Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Polizei zum Überfall in Bad Schandau: Motive der Schläger fremdenfeindlich

Polizei zum Überfall in Bad Schandau: Motive der Schläger fremdenfeindlich

Nun ist offiziell, was viele vorher gemutmaßt und gedacht haben. "Wir können einen fremdenfeindlichen Hintergrund des Überfalls auf die Hamburger Schülergruppe eindeutig bejahen", sagte gestern der Leiter der Ermittlungen Rüdiger Zwickirsch vom Operativen Abwehrzentrum der Polizei Sachsen (OAZ) gegenüber den DNN.

Voriger Artikel
Streit um Sanierung der Meißner Straße in Radebeul - Marode Gleise bedeuten Mehrkosten für DVB
Nächster Artikel
Diskussion um Weltnaturerbe - Kritik an zögerlicher Haltung der sächsischen Regierung

Klaus Brähmig

Quelle: Archiv DNN

Dies hätten die ersten Zeugenbefragungen belegt. Zudem sprächen die Parolen, die skandiert worden seien, dafür.

Bereits am 7. September, sofort nach dem Überfall auf die Hamburger Schülergruppe im Bad Schandauer Ortsteil Ostrau hatte das OAZ die Ermittlungen aufgenommen. Diese spezielle Ermittlungseinheit ist in Sachsen als Konsequenz aus den NSU-Verbrechen entstanden.

Nachdem vor allem Zeugen in der Ortschaft und der Jugendherberge gehört worden sind, haben die Ermittler in den letzten zwei Tagen die Schüler und Lehrer in Hamburg befragt. Freitag soll es dann erste Hinweise darauf geben, welche Personen unter dringendem Tatverdacht stehen. Zwar hat die Polizei laut Zwickirsch in der Nähe der Jugendherberge elf verdächtige Jugendliche gestoppt und deren Personalien aufgenommen. "Bei keinem dieser Personen liegen bislang fremdenfeindliche Straftatbestände vor", erklärte Zwickirsch. Er schloss jedoch nicht aus, dass die Verdächtigen einer "rechten Gesinnung" angehören könnten.

Indes zieht der Überfall bundesweit Kreise. Nach einem Bericht des Hamburger Abendblatts hätte ein Schüler chinesischer Abstammung solche schweren Verletzungen erlitten, dass ihm wegen eines Kieferbruchs Titanplatten implantiert werden mussten. Der Jugendliche soll zudem laut dem Nachrichtenmagazin "Stern" aus dem Klinikum in Pirna entlassen worden sein, ohne geröntgt zu werden. Das Klinikum wollte sich zu den Vorwürfen gestern nicht äußern.

Empört zeigte sich indes DJ Ringo H. über den "Stern", der ihn in Zusammenhang mit dem Dorffest in Ostrau erwähnt hatte. Dort soll es die ersten verbalen Übergriffe der Rechtsradikalen gegeben haben. "Es entsteht der Eindruck, ich hätte mit den Neonazis etwas zu tun", moniert der 33-Jährige. Dies könne seinen Ruf langfristig schädigen und seine Lebensgrundlage als Discjockey gefährden. Kein Journalist hätte sich bei ihm gemeldet. Deswegen hat Ringo H. nun Anzeigen gegen das Nachrichtenmagazin und auch gegen die Autorin des Beitrages erstattet. "Ich habe mit Neonazis nichts am Hut und verurteile Gewalt", erklärt Ringo H. "Nur weil die Feier in der Sächsischen Schweiz stattgefunden hat, muss es nicht gleich eine Nazi-Party sein." Zum Redaktionsschluss hatte das Magazin den Namen des DJ gelöscht.

Eine Stigmatisierung der Region befürchtet Klaus Brähmig, CDU-Bundestagsabgeordneter aus der Sächsischen Schweiz und Vorsitzender des Tourismusausschusses im Bundestag. "Es handelt sich um einen sehr bedauerlichen Einzelfall, der unbedingt aufgeklärt werden muss", erklärte Brähmig. "Doch ich verwahre mich dagegen, eine ganze Region zu stigmatisieren." Es sei "unwirklich" und "unerträglich", dass manche Menschen von einer "No-Go-Area" reden. "Die Sächsische Schweiz ist eines der ältesten und schönsten Tourismusgebiete in Deutschland. Wir lassen uns die Region nicht kaputt reden und auch nicht kaputt machen", sagte Brähmig.

Der Landkreis verurteilt den Übergriff: "Den Opfern gilt unser aufrichtiges Mitgefühl. Wir hoffen, die betroffenen Schüler nach Klärung der Vorfälle noch einmal in unserer Region begrüßen zu dürfen. Unser Ziel ist es, dieser Hamburger Klasse zu zeigen, dass Zivilcourage und Toleranz in der Sächsischen Schweiz zu Hause sind", hieß es gestern in einer Erklärung.

"Ich verurteile den Übergriff aufs Schärfste", reagierte Pirnas OB Klaus-Peter Hanke (parteilos). Seit Jahren arbeite in der Sächsischen Schweiz ein umfangreiches Netzwerk aus Schulen, Verbänden, Vereinen, Migrantenorganisationen sowie Vertretern von Kirchen, Verwaltung, Polizei und Sicherheitsbehörden mit dem Ziel, rechtsextreme Erscheinungsformen zurückzudrängen, Demokratie und Toleranz zu stärken.

Der Verein "Aktion Zivilcourage" zeigte sich erschüttert. "Wir verurteilen die Übergriffe aufs Schärfste", sagte Vorstandsvorsitzende Judith Brombacher. "Der Tourismus sollte nicht das erste Problem sein", sagte Geschäftsführer Sebastian Reißig. "Es geht um den Jungen."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.09.2013

Katrin Tominski

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

20.09.2017 - 22:13 Uhr

Die Elf von Trainer Horst Steffen kassiert vor 5493 Zuschauern eine ganz bittere Heimniederlage. Ein Tor von Angreifer Daniel Frahn reicht nicht zum Punktgewinn. Der CFC stürzt damit ans Tabellenende in Liga drei.

mehr