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Pirnaer Steuerberater betrog Fiskus

Pirnaer Steuerberater betrog Fiskus

Das war schon ein schöner Batzen Geld, um den Jens R. das Finanzamt geprellt hat - nicht auf einmal, sondern häppchenweise. 129 305,47 Euro hat er dem Fiskus von 2002 bis 2009 vorenthalten.

Der Pirnaer hatte falsche Angaben in seiner Steuererklärung gemacht oder gar keine abgegeben. Wegen Steuerhinterziehung in 15 Fällen und versuchter Steuerhinterziehung in zwei Fällen musste er sich gestern vor dem Dresdner Amtsgericht verantworten. Das Pikante an der Sache: Jens R. ist vom Fach.

Der 43-Jährige war Steuer-Beratungsstellenleiter und arbeitete seit 1997 beim Lohn- und Einkommenssteuer Hilfe-Ring. Mit der Beratungsstelle wurden auch Umsätze erwirtschaftet, die dem Finanzamt mitgeteilt werden mussten - und zwar korrekt. Ganz so genau nahm es Jens R. aber nicht. Die Angaben zur Umsatz,-Einkommens- und Gewerbesteuer hatte er stark nach unten korrigiert. So gab er Verluste an, wo eigentlich Gewinn erwirtschaftet wurde. Später sparte er sich die Steuererklärung ganz und gab trotz Aufforderung keine mehr ab. Das Finanzamt schätzte ihn daraufhin. Da die Angaben in den Jahren zuvor sehr niedrig waren, ging das Amt von einem viel zu geringen Steuersatz aus. Jens R. hätte wesentlich mehr zahlen müssen.

In einem Rechtsgespräch einigten sich die Parteien auf eine Höchststrafe von einem Jahr und zehn Monaten, wenn der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ablegt. Was dieser auch tat. Jens R. gab die Vorwürfe zu.

Über die Gründe, warum er das Geld am Fiskus vorbeigemogelt hat, kann nur spekuliert werden. Da dürfte beruflich und privat einiges schief gelaufen sein. Im Dezember 2009 stellte er einen Insolvenzantrag, der im März 2010 eröffnet wurde. Seitdem ist er arbeitslos und auf der Suche nach einem neuen Job - diesmal in einem festen Arbeitsverhältnis, damit er nicht wieder in Versuchung kommt.

Da Jens R. privat insolvent ist, floss alles in die Insolvenzmasse, auch sein Haus. Der Mann ist wirklich pleite. Das Geld kann er nicht zurückzahlen. Den Steuerschaden muss also die Allgemeinheit tragen.

Das Dresdner Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Thomas Hassel verurteilte Jens R. schließlich zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Die Strafe wurde für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt. Zudem muss er 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, um so den Schaden wenigstens ein bisschen wieder gut zu machen. Zu seinen Gunsten wurden sein Geständnis und sein positiver Lebenswandel seit dem Vorfall gewertet. Zu seinen Ungunsten der Tatumfang, die Position von Jens R., der eben nicht "Otto Normalverbraucher" war, der sich mit dem ganzen Steuerkram nur begrenzt auskennt, sondern ein "Fachmann" und der lange Tatzeitraum.

Wobei sich hier allerdings auch die Frage stellt, warum dem Finanzamt nicht eher ein Licht aufgegangen ist. Jeder Selbstständige oder Freiberufler weiß, wie hartnäckig das Amt die Steuererklärung einfordert, sehr genau jedes Detail kontrolliert und eigentlich keinen Spaß versteht. Im Fall Jens R. war das offenbar etwas anders. "Man will das Finanzamt nicht jeden Morgen am Frühstückstisch haben, aber da war es wohl etwas sehr langsam", brachte es Verteidiger Claus M. Kobold auf den Punkt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.09.2012

ml

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