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Nomos Glashütte will internationaler werden

Nomos Glashütte will internationaler werden

Eine gespannte Ruhe herrscht in den Montageräumen der Uhrenmanufaktur Nomos in Glashütte. Tiefgebeugt über ihre Arbeitstische, teils mit, teils ohne Augenlupe, drehen Frauen und Männer an winzigen Schräubchen, befestigen Spiralfedern, setzen kleine Rädchen ein.

Glashütte.

Von Madeleine Arndt

"Konzentration ist in allen Bereichen wichtig, weil man schnell Dinge übersehen kann", erklärt Uhrmacher Detlef Reichel die Sprachlosigkeit im Raum. Einige seiner Kolleginnen, die mit dem Gesicht besonders dicht am Uhrwerk arbeiten, gewöhnten sich sogar eine flache Atmung an, damit die sensible Mechanik keinen Schaden nehme. Nicht auszudenken, wenn man da noch sprechen würde!

Detlef Reichel hat vor dreieinhalb Jahren wegen Nomos seinen Arbeitsplatz von Niedersachsen ins sächsische Glashütte verlegt. Bei Nomos ist er für die Produktionstechnologie verantwortlich. Gerade verankert er ein Schwingsystem in die Mechanik einer Armbanduhr, um zu testen, wo es noch Verbesserungsmöglichkeiten in der Montage gibt. Fast 50 Uhrmacher arbeiten mittlerweile hier in der Chronometrie - den Namen hat die am Hang des Müglitztals liegende Produktionsstätte erhalten, weil in diesem Haus zu DDR-Zeiten Marinechronometer - Schiffsuhren für die See - hergestellt wurden. Heute sind die hier in Handarbeit gefertigten Uhren um einiges kleiner und auch wesentlich teurer. Eine echte Nomos kostet zwischen 980 und 3880 Euro.

Die Fertigung dieses rein mechanischen Zeitmessers dauert zwei bis drei Wochen, allein eine Woche wird geprüft, ob er richtig tickt. Bei der Regulierung helfen so genannte Zeitwaagen, die das Gangbild der Uhr ausmessen. Geht sie auf den Kopf gestellt zum Beispiel nach, dann nehmen die Uhrmacher in der Mechanik winzige Bohrungen vor, bis alle Rädchen rund laufen. Man könne das mit dem Auswuchten von Autorädern vergleichen, sagt Nomos-Sprecherin Ute Fischer-Graf. "Nur dort gibt man Gewicht zu und der Uhrmacher nimmt Gewicht weg." Ebenfalls an die Autowerkstatt fühlt man sich beim Uhren-Service erinnert: Damit auch noch die Enkel an dem guten Stück ihr Freude haben, empfiehlt der Hersteller, die Armbanduhr am besten alle drei bis fünf Jahre warten zu lassen. In den Service-Räumen der Manufaktur wird dann die Mechanik überprüft, inklusive Dichtungsringtausch und Ölwechsel.

Seitdem Nomos 1992 die ersten vier Handaufzugsuhren, "Tangente", "Ludwig", "Orion" und "Tetra" auf den Markt gebracht hat, boomt das Geschäft mit der mechanischen Zeit. Die Quarzkrise durch das Aufkommen der elektromechanischen und vollelektrischen Uhren in den 70er und 80er Jahren ist da längst Geschichte. Die Uhr ist seither mehr zum Schmuck und Luxusgut geworden. Die Nomos Uhrenmanufaktur wuchs in den letz- ten zwei Jahren deutlich von etwa 80 auf 127 Mitarbeiter an und ist nach Glashütte Original und Lange & Söhne der drittgrößte Uhrenhersteller vor Ort.

Für 2013 plant Nomos-Chef Uwe Ahrendt die Belegschaft um weitere zehn Prozent aufzustocken. "Nomos wird internationaler", kündigt Ahrendt an. Den amerikanischen Kontinent hat er insbesondere im Auge. "Wir hatten bisher nur einen Juwelier, 'Wempe' auf der 5th Avenue in New York, der Nomos-Uhren verkaufte", berichtet der Unternehmer. Jetzt sollen weitere Fachgeschäfte in den Staaten akquiriert werden. Obwohl der Uhrenhersteller über einen Onlineshop in 41 Länder liefert und in 21 Ländern im Fachhandel vertreten ist, bleibt der Hauptmarkt von Nomos Deutschland.

Die "Betriebsverkaufstelle" in Glashütte selbst feiert morgen ihr zehnjähriges Bestehen. In dem Haus an der Hauptstraße 12 nahm die Uhrmacherkunst in Glashütte ihren Anfang. Im Jahre 1845, als der Erzbergbau zum Erliegen kam und sich die wirtschaftliche Lage der Glashütter Bevölkerung zunehmend verschlechterte, begann Ferdinand Adolf Lange hier die ersten Lehrlinge auszubilden.

www.nomos-glashuette.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.12.2012

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