Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
OB Wendsche will Sanierungsgebiet West „so schnell wie möglich“ einrichten

Bürgermeisterinterview OB Wendsche will Sanierungsgebiet West „so schnell wie möglich“ einrichten

Minderjährige Asylbewerber, die ohne Eltern im Landkreis Meißen ankommen, sollen vorrangig in Radebeul untergebracht werden. Sie könnten in der Stadt besser betreut werden, meint Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) im Interview. Auf diese Weise will Radebeul seine im Vergleich mit anderen Kommunen im Landkreis eher geringen Belegungszahlen ausgleichen.

Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche im Gespräch.

Quelle: Martin Förster

Radebeul. In Radebeul sollen vor allem minderjährige Asylbewerber eine Unterkunft finden, die ohne Eltern im Landkreis Meißen ankommen. Sie könnten in der Stadt besser betreut werden, meint Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) im Gespräch mit DNN-Mitarbeiter Uwe Hofmann. Auf diese Weise will Radebeul seine im Vergleich mit anderen Kommunen im Landkreis eher geringen Belegungszahlen ausgleichen. Die Sanierung der Meißner Straße, die inzwischen auf 2017 verschoben ist, könnte sich weiter verzögern, dafür soll es mit dem Sanierungsgebiet Radebeul-West nach Meinung des OBs schneller gehen als zunächst gedacht.

Frage: Radebeul hat derzeit 180 Plätze für Asylbewerber, davon 150 belegt. Andere im Landkreis Meißen haben deutlich höhere Belegungszahlen. Was denken Sie, wie lange lässt sich die Maxime der dezentralen Unterbringung noch durchhalten?

Bert Wendsche: Wir müssen uns im Kreis nicht verstecken, wir sind von der Anzahl untergebrachter Asylbewerber im guten Mittelfeld. Es war von Anfang an klar, dass es in Radebeul mit dem engen Wohnungsmarkt nicht einfach sein wird. Mit den zwei Flüchtlingskoordinatoren haben wir aber Türen geöffnet. Natürlich dauert das länger, natürlich ist dieser Weg mühseliger, weil man erst Vorbehalte überwinden muss, um eine Wohnung zu finden. Aber ich denke, dass es langfristig der erfolgreichere Weg ist, weil wir mit der dezentralen Unterbringung Begegnung ermöglichen und damit den ersten Schritt für eine Integration tun. Die Herausforderung wird nicht kleiner. Wir werden sicherlich keine solchen Großeinrichtungen bekommen, aber Unterkünfte mit 20 oder 30 Plätzen sind auch in Radebeul möglich. Andererseits kann ich nur sagen: Egal wie man es formuliert: Die Zugangszahlen müssen kleiner werden.

Und diese größeren Unterkünfte, was kann das sein? Wohncontainer oder Holzhäuschen, wie sie in Klipphausen entstanden sind?

Nein, wir wollen jetzt nichts extra bauen. Das könnten leerstehende Bürogebäude sein, die man mit vernünftigem Mitteleinsatz umnutzen kann. Darüber hinaus stellen wir uns dem Thema unbegleitete minderjährige Asylbewerber, sogenannte UMAs. Das ist in der Stadt sicher einfacher als im ländlichen Raum, weil es dabei ja vor allem um Schule und Berufsausbildung geht. Dafür ist es in den Regionen, wo es viel Leerstand gibt, sicher einfacher, größere Anzahlen von Menschen unterzubringen.

Um was für eine Größenordnung handelt es sich denn bei den unbegleiteten Minderjährigen?

Wir werden sicherlich in diesem Jahr so zwischen 20 und 30 bei uns unterbringen.

Die Meißner Straße war eines der bestimmenden Themen im zurückliegenden Jahr. Es hieß, dass ein Baubeginn 2017 sehr knapp wird. Wie sieht das aktuell aus?

Es ist immer noch sehr knapp, weil wir in beiden Abschnitten noch im Planfeststellungsverfahren sind. Die Federführung dafür liegt bei der Landesdirektion. Wir sind auf gutem Weg, die Umleitungssituationen im Vorfeld vernünftig zu klären. Wir haben ja schon die Pestalozzistraße gebaut, dann den ersten Abschnitt der Sidonienstraße. Im nächsten Jahr geht es dort weiter, außerdem an der Kiefernstraße. Wir haben den ersten Abschnitt der Heinrich-Zille-Straße saniert. 2016 ist ein Stück der Winzerstraße in diesem Umleitungszyklus dran. Außerdem bauen wir derzeit auf der Kötzschenbrodaer Straße, so dass ich denke, dass mit den ganzen Bausteinen, die jetzt ihren Platz finden, die zwei Mammutbaustellen in Ost und Mitte vernünftig vorbereitet werden. Ob es dann 2017 oder doch erst 2018 wird, ist gar nicht so entscheidend. Wichtiger ist, dass wir deutlich gelassener in die Bauzeit gehen können.

