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Nomos Glashütte macht sich unabhängig

Die Revolution im Müglitztal Nomos Glashütte macht sich unabhängig

Die Kantine? Die gibt es noch. "Aber wir müssen jetzt in Schichten essen", sagt Ute Fischer-Graf, Sprecherin des Uhrenherstellers Nomos Glashütte. Das Unternehmen hat sich im vergangenen Jahr an die Spitze gesetzt, ist Marktführer geworden in Deutschland bei der Produktion mechanischer Armbanduhren.

Glashütte. Die Kantine? Die gibt es noch. "Aber wir müssen jetzt in Schichten essen", sagt Ute Fischer-Graf, Sprecherin des Uhrenherstellers Nomos Glashütte. Das Unternehmen hat sich im vergangenen Jahr an die Spitze gesetzt. Es ist Marktführer geworden in Deutschland bei der Produktion von mechanischen Armbanduhren. Marktführer wird man nur, wenn man wächst. 250 Mitarbeiter sind bei Nomos beschäftigt. 2011 waren es noch 85. Allein 2015 hat der Uhrenhersteller 60 neue Mitarbeiter eingestellt, sagt Geschäftsführer Uwe Ahrendt. Nomos wächst und wächst.

An allen Standorten im kleinen Städtchen im Müglitztal hat sich Nomos erweitert. Die Chronometrie am Erbenhang hoch über der Stadt hat einen Anbau erhalten - deshalb das Zweischichtsystem in der Kantine. Der Bahnhof ist fast zu 100 Prozent Nomos. In den früheren Bögen surren heute CNC-Maschinen, auch im Stellwerk werden Teile für mechanische Armbanduhren hergestellt. Selbst in einem ehemaligen Bäckerladen an der Altenberger Straße mussten Uhrmacher einziehen. "Wir bauen ständig und ziehen ständig um", so Ahrendt.

Während einige Schweizer Uhrenhersteller schwächeln, wird Nomos auch 2016 kräftig wachsen. "Wir werden bis zu 30 neue Mitarbeiter einstellen und rund zehn Millionen Euro in den nächsten zwei Jahren investieren. Ein großer Teil fließt in den Ausbau unserer Gebäude, weil wir Platz brauchen."

Gibt der Markt das Wachstum her? Die meisten Uhren verkauft Nomos nach wie vor in Deutschland. Doch die Glashütter erobern mehr und mehr die USA. Gab es vor drei Jahren noch drei Händler mit Nomos im Angebot, so sind es jetzt schon knapp 50, Tendenz steigend. Auf Rang drei liegt Asien, wobei laut Ahrendt das Antikorruptionsgesetz in China Nomos in die Hände spielt: protzige Golduhren sind nicht mehr gefragt, sondern eher dezente Modelle.

Wobei Nomos auch in Gold kann: Der Hersteller preiswerter mechanischer Uhren hat Uhren mit Goldgehäuse auf den Markt geworfen, die alles bieten, was die Glashütter Uhrmacherkunst weltberühmt gemacht hat: Goldchatons, Schwanenhalsfeinregulierung, Schraubenunruh, handgravierter Unruhkloben. "Diese Uhren sind ein Experiment", sagt Ahrendt, über 10 000 Euro kosten sie und verkaufen sich im Rahmen der Erwartungen. Zum Vergleich: Die günstigste Nomos ist für 1080 Euro zu haben.

Nomos ist selbstbewusst geworden, kein Wunder, hat die Marke doch eine kleine Revolution im Müglitztal vollbracht: Der Begriff "eigenes Swing-System" ist typisches Understatement - Nomos ist zu einem von ganz wenigen Uhrenherstellern weltweit geworden, die das Hemm- und Schwingsystem selbst herstellen können. Ein Quantensprung für eine Manufaktur, die sich unabhängig machen kann von Zulieferern aus der Schweiz.

Sieben Jahre Forschung und mehr als elf Millionen Euro Investitionen hat es gekostet, das System serienreif zu bekommen. Nomos habe gemeinsam mit der Technischen Universität und dem Fraunhofer-Institut in Dresden gearbeitet und so von der breit aufgestellten Wissenschaftslandschaft in Dresden profitiert, erklärte Ahrendt. Die Botschaft, dass Nomos die komplette Mechanik in der Uhr selbst herstellen kann, komme gut an bei Händlern und Kunden.

Zumal die Revolution nicht auf halbem Weg stoppt, sondern die Tüftler in der Konstruktionsabteilung der Manufaktur ein spektakuläres Uhrwerk entwickelten: das DUW 3001 ist mit einer Bauhöhe von 3,2 Millimetern flach wie eine Scheibe. Automatikuhren müssen nicht mehr Kolosse sein, die Gehäusehöhe beträgt nur noch 6,9 Millimeter und bei einem Handaufzugwerk sogar nur 6,6 Millimeter.

Das bietet nicht nur unzählige Möglichkeiten für kreatives Design. Das passt auch zum Image der Marke, die auf Innovation und Nachhaltigkeit setzt. Flaches Design heißt weniger Materialverbrauch, und einen Clou hat das Automatikwerk noch, wie Fischer-Graf erläutert: Der Rotor, der die Feder spannt, schaltet sich ab, wenn die Uhr voll aufgezogen ist. Das führt zwar nicht zu einer Energieeinsparung, weil die ja von der Bewegung des Handgelenks kommt. "Aber die Bauteile werden weniger belastet", so die Nomos-Sprecherin.

Die Manufaktur hat Großes vor in den nächsten Jahren. Wie gelingt es aber, qualifizierte Mitarbeiter nach Glashütte zu locken? Mit hohen sozialen Standards, sagt Ahrendt. "Wir zahlen unseren Mitarbeitern die Beiträge für die Kindertagesstätte und die Fahrkarten für den Öffentlichen Nahverkehr." Müsli und Obst zum Frühstück stellt der Arbeitgeber, Weiterbildung wird systematisch gefördert. Weil das Jahr 2015 so überaus erfolgreich war, zahlt das Unternehmen eine Jahresendprämie an seine Mitarbeiter. Natürlich mit Hintersinn: Werk 3001 - 3001 Euro Prämie. Nun, die nächsten neuen Werke heißen 4101, 4301 und 4401...

Thomas Baumann-Hartwig

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