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Paul Burkhards "Feuerwerk" zündet an den Landesbühnen bestenfalls musikalisch

Paul Burkhards "Feuerwerk" zündet an den Landesbühnen bestenfalls musikalisch

"O mein Papa war eine wunderbare Clown-" - die gesungene Erinnerung einer Tochter an ihren Vater im Zirkus, dürfte sich als Evergreen in ungezählte Ohren gebohrt haben.

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Christian S. Malchow (als Zirkusdirektor Alexander) und Iris Stefanie Maier (als Anna) in der Landesbühnen-Premiere "Das Feuerwerk".

Quelle: Hagen König

Doch wer weiß schon, aus welchem Bühnenwerk das Lied stammt? Niemand sollte sich deshalb Selbstvorwürfe ob lückenhafter Halbbildung machen, denn verpasst hat er auch bei der Neuauflage durch die Landesbühnen Sachsen nicht viel. Die musikalische Komödie hieß 1939 in Zürich zunächst "Der schwarze Hecht", tauchte 1950 in München als "Das Feuerwerk" wieder auf. Den Kompositionen des Schweizers Paul Burkhard kann man bis heute zumindest streckenweise etwas abgewinnen. Das Stück, das man am treffendsten wohl als musikalischen Schwank bezeichnen müsste, erscheint indessen entbehrlich, auch wenn es einst mit Romy Schneider und Lilly Palmer verfilmt wurde.

Eine Frage des Geschmacks, der Ansprüche und Erwartungen, denn die Landesbühnen bedienen mit diesem Komödienangebot des Musiktheaters durchaus ihr Publikum. Mit dankbarem, rhythmischem Applaus quittierte es ein Stück, das einer dünnen und holprigen Story folgt und dessen Inszenierung nicht gerade vor originellen Einfällen strotzt. Es geht, in einem Satz gesagt, um die Kollision von Freiheit und Abenteuer mit Konventionen des Spießertums. Die Kulisse bildet der 60. Geburtstag des steifen und vertrottelten Albert, zu dem die einfältige und verlogene Sippschaft erscheint. Aber eben auch Bruder Alexander, der als Zirkusdirektor zusammen mit seiner schönen Frau Iduna wie der personifizierte Ausbruch aus festgefahrener bürgerlicher Enge erscheinen soll. Tochter Anna erliegt diesem Reiz beinahe, bevor zum restaurativen Happy End doch alles wieder seinen vorgeschriebenen Gang geht und jeder zu seinem Stammpartner zurückkehrt. Ausgenommen Onkel Gustav, der überraschend ausbricht und sich zum Kasper macht, weil er so seinem Hausdrachen Paula entkommen kann.

Es erscheint schon wie ein rührender Anachronismus, in diesen Zeiten noch einmal Zirkusromantik heraufzubeschwören. Die meisten Wanderzirkusse haben nur dank der Selbstausbeutung ihrer Akteure überlebt, der Mindestlohn bringt sie in finale Schwierigkeiten. Und wenn junge Leute tatsächlich noch den antibürgerlichen Kick suchen, dann beim Bungee-Jumping oder S-Bahn-Surfen - oder gar im Drill des "Islamischen Staates". Insofern bewirkt die Schwärmerei der Haustochter nur ein nachsichtiges Lächeln, so sehr man dem Zirkuszauber nachtrauern mag. Und wenn dann Zirkusdirektor Alexander auch noch wie ein Operettenkaiser im weißen Hermelinmantel auftritt, steigert sich dieses Lächeln zu einem Grinsen.

Bis dahin bieten die nach und nach eintreffenden Geburtstagsgäste eine ganz amüsante Milieu- und Paarbeziehungsstudie der zeitlos überall gleichen und unvermeidlichen Verwandtschaft. Fast alle haben ein artig beklatschtes Solo, und man hört das immerhin zwölfköpfige Personarium durchweg gern singen. Am liebsten Anna Erxleben als Iduna, deren russischer Restakzent in den gesprochenen Passagen außerdem gut zur exotischen Rolle passt. Sängerisch und optisch dominiert sie diesen Abend, und nicht nur die drei wenig eheglücklichen Onkel Fritz, Gustav und Heinrich liegen ihr zu Füßen. Iris Stefanie Maier als Anna prägt sich ebenfalls ein, vermeidet mit schönem Ausdruck manche nahe liegende Albernheit.

Die Inszenierung aber kommt über die ziemlich schablonenhafte Anlage des Textes kaum hinaus. Schauspielchef Peter Kube ist selber ein Erzkomödiant und im heiteren Genre erfahren, so dass eine originellere Umsetzung dieses nicht gerade explosionsgefährdeten Stoffes zu erhoffen war. Das Gerüst einer Open-Air-Bühne auf der Bühne von Klaus Noack ließ anfangs eine pointiertere Vorführung dieses Clans erwarten. Stattdessen folgten doch mehr standardisierter Humor und schöne lebende Operettenbilder. Oft bleibt unklar, ob es sich um Parodien oder ungewollte Selbstparodien handelt, etwa bei der Kerzen schwenkenden Großfamilienkulisse zum Liebesduett ausgangs des ersten Aktes. Unmittelbar davor krachte tatsächlich mal ein Böller, aber ein Feuerwerk ist diese Inszenierung nicht. Der zweite Akt hat zumindest Schauwert. Die Dramaturgie ist hier gewissermaßen angehalten zugunsten einer netten Zirkusvorführung, die dank der Gastartisten Kerstin Straßburger, Karl-Heinz Kaiser und des unverwüstlichen Mimen Rainer König auch beeindruckt. Umso verzichtbarer und antiquierter erscheinen deshalb ein Pappmaché-Nashorn und ein Drachen.

Am ehesten mag der Titel "Feuerwerk" noch auf Burkhards Musik zutreffen. Da sind zwar auch manch formelhafte Kadenzen und in diesem Genre klassisch gewordene Wendungen zu hören, und wie bei Rossini ahnt man oft, was gleich folgen wird. Aber ebenso lassen originelle Einfälle aufhorchen, und die Kompositionen vermitteln beispielsweise beim Zirkusausflug mit Schwung und Schmiss oft glaubhaftere Atmosphäre als das Bühnengeschehen. In Radebeul hat man die Ursprungsfassung für zwei Klaviere gewählt, eine immense Aufgabe für die beiden Repetitoren. Anja Greve und Studienleiter Thomas Gläser sind die eigentlichen Stars des Abends, stehen scheinbar mühelos über der nicht enden wollenden Partitur und verstehen sich blind.

nächste Aufführungen: 10. & 17. April

www.landesbuehnen-sachsen.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.04.2015

Michael Bartsch

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