Und der Partner DVB würde eine weitere Verzögerung mittragen?

Wenn es jetzt so lange gegangen ist, dann wird es sicher nicht an einem halben Jahr scheitern. 2017 ist weiterhin ambitioniert und die Welt geht nicht unter, wenn es 2018 wird.

Es gibt Investoren für das Glasinvestgelände. Wie bewerten Sie deren Pläne aus städtebaulicher Sicht?

Wir haben uns ja damals, als es um die Frage Lebensmittelmarkt am Bahnhof Radebeul-Ost oder auf dem Glasinvest-Gelände ging, gegen manchen Widerstand zum Zentrum Radebeul-Ost bekannt. Die Alternative wäre ein Edeka-Markt an der Meißner Straße auf dem Glasinvest-Gelände gewesen, mit einen großen Parkplatz davor. Wir sagten damals, dass es das nicht sein kann. Ziel war die Wiederbelebung des urbanen Zentrums um den Bahnhofs und nicht eine autogerechte Stärkung der Meißner Straße. Damals wurden wir dafür von einigen angefeindet. Wir haben dann noch einmal die städtebauliche Planung für das Glasinvest-Gelände geändert und sind jetzt bestätigt worden. Die städtebauliche Figur, die wir wünschen, wird umgesetzt, auch wenn über Details noch geredet werden wird. Insofern ist das eine Bestätigung dafür, dass man für eine städtebauliche Vision – es geht immerhin um 1,4 Hektar Innenstadtfläche -, Geduld braucht und sich nicht kurzfristig erpressen lassen darf.

Wenn das Projekt gebaut wird, bedeutet das wieder Zuzug von Einwohner. Wie ist da die aktuelle Entwicklung?

Die Einwohnerzahl ist in den letzten Jahren stetig ansteigend, im Jahr 2014 mit etwa 300 sogar ziemlich steil. Im Regelfall haben wir um die 100 Menschen Zuwachs. So wird es auch in den nächsten Jahren sein, aber ich denke, dass wir nicht über unseren Planungshorizont von 35 000 Einwohnern hinaus gehen werden. Wir können und sollten uns aber dem Zuzugsdruck nicht ganz verschließen, weil das ansonsten eine starke soziale Auslese mit sich brächte. Deswegen wird jetzt das Areal Maxim-Gorki-Straße entwickelt, dann kommt das Glasinvest-Gelände und dann gibt es noch ein größeres Areal, das vor allem für Mietwohnungsbau gedacht ist, an der Kötitzer Straße in Radebeul-West.

Zum Sanierungsgebiet-West gab es zwei Anträge aus Fraktionen, die es beide eilig hatten...

...Die sind auch eilig.

Gehört hat man aber seit Monaten nichts mehr davon. Wo stecken die denn?

Die sind in der Gremienberatung. Im ersten Quartal 2016 wird es zum Sanierungsgebiet West erste Beschlüsse geben, da werden auch die beiden Anträge dazugehören. Das Vorhaben und seine Potentiale sind mittlerweile unstreitig. Es ist gelungen, auch dank unseres Kulturamts, die Menschen im Gebiet mitzunehmen. Jetzt geht es um die Frage, wie man das formalisiert, Stichwort Sanierungsbeirat. Es geht aber auch um einen Rahmenplan, der Ziele für das Gebiet formuliert: zur Musikschule, zum Bahnhof, zur Parkplatzsituation, zum Schulstandort Kötzschenbroda, zur Bahnhofstraße und so weiter.

Ist es realistisch, dass die Sanierungssatzung vor 2019 in Kraft tritt?

Ja.

Dann gäbe es aber in Ost und West zwei Sanierungsgebiete gleichzeitig in Radebeul.

Das ist eine neue Herausforderung, die wir annehmen würden.

Und wann wäre das vorstellbar?

So schnell wie möglich. Weil mit einer Sanierungssatzung allein ja noch nicht die Bauarbeiten losgehen. Sie ist erst die Grundlage für die konkreten Planungen. Und man kann nicht Menschen für ein Sanierungsgebiet begeistern und dann dauert es vier Jahre, bis etwas passiert. Wir haben viele Ideen und es drängt nach Veränderung, viel eher als 2019.

Gibt es eigentlich Planungen zum Moritz-Garte-Steg in Radebeul-Mitte? Die Landesbühnen wollen das Areal ja im Frühjahr übergeben, weil dann die neuen Theaterwerkstätten an der Schuchstraße eröffnen.

