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"Nur gucken gibt's bei uns nicht" - Sattlerei in Freital ausgezeichnet

"Nur gucken gibt's bei uns nicht" - Sattlerei in Freital ausgezeichnet

Im Zentrum der Werkstatt knistert ein wohlig warmes Feuer. Der Lederduft in den Räumen versprüht ein bisschen Nostalgie. Während sich Werkstattmeister Uwe Stölzer konzentriert über einen rabenschwarzen Lederfetzen auf der Werkbank beugt, begleitet ihn die Musik aus dem Radio bei der Arbeit.

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Die 18-jährige Azubine Linda Hayn lernt in der Freitaler Sattlerei Stölzer ihr Handwerk - und findet das Arbeitsklima prima.

Quelle: Norbert Neumann

Die Sattlerei Stölzer in Freital ist irgendwie ein Ort, an dem man sich sofort wohl fühlt. "Die Arbeitsatmosphäre ist hier einfach viel angenehmer, viel persönlicher als in einem größeren Betrieb", erklärt Azubine Linda Hayn.

Vielleicht ist das Unternehmen auch deswegen dieses Jahr zu einem von 30 "vorbildlichen Ausbildungsbetrieben" aus dem Kammerbezirk Dresden durch die Dresdner Handwerkskammer ausgezeichnet worden. Betriebe, die im Ruf stehen, kontinuierlich und qualitativ hochwertig auszubilden, wurden für die Auszeichnung von Innungen, Fachverbänden, Kreishandwerkerschaften sowie der Handwerkskammer Dresden vorgeschlagen. Eine Fachjury traf schließlich die Entscheidung über die Sieger.

Seit dem Jahr 2000 bildet Sattler- und Feintäschnermeister Uwe Stölzer gemeinsam mit seiner Frau Martina regelmäßig Lehrlinge aus. Die etwas abseits in einem kleinen Waldstück nahe der Kohlenstraße gelegene Sattlerei hat sich vor allem auf Reitsportsättel spezialisiert. Aber auch Abpolsterungen für die Flugzeugtechnik und Sitzbezüge von Oldtimern begegnen Uwe Stölzer tagtäglich während seiner Arbeit. Alle drei Jahre kann hier ein junger Mensch den Beruf des Sattlers von der Pike auf lernen.

So wie Linda Hayn: Die 18-Jährige absolviert derzeit ihr drittes und letztes Lehrjahr. Wie die meisten ihrer bisher vier Vorgänger in der Sattlerei Stölzer kam sie durch ihre Liebe zu den Pferden auf den ungewöhnlichen Berufswunsch. "Meine Familie besitzt selbst Pferde, da lag eigentlich der Beruf des Pferdewirts nahe. Dann hätte ich aber kein Hobby mehr gehabt. Meine Eltern haben mich schließlich auf die Sattler-Idee gebracht", berichtet Linda. Besonders schätzt die Radebeulerin die Verantwortung, die ihr bereits vom ersten Arbeitstag an übertragen wurde. "Ich musste gleich mit der Polsterung einer alten Straßenbahn loslegen", erinnert sich Linda Hayn. "Einfach ein paar Wochen nur 'gucken' - das gibt es bei uns eben nicht", bestätigt ihr Meister Uwe Stölzer.

Besonders gut gefällt Linda auch, dass sie in Entscheidungen des Betriebs aktiv einbezogen wird. Dem Lehrmeister ist daran gelegen, seine Azubis möglichst allumfassend auszubilden. Deshalb stellte er Linda auch kürzlich für einen Lehrgang in "Wirtschaftsenglisch" problemlos von der Arbeit frei. Bald wird sie gemeinsam mit ihrem Chef einen Kurs zum Projektmanagement besuchen.

Die Berufsaussichten für Linda sind aller Voraussicht nach sehr gut, denn die Branche kämpft mit Nachwuchsmangel. Das kann auch Roland Steiner, Vorsitzender des Bundesverbandes für Fahrzeugausstattung und Reitsportausrüstung, bestätigen. "Unter jungen Leuten ist der Beruf wenig bekannt. Auch die Arbeitsagenturen haben die Ausbildung zum Sattler oft nicht wirklich auf dem Schirm", sagte er. Deshalb bewerben sich jedes Jahr nur wenige junge Menschen für eine solche Lehrstelle. Im Kammerbezirk Dresden beginnen jährlich sieben bis acht Jugendliche eine Ausbildung zum Sattler. Dabei sind die Perspektiven gut. "Wer heute Sattler lernt, der findet auf alle Fälle eine Arbeit", versichert Steiner.

Trotz rosiger Aussichten und familiärer Arbeitsatmosphäre - für Linda Hayn hat ihre Ausbildung einen kleinen Wermutstropfen: In ganz Sachsen gibt es nicht eine einzige Berufsschule, die die theoretische Ausbildung der Sattlerlehrlinge übernimmt. Nächste Anlaufstelle ist das thüringische Hermsdorf. Am dortigen Berufschulzentrum muss Linda gemeinsam mit anderen Azubis aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt die Theorie ihres zukünftigen Metiers pauken. "Klar nervt das ein bisschen, immer dort hinzufahren. Aber der Austausch unter den Lehrlingen aus verschiedenen Himmelsrichtungen hat auch was für sich", verrät sie mit einem Schmunzeln.

Im September kommenden Jahres ist Schluss für die 18-Jährige. Mit der bestandenen Gesellenprüfung endet dann ihre Ausbildung bei den Stölzers. Doch auch danach hat das findige Mädchen bereits Pläne: "Am liebsten würde ich dann eine Weile in Kanada arbeiten", verrät sie.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.10.2014

Susann Schädlich

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