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Pirna-Sonnenstein: Gedenkstätte für Euthanasieopfer wird vollendet

Pirna-Sonnenstein: Gedenkstätte für Euthanasieopfer wird vollendet

Ein sieben Meter hohes Mahnmal soll erinnern: In Pirna wird in der kommenden Woche unter freiem Himmel ein Gedenkort für die etwa 15.000 Menschen eröffnet, die dort dem Rassenwahn der Nationalsozialisten zum Opfer fielen.

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Auf dem Sonnensteinkomplettieren Landschaftsgestalter die neue Gedenkstätte für die Euthanasieopfer der Nationalsozialisten.

Quelle: dpa

Das Mahnmal steht an der Stelle, wohin die Asche der Getöteten 1940/41 gekippt worden war. „Nun gibt es einen richtigen Ort zum Trauern", sagt der Leiter der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein, Boris Böhm. Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten, die Stadt und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge haben für den 2. November gemeinsam zur Übergabe der Gräberstätte eingeladen.

Im Pirnaer Stadtteil Sonnenstein ermordeten die Nazis vorwiegend psychisch kranke und behinderte Menschen, sie starben in einer Gaskammer. „Die akribischen Monatsstatistiken belegen den Mord an 13 720 Kranken", sagt Historiker Böhm. Außerdem wurden dort Häftlinge aus den Konzentrationslagern Buchenwald, Auschwitz und Sachsenhausen umgebracht, die nicht mehr arbeiten konnten.

Sonnenstein war eine von sechs Tötungsanstalten, in denen die Nazis ihr sogenanntes Euthanasie-Programm in großem Umfang umsetzten, um „lebensunwertes Leben" auszumerzen, wie es in der Sprache der Täter hieß. Insgesamt starben etwa 70 000 Menschen den Gastod bei der ersten großen Massenvernichtungsaktion der Nazis. Das Programm forderte aber weitaus mehr Opfer, sagt Böhm: Hinzu kamen mindestens noch einmal 100 000 Kranke und Behinderte, die in Krankenhäusern und Heilanstalten ausgehungert und schließlich mit Medikamenten ums Leben gebracht wurden.

Schon seit dem Jahr 2000 gibt es in Pirna eine Gedenkstätte für die Opfer des organisierten Massenmordes in der 1811 als Königlich-Sächsische Heil- und Verpflegungsanstalt gegründeten psychiatrischen Einrichtung. In den vergangenen Jahren war die Geschichte des Mordes weiter erforscht worden, berichtet Böhm. Dabei stieß man am Elbhang auf das Areal, auf dem die Asche der Toten abgekippt worden war. „Es gab zwar zuvor schon Hinweise von Zeitzeugen, aber die neuerlichen Grabungen brachten letzte Gewissheit." Bis in sieben Meter Tiefe sei Asche gefunden worden.

Die Gedenkstätte ist Böhm zufolge inzwischen ein wichtiger Bildungsort gerade für Jugendliche. Im vergangenen Jahr seien knapp 9500 Besucher gezählt worden. „Etwa zwei Drittel dürften Schüler gewesen sein", schätzt der Leiter. „Wir haben eine klaren Bildungsauftrag." Mit dem nun als Erinnerungsort gestalteten Areal am Elbhang werde die Gedenkstätte noch einmal aufgewertet. Mit zwei Informationsstelen sollen auch zufällige Besucher des Ortes auf die Geschichte hingewiesen werden. Bis Dezember wird um das Areal herum allerdings noch gebaut.

dpa

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