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Notunterkunft im Tharandter Wald - bis zu 80 Flüchtlinge in ehemaliger Forstschule Grillenburg

Notunterkunft im Tharandter Wald - bis zu 80 Flüchtlinge in ehemaliger Forstschule Grillenburg

Die Einrichtung wirkt sehr spartanisch: zwei Doppelstockbetten, ein Schrank, ein Tisch mit Stühlen in 15 kleinen Zimmern. Hinzu kommen zwei große Schlafräume mit sieben Etagenbetten.

Grillenburg.

Der Speiseraum ist mit Biertischgarnituren bestückt. Ein Gemeinschaftsraum und ein Zimmer mit einer Spielecke für Kinder dienen dem Zeitvertreib. "Es wird hier wie in einer Jugendherberge ablaufen", sagte am Freitag Ingolf Ulrich, Sprecher der Landesdirektion Sachsen, beim Rundgang durch die frühere forstliche Fortbildungsstätte im Tharandter Ortsteil Grillenburg. Das Wort "Jugendherberge" beschreibt den Charme, den das Gebäude versprüht, am besten. Nur werden in der einfachen Herberge keine Schüler, sondern Asylsuchende wohnen.

Bis zu 80 Flüchtlinge haben in dem Haus aus der Mitte der 1950er Jahre Platz, wo einst angehende Forstarbeiter ihr Handwerk lernten. Rund ein Jahr stand das Schulungsgebäude leer. Nun reaktiviert es die Landesdirektion als Notunterkunft und Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung in Chemnitz. "Wir wollen bevorzugt Familien hier unterbringen", informierte Ulrich. Er schließt aber nicht aus, dass sich unter den künftigen Bewohnern auch allein eingereiste junge Männer befinden werden. Für die Asylbewerber sind immer zwei Betreuer vom Deutschen Roten Kreuz vor Ort. Hinzu kommen vier Wachschützer.

Wenn das Haus voll belegt sein sollte, hat sich die Einwohnerzahl von Grillenburg fast verdoppelt. 110 Seelen leben bis jetzt in der Ortschaft mitten im Tharandter Wald. "Wir fühlen uns überfahren", sagte Ortsvorsteher André Kaiser (Freie Wählergemeinschaft). Eine Notunterkunft für zwei bis drei Familien könnte man im Ort organisieren. Bei 80 Menschen fühlt sich die Ortschaft überfordert. Von einem "Vertrauensverlust" sprach der stellvertretende Tharandter Bürgermeister Jens Heinze (Bürgerliste Grün der Zeit). Vor rund zwei Wochen hieß es noch aus dem Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), dem Eigentümer der Immobilie, dass das Gebäude wegen der Lage als Asylbewerberheim ungeeignet sei. Am vergangenen Freitag kam dann die Kehrtwende vonseiten der Landesdirektion. Sie entschied, das Objekt doch als Notunterkunft in Anspruch zu nehmen Schon am folgenden Tag begann das Deutsche Rote Kreuz das Haus herzurichten. "So etwas braucht Vorlauf, um die Einwohner vorzubereiten", meint Heinze, etwa durch frühzeitige Informationen und einer Einwohnerversammlung.

"Die Kommunikation lief nicht optimal", räumte Behördensprecher Ulrich ein. Auch das Verhältnis von Einwohnerzahl und Belegung entspreche nicht den Wunschvorstellungen der Landesdirektion. "Das Gebäude steht an der falschen Stelle", so Ulrich. In einer Stadt wie Kamenz wäre ein solches Objekt wünschenswert. Das Haus sei optimal und eigne sich zur Erstunterbringung von Asylsuchenden weit besser als eine Turnhalle, so Ulrich. Warum die Entscheidung als Notunterkunft gleich nach der Besichtigung am Freitag voriger Woche fiel, begründet die Landesdirektion mit dem unerwartet hohen Zustrom von Flüchtlingen. Mit 3715 Zuzügen kam im Januar und Februar dieses Jahres das Dreifache an Asylbewerbern als in den beiden Vergleichsmonaten des vorigen Jahres in Sachsen an. Der Freistaat muss täglich mit der Ankunft von 200 Asylsuchenden rechnen. Weil aber in den vergangenen Tagen "nur" zwischen 60 bis 70 täglich kamen, ist das Heim in Grillenburg noch nicht belegt. Dies kann sich aber täglich ändern. Als Reserve hält sich die Landesdirektion das Objekt vor. Es bleibt aber ein Provisorium. Bis 2017 soll die Erstaufnahme nur noch in den drei Großstädten Chemnitz, Leipzig und Dresden erfolgen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.03.2015

Silvio Kuhnert

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