Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Google+
Polizeispürhund aus Pirna: Mac und sein Chef brauchen den richtigen Riecher

Polizeispürhund aus Pirna: Mac und sein Chef brauchen den richtigen Riecher

Mac vom Fluchtweg hat keine Eile. Eher bedächtig schreitet der Deutsche Schäferhund eine Reihe von Koffern ab, die auf einer Wiese des Dresdner Hauptzollamtes in Pirna liegen.

Voriger Artikel
LKW-Unfall sorgt in Radebeul für Zugausfälle
Nächster Artikel
Krankenhäuser in Radebeul und Meißen veröffentlichen Sterblichkeitsraten

Sylvio Seliger vom Hauptzollamt Dresden trainiert im sächsischen Pirna mit seinem Hund Mac vom Fluchtweg.

Quelle: dpa

In einem von ihnen befindet sich ein Stoff, der manchen zum Verhängnis wird. Mac mit dem adligen Nachnamen ist ein Rauschgiftspürhund, jetzt trainiert er mit Hundeführer Sylvio Seliger für die Europameisterschaft der Spürhunde vom 11. bis zum 15. Juni in Wolfsberg (Österreich). Der verdächtige Koffer ist bald identifiziert, Mac bekommt einen kleinen Leckerbissen und einen freundschaftlichen Klaps.

„Ich bin hier der Chef“, sagt Sylvio Seliger. Hin und wieder müsse er das auch mal den Hunden sagen. Der 38-Jährige hält nichts davon, Tiere zu vermenschlichen. Deshalb fällt seine Kommunikation mit dem Rüden knapp aus. Der Hund brauche eine klare Ansage. Bemerkungen wie „brav“ oder „so ist fein“ seien als Lob völlig ausreichend. „Je weniger Worte, desto besser. Die kann er gut unterscheiden. Er braucht es schwarz-weiß, ohne Zwischentöne.“

Trotzdem: Nichts Menschliches scheint dem Hund fremd. Manche Spürnasen versuchen schon mal, den Chef auszutricksen oder zu testen. Wenn der nicht gut drauf ist oder kränkelt zum Beispiel. Nach dem Motto „Der Alte kann heute nicht“ gerät der Hund zum Widerständler. Dann heißt es konsequent bleiben, sonst ist das mühevolle Training hin. „Auch bei Hunden gibt es eine Tagesform“, sagt Seligers Kollege Ralf Wilsdorf. Dessen Frau Heike - im Dresdner Hauptzollamt für Pressearbeit zuständig - fügt einen anderen Punkt an. „Das Wichtigste ist, dass die Chemie zwischen beiden stimmt.“

Denn ob die Spürnase am Ende richtig funktioniert, hängt von Teamarbeit ab. Seliger hält es deshalb für völlig falsch, bei Misserfolg den Hund zu tadeln. „Wenn etwas nicht klappt, liegt die Schuld bei mir. Der Hund macht nur das, wozu er ausgebildet ist“, sagt der Beamte, der selbst so gelassen wie ein Bernhardiner wirkt. Für den gelernten Werkzeugmechaniker ist mit dem Wechsel zum Zoll 1994 ein Traum in Erfüllung gegangen. Da er in der Stadt aufwuchs, wollte die Familie keinen Hund halten. Seliger verlegte sich auf Fische und ist erst jetzt in seinem Beruf im positiven Sinne auf den Hund gekommen.

Inzwischen weiß er so ziemlich alles über Spürhunde und bildet selbst Hundeführer aus. Prinzipiell hätten alle Hunde eine gute Nase, sagt er. Für den Job bei Polizei oder Zoll eigneten sich allerdings nur die „Diensthunderassen“ - vor allem Deutscher Schäferhund, Malinois und Riesenschnauzer. Denn oft sind sie als „Kombihunde“ im Einsatz - beim Aufspüren von Rauschgift und anderen Substanzen oder im Schutzdienst zum Beispiel bei der Jagd nach Straftätern. Dafür wären Rehpinscher oder Pekinese freilich nicht bissig genug.

