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Polstermöbel Oelsa schaut auf 145 Jahre Firmengeschichte und investiert in die Zukunft

Polstermöbel Oelsa schaut auf 145 Jahre Firmengeschichte und investiert in die Zukunft

Ostdeutsche Unternehmen müssen auch knapp 25 Jahre nach der politischen Wende noch immer hart um Anerkennung in den alten Bundesländern kämpfen.

Rabenau.

"Der Politik ist es nicht gelungen, aus zwei deutschen Staaten einen zu machen", meint Dr. Andreas Käppler, Geschäftsführer von Polstermöbel Oelsa. Es gebe immer noch viele Vorbehalte gegenüber Firmen aus der ehemaligen DDR. "Wenn sie nicht wären, könnte ich einen zweiten Betrieb in gleicher Größe aufmachen", ist sich der Chef des Traditionsunternehmens sicher. In Deutschland und vor allem den westdeutschen Bundesländern stecke "ein enormes Umsatzpotential". Deshalb leistet Käppler immer weiter Überzeugungsarbeit. "Zug um Zug gelingt es uns, unsere Brüder und Schwestern im Westen von unseren Produkten zu überzeugen", so der Chef, der seit Anfang 1988 die Geschicke des Unternehmens leitet.

Die Produktionsräume für Sessel, Zweisitzer und Sofas befinden sich auf historischem Boden. Wo heute rund 176 verschiedene Modelle von Sitzlandschaften hergestellt werden, entstand um 1200 eine Burg. Der Holzreichtum bewog die Rabenauer reichlich 400 Jahre später, sich ihren Lebensunterhalt mit dem Bauen von Stühlen zu verdienen. "In Rabenau befindet sich die Wiege des europäischen Sitzmöbelbaus", sagt Käppler bei einem Exkurs durch die Firmengeschichte. Um 1900 gab es in der Stadt rund 100 Handwerks- und 17 Industriebetriebe in diesem Gewerbe.

Eines dieser Unternehmen war der Vorgänger des heutigen Polstermöbelbetriebes. Den Grundstein legte in der Mitte des 19. Jahrhunderts Ferdinand Reuter - erst mit einem Stuhlhandel, später auch mit der Stuhlproduktion. Auf seine Initiative hin wurde im April 1869 die Sächsische Holzindustriegesellschaft (SHI) gegründet. Als Produktionsort wählte er die verfallene Burg und baute einen modernen Industriebetrieb auf. In dessen Mauern produziert heute die Polstermöbel Oelsa GmbH. In der 145-jährigen Firmengeschichte erlebten die Möbelbauer viele Aufs und Abs. Erst gab es einen rasanten Aufstieg. "So beschäftigte die SHI im Jahr 1888 rund 600 Mitarbeiter und 2000 Heimarbeiter", berichtet Käppler. Dann kam der Abstieg und die Stilllegung im Jahr 1913. Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte mit der Produktion von Kinostühlen wieder Leben in die Werkshallen zurück, nach dem Zweiten war wieder völlige Ruhe. Der Rabenauer Betrieb wurde komplett demontiert und ging als Reparationsleistung an die Sowjetunion. Anfang der 1950er Jahre begann allmählich wieder die Produktion. Und weil sich damals die Zentren der Polstermöbelindustrie im Westen Deutschlands befanden, gab es den Beschluss "Polstermöbel statt Stühle", erinnert Käppler. Ab 1953 wurden nur noch Sessel und Sofas gefertigt, seit 1980 fast ausschließlich für den Export. Ein Großkunde war Ikea.

Käppler schiffte den Betrieb durch die Wendejahre und wurde einer seiner Eigentümer. Im Frühjahr 1993 setzte der Erfolg wieder ein. "Seither schreiben wir nur noch schwarze Zahlen", lobt der Firmenchef. Der Umsatz 2013 belief sich auf über 25 Millionen Euro. Heute zählt der Betrieb rund 230 Mitarbeiter, die Sitzmöbel aus Leder und Textil vom Entwurf bis zur Auslieferung komplett in Rabenau herstellen.

Von den über 140 DDR-Polstermöbelbetrieben schaffte nur das Rabenauer Werk den Sprung in die Marktwirtschaft. Weil sich im Umkreis von rund 200 Kilometern keine Möbelindustrie befinde, "ist jeder Polsterer eine Spezialkraft", so Käppler. Sein Unternehmen bildet daher seit vielen Jahren intensiv aus - von Polster- und Dekorationsnäherinnen über Polsterer bis hin zu Lageristen, Industriekaufleuten sowie BA-Studenten für Holztechnik und Betriebswirtschaft. Auch Ausbildungsabbrecher, Spät- und Quereinsteiger bekommen eine Chance. Die Arbeitsagentur würdigte dieses Engagement jetzt per Ausbildungszertifikat.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.04.2014

Silvio Kuhnert

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