Schmuck- und Mode-Ambitionen des Traditionsbetriebs "unverzichtbar" und erteilt Privatisierungsgerüchten eine Absage. Eine Privatisierung - voll oder nur zum Teil - stehe nicht zur Debatte. "Die SPM ist ein staatliches Unternehmen und wird es bleiben", erklärte Biedenkopf gegenüber den DNN.

Zudem stellt sich der Alt-Regierungschef hinter den umstrittenen Geschäftsführer Christian Kurtzke. Dessen Kurs, die 300 Jahre alte Manufaktur in einen international hochrangigen Luxushersteller zu verwandeln, ist nach Ansicht Biedenkopfs unausweichlich: "Als reiner Porzellanhersteller ist die Manufaktur nicht länger lebensfähig."

Dass aber die Manufaktur, die schon für August den Starken Porzellan herstellte, neuerdings unter der Dachmarke "Meissen Couture" den großen Modehäusern Konkurrenz machen will, sehen viele mit Unbehagen. Gerade rund um den Stammsitz in Meißen wird die Kritik immer lauter (DNN berichteten). Die Bürgerinitiative "Manufaktur in Gefahr" befürchtet in einem Brief an Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU), dass "die Kernsubstanz bereits derartig heruntergefahren ist, dass allein ein Stopp der betriebenen Demontage kaum noch einen Rettungserfolg hat".

Der Aufsichtsrat sieht indes für Rettungsrhetorik keinerlei Anlass. Die Reaktion der Luxusmärkte auf die neue Strategie sei bislang positiv, so Biedenkopf, überregional werde die neue Produktpalette zunehmend anerkannt. "Das Interesse wächst."

Nachdem die Firma in der DDR-Zeit ein volkseigener Betrieb war, wurde sie 1991 zum sächsischen Staatsbetrieb. Nach herben Umsatzeinbußen (Tiefststand 31 Millionen Euro) wurde 2008 Christian Kurtzke als Geschäftsführer verpflichtet. Der erfahrene Luxus-Manager sorgt seitdem mit umstrittenen Aktionen für Kritik. Wie mit dem berüchtigten Polterabend vom Oktober 2010, bei dem unverkäufliche Zweite-Wahl-Ware des nachts zerschlagen wurde. Auch die neue Schmuckmarke "Meissen Joaillerie" und die kostspielige Gründung einer Edelboutique in Mailand sorgten daheim für Ärger. All das kostet den sonst so sparsamen Freistaat viel Geld.

Der Linken-Landtagsabgeordnete Sebastian Scheel nennt Geschäftsführer Kurtzke "ein wild gewordenes Pferd, das gerade durchgeht" - ohne dass noch jemand die Zügel halte. Scheel verlangt ein Gutachten des Landesrechnungshofs, das die Umsätze von Porzellan und die Zuschüsse des Freistaats aufdröselt. Heute befasst sich der Haushaltausschuss mit der Sache.

Immerhin stiegen die Jahresumsätze inzwischen auf knapp 40 Millionen. 39,3 Millionen Umsatz machte die Manufaktur 2012. Über die aktuelle Bilanz indes soll es unbestätigten Gerüchten zufolge intern zu Konflikten gekommen sein zwischen Kurtzke und Co-Geschäftsführer Klaus Hipp, der die Manufaktur im März verließ.

Verlassen hat kürzlich auch Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) den Aufsichtsrat des Staatsunternehmens. Grund war der seit Jahren heftige Streit um die Markenrechte am Namen Meissen, die auch andere Unternehmen für sich beanspruchen. Den Plan, die Marke "Meissen" für jedes Produkt und jede Dienstleistung zu sichern, hat die Manufaktur vorerst aufgegeben. Was Finanzminister Georg Unland (CDU), dem die Manufaktur unterstellt ist, dennoch für unabdingbar hält. Werde die Markenposition aufgegeben, könne sich jedes andere Unternehmen mit Sitz in der Stadt "Meissen" nennen, betont Unland in einer Stellungnahme zu einer kleinen Anfrage der Linken.

Raschkes Abgang kritisiert Biedenkopf scharf. "Hätte er das Konzept, an dessen Erarbeitung er beteiligt war, offensiv vertreten und damit in seiner Stadt Führung gezeigt, wäre es vielen wohl leichter gefallen, die Veränderungen zu akzeptieren", erklärte er.

Diese Veränderungen seien, so oder so, unumgänglich, um die 630 Arbeitsplätze am Stammhaus in Meißen zu erhalten. Man müsse auf das veränderte Konsumverhalten reagieren, sagt Biedenkopf. Man müsse auf die Märkte in ganz Europa und in Fernost. Der deutsche Markt allein reiche schon angesichts des demografischen Wandels nicht aus. Deshalb seien auch neue Vertriebsstandorte wie Mailand oder das Londoner Edelkaufhaus "Harrods" unverzichtbar. Im September debütierte die Firmentochter "Meissen Italia" in Mailand - mit 17 teuren Kleidern. Entworfen von der Designerin Frida Weyer, beworben von Ex-Topmodel Nadja Auermann, inspiriert von Formen aus dem 300 Jahre alten Meißner Archiv. Die Produkte des Hauses waren immer Luxusprodukte - das zumindest soll bleiben, wie es war.

Dass indes viele Meißner und etliche Ex-Mitarbeiter die Veränderungen ablehnen, führt Biedenkopf darauf zurück, "dass sie ausschließlich die Veränderung sehen, aber nicht ihren Nutzen". Doch nur wenn die Erweiterung der Manufaktur gelinge, habe diese eine Überlebenschance.

Christine Keilholz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

21.10.2017 - 10:17 Uhr

Uwe Neuhaus muss bei den Franken zwei Leistungsträger ersetzen. Personelle Alternativen im Mittelfeld sind aber vorhanden.

mehr