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Pflanzenschutzmittel: Landesumweltamt prüft verdächtige Weingüter

Staatsweingut wollte mit Insektizid Tannebäume spritzen Pflanzenschutzmittel: Landesumweltamt prüft verdächtige Weingüter

Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) will den missbräuchlichen Einsatz im Weinbau verbotener Pflanzenschutzmittel lückenlos aufklären. In Sachsen sind Tausende Liter Wein nicht verkehrsfähig, weil mutmaßlich mindestens ein Traubenerzeuger verbotenerweise ein dimethoathaltiges Präparat so ausbrachte, dass Keltertrauben damit in Kontakt kamen.

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Quelle: Lars Müller

Radebeul/Dresden. Radebeul/Dresden. Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) will den missbräuchlichen Einsatz im Weinbau verbotener Pflanzenschutzmittel lückenlos aufklären. In Sachsen sind Tausende Liter Wein nicht verkehrsfähig, weil mutmaßlich mindestens ein Traubenerzeuger verbotenerweise ein dimethoathaltiges Präparat so ausbrachte, dass Keltertrauben damit in Kontakt kamen. Studien des Herstellers belegten, dass das Insektizid vermutlich direkt auf Rebflächen gespritzt wurde, hieß es vom LfULG schon vor Tagen. Der Anwender gebe aber an, Brombeeren am Rand landwirtschaftlicher Flächen behandelt zu haben. Doch auch das wäre aus Umweltschutzgründen verboten, hieß es.

Entdeckt wurde der missbräuchliche Einsatz bei einer amtlichen Traubenprobe im vergangenen September. Nach dem den DNN und der LVZ vorliegenden Untersuchungsprotokoll waren die Trauben mit 0,75 Milligramm Dimethoat pro Kilogramm belastet. Die Messtoleranz liegt demnach bei etwa 50 Prozent. Weinbauberater Wolfgang Patzwahl aus Franken erklärt, dass es zwar einen EU-Grenzwert von 0,02 Milligramm pro Kilogramm gebe, der sich allerdings lediglich auf Keltertrauben und nicht auf Wein beziehe. Im Wein ist Dimethoat verboten, deshalb haben auch sächsische Landesbehörden nach eingehender juristischer Prüfung einen Grenzwert von 0 im Wein angewiesen. Es ist dabei völlig unerheblich, dass die nachgewiesene Konzentration weder gesundheitsschädlich ist noch die Tatsache, dass in anderen Produkten höhere Grenzwerte gelten. Patzwahl erläutert, dass sich der Wirkstoff Dimethoat nicht an die Hefen im Wein binde und deshalb auch nicht in dem Maße wie andere Wirkstoffe herausgefiltert werden könne. Der Gesetzgeber habe sich schon etwas dabei gedacht, den Wirkstoff im Weinbau zu verbieten, so Patzwahl.

Kontrollen des Landesamtes haben ergeben, dass neben dem mutmaßlichen Verursacher sechs weitere Weinbaubetriebe im vergangenen Jahr dimethoathaltige Pflanzenschutzmittel eingekauft haben. Darunter ist auch das Staatsweingut Schloss Wackerbarth. Wackerbarth habe das Nervengift auf Tannenbauplantagen anwenden wollen, betonte Gutssprecher Martin Junge. Gegen welche Schädlinge genau, sagte er nicht. Es sei aber nie für Rebflächen gedacht gewesen. „Wir haben das Mittel aus Vorsichtsgründen aber auch nicht bei den Tannenbäumen eingesetzt“, so Junge. Deshalb sei die gesamte „bezogene Menge original verpackt und ungeöffnet bereits an den Verkäufer zurückgeführt worden“. Die entsprechenden Dokumente und Nachweise dafür lägen dem Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft vor.

Auf einer etwa zwei Hektar große Brachfläche in Weinböhla hat das Staatsweingut im Jahr 2012 Tannenbäume gepflanzt haben. „Durch die Kultivierung der Tannenbäume auf dieser Brache haben wir den Versuch unternommen, die dort vorherrschende Kaltluftströmung zu unterbrechen“, so Junge. Die Bäume seien noch zu jung, um verkauft zu werden. Die Fläche der Baumplantage sei nicht mehr Bestandteil der Rebflächenkartei.

Dem LfULG lägen bis jetzt keine neuen Hinweise auf missbräuchlichen Einsatz vor. „Von den insgesamt sechs zusätzlich kontrollierten Weinbaubetrieben hatten drei Betriebe die laut Lieferliste zugekauften Mittel noch vollständig im Lager“, so ein Sprecherin des Landesamtes. Ganz unproblematisch ist die Sache aber trotzdem nicht: „Zwei Betriebe davon gaben an, dass sie planen, das Pflanzenschutzmittel zur Behandlung von Nadel- und Ziergehölzen einzusetzen. Allerdings werden die entsprechenden Flächen nicht gewerblich genutzt.“ Es handele sich in beiden Fällen um Privatflächen. Die erworbenen Mittel dürften dort nicht eingesetzt werden. Darüber seien die Unternehmen informiert worden.

Zwei Betriebe hätten im Mai des vergangenen Jahres ganz legal gewerblich in Ziergehölzen dimethoathaltige Mittel eingesetzt. In einem weiteren Betrieb sei Mitte Juni ein dimethoathaltiges Pflanzenschutzmittel in Süßkirschen eingesetzt worden, so das Landesamt. „Die Kirschen wurden für den Eigenverzehr genutzt und nicht verkauft.“ Zwar hatte das eingesetzte Mittel eine Notfallzulassung für Süß- und Sauerkirschen, allerdings ebenfalls nur für gewerblichen Anbau, hieß es. Möglicherweise könne das Konsequenzen für den Betrieb haben. 

Weiter erklärte die Sprecherin: „In einem siebten Betrieb, der bereits im Ermittlungsfokus stand, konnte der Verdacht auf Verstöße gegen das Pflanzenschutzgesetz erhärtet werden.“ Entsprechende Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Betriebsleiter und den mutmaßlichen Anwender seien eingeleitet worden. Im Klartext: Dem mutmaßlichen Verursacher der  sächsischen Weinaffäre drohen Strafen.

In der Region verkaufen zwei Fachmärkte gewerbliche Mengen von dimethoathaltigen Pflanzenschutzmittel gegen entsprechenden Sachkundenachweis. Das Landesamt erklärt, ob auch 2014 Weinbaubetriebe entsprechende Mittel gekauft und eventuell eingesetzt haben, werde derzeit noch geprüft. Online-Handel könne aber nicht überwacht werden. Dimethoat ist ein Nervengift, das von den Pflanzen aufgenommen wird und gegen stechende sowie saugende Schadinsekten wirkt. Es ist unter anderem im landläufig bekannten Bi-58 enthalten. Mittel mit Dimethoat sind für verschiedene Landwirtschaftskulturen zugelassen, definitiv aber nicht für Rebflächen.

Lars Müller

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