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Pirnas Gleichstellungsbeauftragte: Männer sollten mehr auf ihre Gesundheit achten

Pirnas Gleichstellungsbeauftragte: Männer sollten mehr auf ihre Gesundheit achten

Seit zwei Jahrzehnten hat die Stadt Pirna eine Gleichstellungsbeauftragte. Im DNN-Interview zieht Sandra Wels Bilanz und berichtet, welche Themen im Verhältnis zwischen Frau und Mann an Brisanz und Aktualität nichts verloren haben.

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Sandra Wels, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Pirna.

Quelle: Silvio Kuhnert

Pirna. Frage: Seit 20 Jahren gibt es in der Stadt Pirna eine Gleichstellungsbeauftragte, seit fünf Jahren haben Sie, Frau Wels, das Amt inne. Haben sich die Themen in den zurückliegenden Jahren geändert, die bei Ihnen auf dem Tisch landen?

Sandra Wels: Die Gleichstellungsarbeit behandelt auch heute noch die gleichen Grundprobleme wie vor 20 Jahren. Das sind u.a. die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das Thema häusliche Gewalt sowie Frauen in Führungspositionen. Dies alles hat an Aktualität nichts verloren. Allerdings hat sich die Blickrichtung geändert. Meine Vorgängerin hat damals - was 1995 auch berechtigt war - die Frauen in den Mittelpunkt gerückt. Frauen verdienen im Durchschnitt immer noch weniger als die Männer und erbringen mehr Familienleistung. Daran hat sich bis heute nicht viel verändert. Heute versuche ich den Mann aber mehr in den Fokus zu stellen. Denn es geht um die Gleichberechtigung beider Geschlechter.

Warum jetzt der Mann?

Man sieht dies beispielsweise bei der Entwicklung der Eltern- und Familienzeit. Männer äußern vermehrt den Wunsch, längere Zeit mit Kindern und Familie verbringen zu können. Sie wollen nicht nur der Alleinverdiener sein, der den ganzen Tag außer Haus und auf Arbeit ist. Der Wunsch nach mehr privater Zeit nimmt zu. Bei Männern ist darüber hinaus zu beobachten, dass sie weniger auf ihre Gesundheit achten als Frauen.

Woran machen Sie das fest?

Frauen z.B. nehmen sehr regelmäßig ihre Vorsorgeuntersuchungen wahr. Ab einem bestimmten Alter gehen sie zu den entsprechenden Ärzten. Sie haben weniger Hemmungen vor einem Arztbesuch. Männer haben dagegen ein Problem damit. Zum einen wagen sie diesen Schritt nicht, weil sie befürchten, sie könnten krank sein. Andererseits denken sie, sie sind das stärkere Geschlecht. Sie schleppen sich durch, was Krankheitssymptome mit der Zeit nur verstärkt, und in der Folge kann dies beispielsweise Herzinfarkte oder Schlaganfälle begünstigen. Ich sehe eine meiner Aufgaben darin, die Männer zu sensibilisieren: Achtet mehr auf euch und nehmt die Angebote zur Vorsorgeuntersuchung ab einem bestimmten Alter wahr!

Den Beruf Gleichstellungsbeauftragte kann man nicht lernen. Wie sieht Ihre Tätigkeit konkret aus?

Gleichstellung heißt nicht, alles gleich zu machen, sondern für jede und jeden das Richtige zu finden. Meine Arbeitsfelder kann ich selbst wählen. Wichtig ist mir die Situation vor Ort. Dazu biete ich Veranstaltungen an, mit denen ich Gleichstellungsthemen vermitteln möchte. Hierzu zählen Vorträge, Lesungen und Ausstellungen zu Themen wie Gesundheit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder häuslicher Gewalt. Des weiteren bin ich Ansprechpartnerin für die Bürgerinnen und Bürger. Ich stehe gern mit Rat und Tat zur Seite. Probleme kann ich selbst zwar nicht lösen, aber ich versuche mit Hilfe meines großen Netzwerkes, Kontakte zu vermitteln und die Bürger und Bürgerinnen auf dem Weg zu Beratungsstellen zu begleiten.

Auf welche Erfolge können Ihre Vorgängerin und Sie zurückblicken?

Frau Roswitha Dreßel hat beispielsweise mit Mitstreiterinnen für den Erhalt der Kinderstation am Klinikum Pirna gekämpft. Über 15 000 Unterschriften haben sie gegen die Auflösung der Station gesammelt. Mit ihrem Engagement haben sie erreicht, dass kranke Kinder weiterhin im Pirnaer Klinikum behandelt werden und Eltern nicht nach Dresden fahren müssen. Eine weitere wichtige Errungenschaft ist der Verbleib des Frauenschutzhauses in der Stadt. Aufgrund Trägerwechsels und schwieriger finanzieller Situation war dessen Zukunft gefährdet.

In Pirna wird aktuell über den Vorschlag von Finanzminister Georg Unland (CDU) über die Umbenennung der Clara-Zetkin-Straße in Waisenhausstraße diskutiert. Welche Position nehmen Sie als Gleichstellungsbeauftragte ein?

Ich habe eine eindeutige Position dazu: Der Name muss stehen bleiben! Clara Zetkin hat sich Anfang des 20. Jahrhunderts welt- und deutschlandweit für die Rechte der Frauen eingesetzt. Ihrem Wirken ist es mit zu verdanken, dass das passive und aktive Wahlrecht für Frauen eingeführt wurde. Ihre Errungenschaften wirken bahnbrechend bis in die heutige Zeit. Daher wäre eine Änderung des Namens nicht akzeptabel.

An welchen Projekten arbeiten Sie aktuell?

In der kommenden Woche eröffnen wir die Ausstellung "Engagement zeigt Gesicht" im Bürgerbüro im Rathaus. Barbara Hirsch wurde im Frühjahr "Botschafterin Verbundnetz der Wärme". Ihr zu Ehren gibt es eine Fotoausstellung, die drei Wochen lang zu sehen sein wird. Am 25. November findet in Kooperation mit den Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises und der Stadt Freital anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen eine Fachtagung im Landratsamt statt. Im nächsten Jahr biete ich wieder Selbstbehauptungskurse an.

Ein Blick in die Zukunft: Welche Themen wollen Sie in 20 Jahren nicht mehr auf Ihrem Tisch liegen haben?

Die Lohnungerechtigkeit - die Gehaltsunterschiede, die bei Frauen und Männern gemacht werden, obwohl sie die gleiche Arbeit leisten, hätte ich gern nicht mehr auf dem Tisch. Außerdem wünschte ich mir, dass Teams - ob privat beispielsweise in Vereinen oder im Berufs- und Arbeitsleben - auf allen Ebenen gut durchgemischt sind.

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