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Neue Rebsorten erobern Sachsen

Neue Rebsorten erobern Sachsen

Radebeul/Meißen. Versteckt, nur auf einer kleinen Fläche, wachsen die tiefroten Tempranillo-Trauben. Gleich neben dem Syrah und anderen in Sachsen noch exotischen Gewächsen.

Deutsche Presse-Agentur dpa

Auf dem Schauweinberg des Staatsweinguts Schloss Wackerbarth in Radebeul wird experimentiert - auch, um für die Zukunft gerüstet zu sein. „Es wird ja immer gesagt, dass Sachsen vom Klimawandel profitiert“, erzählt Gutssprecherin Ulrike Schröter. Erst kürzlich äußerte sich einer der größten spanischen Weinbauern, dass man in Sachsen wohl künftig die typisch spanischen Tempranillo-Reben pflanzen könnte. „Auf dem Feld können wir das aber noch nicht feststellen“, sagt Schröter. Die Trauben würden nicht wirklich reif, dafür fehle einfach die Sonne.

Selbst von Spaziergängern, die sonst gerne naschten, würden die Tempranillo-Trauben verschmäht. „Die sind einfach krachsauer.“ Schloss Wackerbarth setzt daher beim Rotwein lieber auf den Frühburgunder, der auch in Sachsen eine schöne Reife erziele. Ansonsten halten die Winzer auf dem Staatsweingut vor allem traditionellen Sorten wie dem Riesling die Treue: Er macht mit rund 30 Prozent den Großteil des angebauten Weißweines aus, gefolgt vom Müller-Thurgau (11 Prozent). „Sorten, die Hunderte von Jahren hier wachsen, haben auch die Fähigkeit, sich ein Stück an den Klimawandel anzupassen“, erklärt Schröter. Der mache sich etwa durch zunehmende Trockenheit oder Extreme wie Hagel und Sturm bemerkbar.

Dennoch sind neue und vielen Weintrinkern noch unbekannte Rebsorten auf dem Vormarsch: Sie tragen Namen wie Cabernet Carbon oder Cabernet Cortis. Dabei handelt es sich um pilzresistente und neugezüchtete Rebsorten des Weinbauinstituts Freiburg. Die große Kunst in der Rebenzüchtung ist es, dass der Wein aus den resistenten Reben am Ende auch nach etwas schmeckt. Es ist kein einfaches Geschäft, Winzern eine neue Rebsorte schmackhaft zu machen.

Das Weinbaugebiet Sachsen ist nach Angaben des Weinbauverbandes Meißen das nordöstlichste in Deutschland und zudem eines der kleinsten zusammenhängenden Weinbaugebiete bundesweit. Die etwa 447 Hektar Ertragsrebfläche werden von mehr als 2500 Winzern bewirtschaftet.

Als Vorreiter gilt das Weingut Hoflößnitz in Radebeul - das nach eigenen Angaben einzige in den neuen Bundesländern, das sich mit einem Bio-Zertifikat schmücken darf. Gerade deshalb sind die neuen Sorten interessant: Sie müssen weniger mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden. „Viele Kunden wollen bewusst kein Pflanzenschutzmittel mehr im Wein und sind deswegen eher bereit, auch neue Sorten zu akzeptieren“, sagt Kellermeister und Betriebsleiter Felix Hößelbarth.

Auf rund 8,5 Hektar wird dort Wein angebaut, auf etwas mehr als der Hälfte wachsen klassische Sorten wie Riesling oder Traminer. Aber Solaris, Johanniter und seit vergangenem Jahr Cabernet Cortis und Cabernet Carbon spielen eine immer größere Rolle. Hößelbarth ist gespannt: In diesem Jahr steht die erste Ernte an. Auch andere kleinere Weingüter setzen bereits auf die Rebsorten, die vor allem gegen Pflanzenkrankheiten wie falschen oder echten Mehltau resistent sind.

„Wir wollen den Anbau neuer Rebsorten noch erweitern“, berichtet Hößelbarth. Dennoch werde man auch in Zukunft nicht ohne die herkömmlichen Trauben auskommen. „Einem traditionellen Weintrinker macht man es schwer, wenn man keinen Riesling mehr anbietet.“ Zweigleisig zu fahren, so lautet denn das Motto.

Diese Einschätzung untermauert auch Bernd Kastler, Vorsitzender des Weinbauverbandes Sachsen: „Die neuen, pilzresistente Sorten breiten sich immer mehr aus.“ Eine Neuzüchtung dauere etwa 20 bis 30 Jahre, derzeit befänden sich die Winzer in Sachsen noch in der Testphase: „Man muss schauen, wie die Reben in unseren Gefilden wachsen.“ Weinliebhaber müssten aber nicht um ihren Weißburgunder oder Riesling fürchten: Ein Großteil des sächsischen Weines ist und bleibt klassisch.

dpa

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