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Pirna: 28 Jugendliche aus Russland, Ukraine und Deutschland bereiten sich auf Freiwilligendienst vor

Pirna: 28 Jugendliche aus Russland, Ukraine und Deutschland bereiten sich auf Freiwilligendienst vor

Eine Botschaft für Frieden und Verständigung senden junge Menschen aus dem kleinen und beschaulichen Liebethal in die Welt hinaus. Die Symbolik ist kraftvoll: ohne zu sprechen, bauen sie eine Brücke.

Jeder Handgriff sitzt sofort. Während in der Heimat der einen bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen und die beiden anderen Länder Sanktionen und Embargos gegeneinander verhängen, schlagen junge Ukrainer, Deutsche und Russen Brücken zwischen den drei Nationen.

Im Jugendgästehaus des Pirnaer Ortsteils sind 28 Jugendliche seit einer Woche zusammen. Bis kommenden Mittwoch pauken sie vor allem Vokabeln. In sprachpraktischen Übungen, von denen eine das Brückenbauen war, bereiten sie sich auf ihr Freiwilliges Soziales Jahr vor. Neun Russen und neun Ukrainer kommen nach Deutschland und arbeiten in sozialen Einrichtungen, zehn Deutsche fahren nach Russland oder in die Ukraine, um dort während ihres Freiwilligendienstes Gutes zu leisten.

Einer der Russlandreisenden ist Nils Kessler. Der 18-Jährige stammt aus einem Dorf zwischen Mannheim und Heidelberg. „Ich wollte für ein Jahr ins Ausland“, sagt er. Eine Reise in die USA oder nach Australien mache jeder. „Dort komme ich sicher auch später noch einmal hin“, meint Nils. Er wählte das Abenteuer. Er wird ein Jahr in St. Petersburg leben und in einer Einrichtung für Behinderte arbeiten. Ein Abenteuer ist es vor allem, weil er bis zu seinem Aufenthalt in Liebethal kein einziges Wort Russisch sprach. „Im Intensivkurs lerne ich nun Vokabeln und Grammatik“, berichtet er.

Die beiden Ukrainer Ani Avakyan und Sascha Weremtschuk sowie die beiden Russinnen Nastia Harlashina und Sofia Voloshko teilen ein ähnliches Schicksal. Sie erlernen die deutsche Sprache – bis Mitte nächster Woche in Liebethal und im Anschluss in Wehlen. Am 1. September beginnt ihr Freiwilliges Soziales Jahr. Ani wird beispielsweise autistische Kinder in Schwäbisch Hall betreuen. Nastia bleibt in Sachsen und kümmert sich um Mädchen und Jungen mit Handicap in Großhennersdorf.

In einem sind sie sich einig. „Die Stadt ist so ruhig hier. Ich mag das“, antwortet Ani auf die Frage, welche Unterschiede ihr zwischen Deutschland und ihrer ukrainischen Heimat besonders auffallen. Und Sofia war überrascht: „Die Leute haben uns angelacht und gegrüßt.“ Für die jungen Frauen ist dies besonders auffallend, weniger weil diese Gepflogenheiten in ukrainischen und russischen Dörfern nicht gepflegt werden, sondern weil sie aus Metropolen stammen. Ani und Sascha kommen aus Charkiw, Nastia und Sofia leben in St. Petersburg. Sie genießen hier am Tor zur Sächsischen Schweiz die Ruhe und die Natur während ihres Sprachtrainings.

Der Konflikt in der Ukraine spielt zwischen den Jugendlichen keine Rolle. Die Zimmer teilen sich immer drei – je einer aus der jeweils anderen Nation. „Wenn die Menschen zusammenkommen und miteinander sprechen, gibt es keinen Konflikt“, meint Sascha. Dieser werde von Politikern, durch wirtschaftliche Interessen und durch Propaganda in den Medien künstlich geschürt. „Es sollte mehr solcher Begegnungen geben“, findet Sascha. Und Nastia ergänzt: „Nicht nur für Jugendliche, sondern vor allem auch für Erwachsene!“

Die deutsch-russisch-ukrainische Jugendbegegnung veranstaltet der Verein „Initiative Christen für Europa“. Seit 25 Jahren organisiert er Jugendaustausch und Freiwilligendienst. Auf ihr soziales Jahr bereiten sich derzeit noch weitere 60 junge Menschen aus zehn Ländern in Dresden-Pappritz vor. Am Sonntag werden dann alle gemeinsam durch die Sächsische Schweiz wandern und dabei eine gemeinsame Andacht für den Frieden in Europa abhalten.

Silvio Kuhnert

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