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Neues Leben im Schloss Rottwerndorf

Neues Leben im Schloss Rottwerndorf

Sie verließen London und zogen nach Pirna. Sie tauschten das pulsierende Leben einer europäischen Metropole gegen die ländliche Idylle im dörflich geprägten Stadtteil Rottwerndorf.

Pirna.

Von Silvio Kuhnert

Pirna. Sie verließen London und zogen nach Pirna. Sie tauschten das pulsierende Leben einer europäischen Metropole gegen die ländliche Idylle im dörflich geprägten Stadtteil Rottwerndorf. "Wir hatten am Anfang Bedenken", meint Flora Kusic. Schließlich würden sie sich mit dem Umzug ewig an eine Kleinstadt binden. "Die Entscheidung bereuen wir nicht", sagt ihr Ehemann Martin. Das Paar hat in Pirna seine große Lebensaufgabe gefunden: Schloss Rottwerdnorf.

Vor gut einem Jahr kauften sie den Renaissancebau und sind seitdem dabei, das Haus wieder flott zu machen. Sie holen das von 1556 bis 1579 erbaute Wasserschloss aus einem Dornröschenschlaf. Und wie der Prinz im Märchen mussten sie sich durch ein grünes Dickicht kämpfen. "Wir haben den Urwald gelichtet", erinnert sich Flora an den ersten Handgriff als Schlossbesitzerin. Seit 1998 stand das Haus leer. Wildwuchs hatte es in Besitz genommen.

"Die Zeit des Leerstands hat die größten Schäden hinterlassen", berichtet Martin Kusic mit Blick auf die lange Geschichte des Schlosses. Im Dach, in Decken und Fußböden klafften riesige Löcher. Fenster waren zerschlagen. "Viele befürchteten, Echten Hausschwamm vorzufinden. Wir auch", erzählt der Schlossherr. Zum Glück hatte der holzzerstörende Pilz die Balken aber nicht befallen. Damit Nässe und Feuchtigkeit dem Bau nicht weiter zusetzen konnten, ließen die neuen Eigentümer die Löcher im Dachstuhl schließen und marode Holzbalken erneuern. Die Regenleitungen wurden repariert. "Das Regenwasser soll runter- und nicht mehr reinfließen", so der Bauherr. Die kaputten Scheiben in den Fenstern wurden durch neues Glas ersetzt.

Besonders stolz sind Flora und Martin Kusic auf die neue Turmspitze. Sie krönt den Wendelstein. Die alte war irgendwann abgestürzt. "Der letzte Bewohner des Schlosses hat die Eichenbalken eingesammelt und im Dachstuhl verstaut", informiert Kusic. Wie bei einem Puzzle setzten Zimmerer die Einzelteile wieder zusammen. Die rekonstruierte Haube diente als Muster für die neue Spitze. Zurzeit bekommt das Schloss neue Anschlüsse und Leitungen für Wasser, Gas und Strom. Bald soll auch der Bauzaun verschwinden und durch eine Mauer oder Hecke bzw. durch eine Mischung aus beiden ersetzt werden.

Das Ehepaar arbeitet auf ein großes Ziel hin. "Wir wollen bald einziehen", sagt Kusic, der aus München stammt. An der Isar studierte er Architektur an der Technischen Universität und der Fachhochschule. Sei Studium führte ihn auch an die Hochschule der Künste in Berlin und die Bauhaus Universität Weimar. Seit 1996 arbeitet er freiberuflich. Sein Steckenpferd sind Energieeffizienz und Nachhaltigkeit in der Altbausanierung und im Neubau sowie die Planung von privaten und öffentlichen Gebäuden. "Was ist nachhaltiger, als ein altes Gebäude wieder bewohnbar zu machen?", stellt Kusic eine rhetorische Frage. So bald wie möglich möchte er mit seiner Frau, den drei Kindern sowie dem Ehepaar Dominique und Manfred Strebl in das Schloss einziehen. "Unser Nutzungskonzept lautet Mehrgenerationenwohnen", sagt der Architekt und erinnert an die lange Tradition der bürgerlichen Besitzer, die in dem Gebäude einst lebten.

Familie Kusic hat sich in das denkmalgeschützte Schloss verliebt. Dies ist deutlich zu spüren, wenn das Ehepaar von dem Renaissancebau spricht. Die Augen funkeln und die Gesichter strahlen, werden architektonische Feinheiten beschreiben. Etwa wie sich die Sonnenstrahlen in den Fensterscheiben brechen und zu jeder Tageszeit neue Lichteffekte an die Wände zaubern. Oder wie ein Blick aus den vielen Fenstern das Gebäude in einer neuen Perspektive zeigt. "Das ist etwas Besonderes, eigentlich kann man sein eigens Haus nicht durch das Fenster sehen", sagt Kusic. Der verwinkelte Bau macht dies aber möglich. Für ihn ist das ein großer Schatz. Wertvolle Holzbohlen- oder Stuckdecken wie in Pirnas Altstadt hat Schloss Rottwerndorf nicht zu bieten. Und was vielleicht einen kleinen Wert besaß, wie alte Fenstergriffe und Türklinken oder Türeinfassungen aus Sandstein, haben ungebetene Besucher längst ausgebaut und mitgenommen.

Das Schloss ersteigerten die Kusics im vergangenen Jahr bei einer Auktion für 123 000 Euro. Der Einstiegspreis lag bei 29 900 Euro. Was die Sanierung des Schlosses kostet, können sie nicht beziffern. "Wir stecken alles hinein, was wir haben", sagen beide und bringen das Haus Schritt für Schritt wieder in Ordnung - wohl wissend, dass sie ihr Leben lang daran bauen werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.08.2012

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