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Porsche Made in Mohorn - Wenn ein Brezelkäfer zum flotten Sportwagen mutiert

Porsche Made in Mohorn - Wenn ein Brezelkäfer zum flotten Sportwagen mutiert

Es gibt sie noch, die echten automobilen Raritäten: der Porsche-Sportwagen, original Made in Mohorn, ist einer von der Sorte. "Ich wüsste nicht, wo noch einer sein könnte", lautet die lapidare Auskunft des Kfz-Meisters Helfried Lindner.

Mohorn.

In dessen Mohorner Werkstatt geschah nämlich vor ziemlich genau 60 Jahren das Wunder: Aus insgesamt zehn Exemplaren des ersten VW-Nachkriegskäfers schuf er gemeinsam mit seinem Vater Arno die gleiche Anzahl der für DDR-Bürger ansonsten unerreichbaren Luxusautos. Zweifellos eine handwerkliche Leistung der Extraklasse! Der Stolz darauf ist dem heute 81-Jährigen von den Augen abzulesen.

Am Anfang standen sowohl der Wunsch eines Elsterwerdaer Automobilfans als auch zweier Dresdner TU-Studenten, der Zwillinge Knut und Falk Reimann. Sie wollten von den Fertigkeiten der Lindners und deren beruflichen Ehrgeiz profitieren und durch sie zu dem begehrten Zuffenhausener Edelrenner gelangen. Ihre fixe Idee lautete, dem Untergestell eines Brezelkäfers - so nannte der westdeutsche Volksmund das erste Nachkriegsmodell - samt Motor eine richtige Porsche-Karosserie mit allem Drum und Dran zu verpassen. Alternativ sollten Teile ehemaliger Wehrmachts-Kübelwagen aus den ehemaligen Schlachtfeldern bei Berlin herangeholt werden.

Die beiden Lindners reizte die Herausforderung, und sie begannen zu improvisieren. "Da fehlte natürlich fast alles", erinnert sich Sohn Helfried. "Zweimal habe ich mich aufs Motorrad gesetzt und bin nach Berlin zum VW-Großhändler gefahren, um Teile zu holen. Den Rahmen mussten wir 30 Zentimeter passend machen. Die Modelle der Karosserieteile wurden aus Eichenholz angefertigt." Ein großes Problem war die unumgängliche Leistungssteigerung des VW-Motors. Der brachte es auf gerade mal 25 PS. Damit war ein Porsche natürlich nicht standesgemäß zu bewegen. Also führte kein Weg um den Gang ins Porschewerk vorbei, um die nötigen Teile zum "Tunen", also zur Leistungssteigerung, zu bekommen. Das klappte dann schließlich auch.

Nichts ging allerdings ohne eine amtliche Zustimmung. Sowohl die notwendige Aufbaugenehmigung wie auch die zur Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr erforderlichen Papiere stellte das Polizeipräsidium in Dresden im Jahre 1954 aus. Noch im gleichen Jahr wurde ein "Lindner-Porsche" auf der traditionellen Dresdner Handwerkermesse der Öffentlichkeit präsentiert.

Die gebauten Exemplare waren vorzugsweise im Raum Dresden unterwegs. Über ihr Schicksal ist nichts bekannt. Der Wiener Automobiljournalist Alexander Fritz möchte Licht ins Dunkel bringen. Vielleicht weiß ja ein DNN-Leser mehr über den Verbleib dieser automobilen Raritäten. Geschichten und Bilder nimmt Alexander Fritz postalisch an Seuttergasse 37, A-1130 Wien/Österreich oder per E-Mail an dondiego@gmx.at entgegen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.09.2013

Peter Weckbrodt

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