Seliger geht davon aus, dass Hunde mit langer Schnauze den besten Riecher haben. Grund: Sie besitzen mehr Geruchszellen und eine größere Riechschleimhaut. Die ausgesprochen gute Nase wird auch bei der Ausbildung genutzt. Prinzipiell erfolgt sie in zwei Richtungen. Die Spürnasen werden zu Aktiv- oder Passivhunden geschult. Aktiv ist ein Hund, wenn er nach dem Aufspüren anschlägt und gewissermaßen aktiv handelt. Passivhunde bleiben vor dem corpus delicti stehen und stecken höchstens ihre Nase rein. Mac ist ein Schutzhund und ein „passiv anzeigender Rauschgiftspürhund“ - so der offizielle Begriff.

Die Ausbildung dauert acht Wochen. Am Anfang steht Gehorsam im Lehrplan, dann folgt ein Lehrgang im Schutzdienst. Aktivhunde lernen richtiges Gespür über Duftstoffe, die in einem Spielzeug versteckt sind. Die Duftmoleküle werden im Gedächtnis positiv abgespeichert. Wenn er dann den Duft findet, freut er sich im Grunde über sein Spielzeug - selbst wenn es Rauschgift ist. Bei Passivhunden läuft es ähnlich, nur wird hier der Zugriff gezielt gebremst.

Seliger arbeitet seit 2010 mit Mac zusammen. „Liebe auf den ersten Blick war es nicht“, berichtet der Hundeführer. Er übernahm den Rüden von einem Kollegen. Ohnehin scheint die Spezis des Hundeführers in einer großen Familie vereint. Die Kollegen helfen sich untereinander aus, wenn einer mal in den Urlaub fährt und partout seinen Hund nicht mitnehmen kann. In die Tierpension gehört der Spürhund jedenfalls nicht, meint Seliger. Zur Ethik zähle auch, dass ausgemusterte Tiere Bestandsschutz genießen und in den Familien des Hundeführers bleiben - bis zum bittere Ende, sagt der 38-Jährige.

Ruhe und Übersicht hält Seliger für vorteilhafte Eigenschaften eines Hundeführers. „Man muss ein Feeling für die Tiere haben, braucht eine große Portion Idealismus und eine Familie, die das alles mitmacht“, sagt der Ehemann und Vater zweier Kinder. Denn ein Hundeführer ist de facto auch nach dem Dienst noch im Dienst - dann, wenn das Tier zu Hause seinen Auslauf bekommt und sowieso zu betreuen ist. „Man entwickelt mit dem Tier seine eigene Sprache, muss ausgeglichen und konsequent sein. Was heute gilt, gilt auch morgen und ein ganzes Hundeleben lang.“

Der Sachse hat seine Ausbildung in Neuendettelsau bei Nürnberg erhalten - eine von zwei zentralen Hundeschulen des Zolls. Die andere deckt den Bedarf im Norden Deutschlands ab und steht in Bleckhede bei Hannover. Die einschneidenden Strukturveränderungen beim Zoll im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt der östlichen Nachbarn haben den Bedarf an Hunden minimiert. Heute sind sie vor allem auf Flughäfen und im gesamten Bundesgebiet in sogenannten Kontrolleinheiten Verkehr im Einsatz. Manchmal wird für Polizei und Justiz Amtshilfe geleistet, wenn eine Wohnung oder eine Haftzelle durchsucht werden muss.

Im Dresdner Hauptzollamt, das eine 205 Kilometer lange Grenze zu Tschechien und eine 112 Kilometer-Grenze zu Polen im Blickfeld haben muss, gibt es 27 Hunde - so viele, wie vor 2004 in einer einzigen Dienststelle existierten. Immerhin haben die Dresdner Spürnasen allein im vergangenen Jahr 26,5 Kilogramm Rauschgift erschnüffelt.

Bei der EM in Österreich ist Seliger einer von zwei deutschen Startern. Nur er und ein Kollege vom Flughafen in Frankfurt am Main konnten sich qualifizieren. Sie treffen dort auf Konkurrenz aus 24 Ländern. Der Mann aus Sachsen geht davon aus, dass Mac das richtige Gespür haben wird und locker bleibt. Nur bei ihm selbst steige langsam das Lampenfieber, bekennt der Hundeführer.

Jörg Schurig, dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News
Anzeige

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

Die Friedensburg gehört als fester Bestandteil zu Radebeul. Soll sie zukünftig wieder als Gaststätte genutzt werden? Und falls ja, wie genau? Sagen Sie uns Ihre Meinung und stimmen Sie ab! mehr