Die Theaterwerkstätten werden voraussichtlich im April in Betrieb gehen und die jetzigen Provisorien am Moritz-Garte-Steg aufgegeben. Wir werden im nächsten Jahr die südliche Richard-Wagner-Straße um den Haltepunkt Weintraube umbauen und bekommen damit an der südlichen Grenze dieses Gebiets eine deutliche Aufwertung. Das wird auch Diskussionen auslösen, ob es nach der bisherigen Planung am Moritz-Garte-Steg weitergehen soll oder ob wir die Planungen doch noch einmal anpassen sollten. Das wollen wir mit allen Beteiligten diskutieren.

Zum Beispiel auch mit dem Evangelischen Schulverein, der dort gern eine neue Oberschule bauen würde?

Auch das ist eine interessante Idee.

Auf der letzten Kreistagssitzung hat VVO-Chef Burkhard Ehlen eröffnet, dass er im Moment keinen Weg sehe, wie Viertelstundentakt auf der S-Bahnlinie 1 finanziert werden könne. Den hatte man unter anderen Radebeul ab 2016 versprochen, das im Gegenzug vom Regionalexpress Dresden-Leipzig abgehängt werden sollte. Wie werten Sie diese Offenbarung?

Wenn jetzt wegen der Neustrukturierung der Bund-Länder-Finanzierung der Regionalverkehr in Sachsen generell schwieriger zu finanzieren ist und der Viertelstundentakt nicht kommt, den wir als Radebeul aber weiter anstreben, dann muss man eben sehen, dass der Regionalzug nicht abgehängt wird. Es wurde ja gesagt, dass der Regionalexpress in Radebeul-Ost nicht mehr halten kann, wenn die S-Bahn alle Viertelstunden dort hält. Wenn das nicht kommt, kann ja auch der Regionalzug weiter dort halten. Die Gespräche dazu müssen aber noch laufen.

In Sachen Hochwasserschadensbeseitigung ist 2016 ein spannendes Jahr, weil da vieles erledigt werden muss. Radebeul hatte noch weitere Mittel beantragt. Kommen die?

Die Tendenz ist jetzt so, dass es eher keine zusätzlichen Mittel gibt. Wir müssen mit den vorhandenen Geldern auskommen. Dafür sollen jedoch die Realisierungsfristen verlängert werden.

Was Ihnen zum Beispiel an der Kottenleite entgegen kommt, wo es von Anfang an fraglich war, ob das bis 2017 zu schaffen ist.

Ja. Dennoch sind wir bei vielen Projekten schon sehr weit.

Im städtischen Weingut Hoflößnitz hat man erstmals volle Keller, außerdem wird das Pressenhaus saniert. Inwieweit hilft das, Kritiker verstummen zu lassen?

Das müssen Sie die Kritiker fragen. Bisher wurde das, was 2009 einstimmig vom Stadtrat beschlossen wurde, erfolgreich umgesetzt. Wir werden also 2016 nach aller Voraussicht in der Weinguts-GmbH erstmals schwarze Zahlen schreiben. Wir haben dieses Jahr den gesamtdeutschen Winzerzug auf die Beine gestellt, was überregionale Aufmerksamkeit erzeugt hat. Und wir werden nächstes Jahr das Besucherzentrum in Betrieb nehmen und damit baulich vieles geschafft haben: das Gästehaus, das Berg- und Lusthaus, die Außenanlagen, die Parkplätze. Die nächste große Herausforderung wird dann das Kavaliershaus mit der Dauerausstellung zum sächsischen Weinbau sein. Wir ernten allmählich die Früchte der Bemühungen.

Was wird aus ihrer Sicht 2016 noch bedeutend sein?

Wir haben in den letzten Jahren in einem bisher nicht gekannten Tempo Schulentwicklung betrieben. Wir haben 2015 nun endlich die sanierte und erweiterte Grundschule Naundorf in Betrieb genommen, außerdem die sanierte Grundschule Friedrich Schiller. Beim Pestalozzihaus des Lößnitzgymnasiums sind wir vor dem Abschluss der Baumaßnahmen und an der Oberschule Mitte wird 2016 intensiv gebaut. Und wir haben am 11. Januar das Ergebnis des Architekturwettbewerbs zur Sanierung und Erweiterung des Luisenstift-Altbaus vorgestellt.

Von Uwe Hofmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

22.07.2017 - 17:19 Uhr

Auch ohne viele Stammkräfte begannen die Hausherren stark. Doch letztlich reichte eine Zwei-Tore-Führung nicht zum Erfolg. Viele individuelle Fehler machten den Klassenunterschied deutlich.

mehr