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Pirnaer Werkstätten setzen in schriftlicher Kommunikation auf "Leichte Sprache"

Pirnaer Werkstätten setzen in schriftlicher Kommunikation auf "Leichte Sprache"

Wenn das Wort "Barrierefreiheit" fällt, denken viele Menschen sofort an den zu hohen Bordstein, der abgesenkt wird, oder einen Aufzug der als Alternative zur Treppe in ein Haus eingebaut wird.

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Friederike Reinisch (li.) und Antje Göbel (re.) unterstützen AWO-Mitarbeiterin Kristin Pretzsch bei den Formulierungen in "Leichter Sprache".

Quelle: Silvio Kuhnert

"Das Thema umfasst aber viel mehr", sagt Ingo Mangelsdorf, Leiter der Pirnaer Werkstätten der AWO Sonnenstein gemeinnützige GmbH. Hürden gibt es auch in der Sprache. "Die menschliche Kommunikation ist voller Missverständnisse", führt er weiter aus, weil die Menschen sich mitunter zu kompliziert ausdrücken. Um Hindernisse im zwischenmenschlichen Verstehen abzubauen, setzen die Pirnaer Werkstätten vermehrt auf "Leichte Sprache". Nun ist eine Broschüre erschienen, in der sich die Einrichtung in einfachen Worten und Sätzen vorstellt.

Bei der Erstellung des Porträts gab Mangelsdorf den Inhalt vor. Dabei hat er bereits versucht, die Arbeit der Werkstätten den jetzigen und künftigen Klienten in leichten Sätzen zu erklären. Ein erster Versuch lautete beispielsweise so: "Die Pirnaer Werkstätten gestalten seit vielen Jahren erfolgreich Arbeitsangebote und Ausbildung für Menschen mit Unterstützungsbedarf." Doch dieser Satz hat es in die Broschüre nicht geschafft. Denn die deutsche Sprache hat eine noch viel prägnantere und damit leicht verständlichere Formulierung im Angebot. In der Broschüre steht nun: "Wir unterstützen seit vielen Jahren Menschen mit Behinderung." Die Übersetzung in die "Leichte Sprache" nahm Kristin Pretzsch vor. Um sich verständlich auszudrücken, müssen auch einige Regeln beachtet werden. "Ein Satz sollte beispielsweise nicht über mehrere Zeilen gehen. Pro Zeile sollte man nur einen Gedanken zu Ende bringen. Schwierige Worte sollte man mit einfachen Begriffen umschreiben und erklären. Sätze sollten im Präsenz geschrieben sein", nennt die AWO-Mitarbeiterin ein paar Grundsätze, auf die man achten sollte.

"Leichte Sprache" besteht aber nicht nur aus kurzen Hauptsätzen. Dazu gehört auch, auf Fremdwörter zu verzichten und lange und zusammengesetzte Wörter mit einem Bindestrich wie "Dienst-Leistung" oder "Metall-Verarbeitung" zu schreiben. Außerdem kommen Bilder zum Einsatz, um ein besseres Verständnis auch visuell zu unterstützen. Und einzelne Begriffe werden fett hervorgehoben.

Tatkräftige Hilfe bekam Pretzsch zum Beispiel von den beiden AWO-Mitarbeiterinnen Friederike Reinisch und Antje Göbel. Sie waren Testleser und gaben immer wieder Rückmeldungen, ob ein Satz verständlich war oder nicht.

In den Pirnaer Werkstätten arbeiten derzeit 530 behinderte Menschen in den Betriebsstätten auf dem Sonnenstein, in Dippoldiswalde und in Heidenau. Für sie wurde nicht nur die Broschüre in "Leichter Sprache" verfasst. Auch die Hausordnung und die Werkstattverträge wurden bereits übersetzt, damit sie auch ein Mensch mit einer geistigen Behinderung besser verstehen kann. "In allen Bereichen, wo wir mit unseren Klienten schriftlich kommunizieren, stellen wir auf ,Leichte Sprache' um", informiert Mangelsdorf.

Der Werkstattleiter meint, dass das Thema "Leichte Sprache" noch zu wenig in der Gesellschaft wahrgenommen werde: "Denken Sie nur an das Behördendeutsch. Wie oft werden Menschen im Alltag mit einer Fachsprache konfrontiert und damit überfordert." Erläuterungen zu Anträgen und Formularen in "Leichter Sprache" oder in einer auf jeden Fall viel verständlicheren Sprache im Vergleich zum Beamtendeutsch wären da hilfreich. "Dies würde auch die Integration von Menschen, die aus dem Ausland zu uns kommen, erleichtern", meint Mangelsdorf. Denn eine der wohl größten Barrieren ist die Sprache.

Die Broschüre ist in einer Auflage von 1500 Stück erschienen und kann auch über die Internetseite der Pirnaer Werkstätten als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.01.2015

Silvio Kuhnert

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