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„Nur die Schweizer und Glashütter können hochwertige Uhren verkaufen“

Interview mit Adrian Bosshard, Geschäftsführer von Union Glashütte „Nur die Schweizer und Glashütter können hochwertige Uhren verkaufen“

Union Glashütte wagt den Schritt ins Reich der Mitte. Mit Peking und Shanghai beginnt der Uhrenhersteller, den chinesischen Markt zu bearbeiten. Geschäftsführer Adrian Bosshard schwärmt von Glashütte und sagt der Uhrenindustrie eine große Zukunft voraus.

Ein Modell von Union mit dezentralem Ziffernblatt.
 

Quelle: Anja Schneider

Glashütte.  Die Marke Union Glashütte war auf der größten Branchenmesse „Baselworld“ gar nicht vertreten, gewann aber mit dem Modell „Belisar Pilot Gangreserve“ bei der Wahl der „Armbanduhr des Jahres“ den ersten Preis in der Kategorie „Sportuhr“. Im DNN-Interview erklärt Union-Geschäftsführer Adrian Bosshard, welche Ziele der Swatch-Konzern mit der Marke verfolgt.

Frage: 2008 haben Sie die Marke mit viel Aufwand neu am Markt platziert. Hat es sich gelohnt?

Adrian Bosshard: Die Marke hat sich in den Kernländern sehr gut entwickelt. Union hat Jahr für Jahr zweistellig zugelegt.

Wo finden sich die Käufer von Union-Uhren?

Wir haben uns stark in den deutschsprachigen Regionen etabliert, also in Deutschland und Österreich. In Deutschland haben wir 170 Handelspartner. Wir wollen keine inflationäre Strategie fahren, sondern mit qualifizierten Partnern zusammenarbeiten. Vor anderthalb Jahren sind wir auf dem russischen Markt gestartet und haben dort sehr qualitative Handelspartner gewinnen können.

Können sich die Leute in Russland noch Uhren aus Glashütte leisten?

Der russische Markt wies bis Ende 2014 Jahr für Jahr sehr spektakuläre Wachstumsraten auf. Die Leute haben eine sehr große Affinität zu Uhren. Mit dem niedrigen Ölpreis und der Entwertung des Rubels um 60 bis 70 Prozent ist es schwieriger geworden, das hat die gesamte Import-Industrie getroffen. Aber wir denken nicht in kurzen Etappen, sondern langfristig.

Wollen Sie als Ersatz andere Märkte für sich erschließen?

Mittel- und langfristig wird Russland eine wichtige Rolle spielen. Wichtig sind auch die Emirate mit den großen Touristenströmen, wir haben dort eine Tochtergesellschaft. Wir werden jetzt beginnen, den chinesischen Markt zu bearbeiten und uns mit Peking und Shanghai auf zwei Regionen fokussieren. Wir wollen uns nicht verzetteln, sondern effizient und konzentriert den Markt bearbeiten. Dort, wo wir eröffnen, gehen wir ein Versprechen ein. Eine mechanische Uhr ist kein Wegwerfprodukt wie ein Computer oder ein Handy. Union Glashütte gehört mit seiner gewaltigen Aura und Geschichte zu den großen Marken.

Wo positioniert sich die Marke?

Wir finden uns im oberen Preissegment wieder. Wir gehören zu den absoluten Premiummarken, aber nicht zum Luxussegment. Unsere Uhren kosten 1000 bis 5000 Euro. Das ist viel Geld, dafür müssen wir unseren Kunden Präzision, Wertigkeit, Schönheit und Langlebigkeit bieten. Für sie ist es der Eintritt in die ganz große Glashütter Uhrenwelt. Deshalb steckt sehr viel Handarbeit in den Uhren. Der Erfolg gibt uns Recht. Das zeigen die Wachtsumsraten.

Wächst auch die Produktion in Glashütte?

Wir sind 2012 in unseren Neubau eingezogen und haben die Produktionsfläche 2015 um 40 Prozent erweitert. Dazu wurden auch neue Mitarbeiter eingestellt. Wir haben jetzt knapp 40 Beschäftigte im Bereich Produktion. Dabei nutzen wir die Synergien in der Swatch Group und mit Glashütte Original.

Kommen Sie mit der Fertigung hinterher oder muss der Kunde auf seine neue Uhr warten?

Wenn der Kunde eine Uhr kaufen will, dann muss sie auch zur Verfügung stehen. Wer ein Monatsgehalt für eine Uhr ausgibt, will sie gleich in den Händen halten. Wir produzieren so, dass wir die Nachfrage bedienen können. Wir werben erst mit einem Modell, wenn es verfügbar ist. Wenn einzelne Modelle überproportional gut laufen, kann es natürlich auch Engpässe geben. Wir schauen uns regelmäßig die Abverkaufszahlen an und stellen die Produktion darauf ein.

Welche Rolle spielt Union im Swatch-Konzern?

Union Glashütte ist eine Perle mit unglaublicher Kompetenz und erfahrenen Mitarbeitern. Nur die Schweizer und die Glashütter können hochwertige Uhren verkaufen. Darauf können die Sachsen stolz sein. Die Swatch Group stärkt diese Kompetenzen.

Warum wurde die Marke 2008 neu platziert?

Union hat bis 2005 mit Manufakturkalibern von Glashütte Original gearbeitet. Damit ist man in der Preiskategorie nicht unter 4000, 5000 Euro. Um „made in Glashütte“ ab 1000 Euro anbieten zu können, kann man keine Manufakturwerke verwenden. Da muss man mit industriell gefertigten Werken arbeiten, die personifiziert, veredelt und verbessert werden. Diese Strategie ist hervorragend aufgegangen.

Hat Union Erweiterungspläne?

Mit steigenden Absatzzahlen wird sich auch das Personal vergrößern. Über zusätzliche Fläche sollten sich mehr Möglichkeiten eröffnen, dafür müssen wir die Vorkehrungen treffen. Die hochwertige Glashütter Uhrenindustrie ist erst seit 20 Jahren wieder richtig belebt worden, da sehe ich noch ein Riesenpotenzial. Unser Anspruch ist es, laufend besser zu werden.

 Interview: Thomas Baumann-Hartwig

Von Thomas Baumann-Hartwig

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