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Neuer Blick auf alte Berühmtheit - Festung Königstein mit Nabelschau

Neuer Blick auf alte Berühmtheit - Festung Königstein mit Nabelschau

Von der Kreidezeit in die DDR sind es nur wenige Schritte. Wer sich auf der Festung Königstein im sächsischen Elbtal unweit von Dresden indes Zeit nimmt für die 33 neu eingerichteten Räume, erlebt eine imposante Reise durch europäische Geschichte.

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Quelle: dpa

Königstein. Die große Dauerausstellung „In lapide regis“ zeichnet umfassend die Entwicklung des markanten Felsplateaus nach.

„Bisher konnte nur die Geschichte einzelner Gebäude erzählt werden“, sagt Geschäftsführerin Angelika Taube. Nun ist auf 1200 Quadratmetern lange Verborgenes, bisher Verschwiegenes und gänzlich Unbekanntes zu erfahren. „Dass Königstein auch ein Jagdschloss war, weiß kaum jemand“, erzählt Taube vor dem Gemälde einer Wasserjagd am Flussufer unterhalb der Festung 1617. „Sogar Wein wurde angebaut.“ Meissener Porzellan, Kristallgläser, Hofsilber oder Löffel aus Gold und Bernstein zeugen davon, dass Sachsens legendärer Barockfürst August der Starke (1670-1733) auch die Wehranlage zur Residenz auf Zeit und zum Schauplatz rauschender Feste machte. „Vieles sind Stücke, die die Wettiner vom Freistaat zurückbekamen und dann verkauft haben.“

In Sichtweite des Festsaals, dessen Eingang lebensgroß gemalte Schweizer Gardisten bewachen, empfängt der Monarch Preußens König Wilhelm I. zum Dinner - täuschend echt nachgebildet aus Wachs wie bei Madame Tussaud. Auch Augusts illegitime Tochter, die schöne Gräfin Orzelska, ein Beamter, Königstein-Architekt Pietro Ferrabosco, ein Mundschenk oder der Festungskommandant „bevölkern“ die Schau. „Wir haben sie extra nach historischen Vorlagen anfertigen lassen“, sagt Taube.

Zu den Raritäten der Schau gehört ein Faksimile der Oberlausitzer Grenzurkunde, die Böhmens König Wenzel I. 1241 „in lapide regis“ - auf dem Königstein - siegelte. Auf dem Touchscreen daneben lässt Taube einen Ritter die dort festgelegte Trennlinie abreiten. Vier in Wien ersteigerte Gemälde stehen für die Ahnengalerie der Wettiner von Wedekind I. bis Friedrich dem Gütigen, die einst den großen Saal zierte. Und der barocke Fayence-Ofen wurde aus rund 400 bei der Sanierung der Räume geborgenen Scherben zusammengesetzt.

Computer und 3D-Modelle, Dioramen, Installationen, Animationen, Filme und Hörstationen machen das anschaulich, wovon die rund 500 Exponate zeugen. Neben Deutsch und Englisch gebe es Texte und Beschriftungen auf Tschechisch, sagt Taube. Der Freistaat hat rund zwei Millionen Euro in die interaktive Präsentation investiert. „Wir haben dafür seit 25 Jahren geforscht und gesammelt.“ Die Idee stamme aber schon aus den frühen 1980er Jahren, berichtet die Historikerin, die 1981 das älteste Exponat fand: eine Kammmuschel aus der Kreidezeit vor 95 Millionen Jahren. Waffen und Rüstungen, Gemälde und Fotos, Baupläne und Urkunden, Roben und Uniformen, Alltagsgegenstände und Möbel zeugen vom Leben auf dem „Stein des Königs“, der Kloster und Schloss, Staatsgefängnis und Kriegsgefangenenlager, Kunstdepot und Erziehungsanstalt war.

Ein britischer Modellbauer fertigte ein Diorama vom Festungsbau 1589 - eine Großbaustelle im Maßstab 1:20 - und ein acht Meter langes Modell des Kutschenzuges, der Teile von Hofküche, -kellerei und -konditorei aus Dresden brachte, wenn der Monarch feierte. Von dessen Ideen zur Belustigung zeugt eine Nachbildung der Waage. „Damit wurden Gäste vor und nach dem Gelage gewogen, um zu erfahren, wie viel sie verzehrt hatten.“ Das kann dank Computeranimation auch die Besucher amüsieren. Kinder können auch in historischen Kostümen durch die Räume streifen, einen echten Ritterhelm aufsetzen, eine Eisenfessel stemmen oder eine interaktive Steinschleuder testen. „Bei den Mitarbeitern ist die der Hit“, sagt Taube. Sie hofft, dass sich auch eilige Besucher fesseln lassen - vor allem Familien sowie Gäste aus dem Nachbarland. „Der Königstein ist auch böhmische Geschichte.“

Simona Block

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