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Naturschützer nennen Hochwasserschutz in Sachsen ineffektiv

Naturschützer nennen Hochwasserschutz in Sachsen ineffektiv

Sieben Umwelt- und Naturschutzverbände haben den Hochwasserschutz in Sachsen als ineffizient und nicht zeitgemäß kritisiert. Statt vor allem auf technische Maßnahmen wie höhere Deiche und Flutmauern in den Überschwemmungsgebieten entlang der großen Flüsse zu setzten, müsse ein wirksamer Hochwasserschutz in den Quellbereichen der Zuflüsse und den Hochwasserentstehungsgebieten betrieben werden, forderte die Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz am Freitag in Dresden.

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Mobile Wände schützten im Juni 2013 das Dresdner Congress-Centrum.

Quelle: Tanja Tröger

Auch von SPD und Grünen kam Kritik am Hochwasserschutzkonzept der Regierung. Das Umweltministerium wies die Vorwürfe zurück.

Für den Landesverband Sächsischer Heimatschutz warf der frühere CDU-Kultusminister und Umweltexperte Karl Mannsfeld den Behörden im Freistaat eine „einseitige Bevorzugung technisch baulicher Maßnahmen“ beim Hochwasserschutz vor. Diese seien kostenintensiver als die Schaffung von Überschwemmungsgebieten.

Nach der „Jahrhundertflut“ 2002 habe Sachsen noch 49 Deichrückverlegungen oder Polder mit einem Flächengewinn von circa 75 000 Hektar zum Hochwasserabfluss vornehmen wollen. 2012 sei das Ziel auf 34 Maßnahmen nachkorrigiert worden. „Und bis zum Juni 2013 wurden zwei Maßnahmen mit 114 Hektar gleich 1,5 Prozent der ursprünglichen Zielstellung umgesetzt“, sagte Mannsfeld. Er forderte ein „Fluss- und Auenprogramm“ für Sachsen und eine wesentliche Ausweitung der Überflutungsflächen und eine Renaturierung der Böden in den Quellgebieten, um einen Abfluss des Wassers bei starken Regenfällen zu verlangsamen.

Nach Ansicht der Umweltverbände sollte die Staatsregierung bei der Schaffung der Überflutungsflächen öffentlichen Grund in flutsicheren Lagen als Ausgleich für Grundstückseigentümer in flussnahen Gebieten anbieten. Außerdem könnten solche Maßnahmen in bestehende Programme wie das Sächsische Waldmehrungsprogramm oder eine Umstrukturierung der Landwirtschaft einbezogen werden.

„Es hat viel mit Fläche zu tun, viel mit Engagement und viel mit Kreativität“, sagte Tobias Mehnert, Vorsitzender der Grünen Liga Sachsen. Dabei verwies er auf Naturschutzverbände, die in Eigeninitiative Überflutungsflächen gekauft und renaturiert hätten. „Ich bin optimistisch, wenn alle Institutionen des Freistaates Sachsen so aktiv vorwärts marschieren wie so manche Naturschutzvereinigung in ihrem beschränkten Rahmen, dass wir diese Problematik in 20 Jahren geklärt hätten.“

SPD und Grüne begrüßten die Forderungen der Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz, in der neben dem Sächsischen Heimatschutz und der Grünen Liga auch Nabu, BUND, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, der Landesjagdverband und die Sächsischen Angler organisiert sind.

Das Umweltministerium wies den Vorwurf eines einseitig ausgerichteten Hochwasserschutzes zurück. Sogenannte „Jahrhunderthochwasser“ wie 2002 oder im Juni dieses Jahres seien allein durch naturnahen Hochwasserschutz oder die Schaffung von Rückhalteflächen nicht zu bewältigen, sagte Sprecher Falk Hofer.

„Wir haben den Hochwasserschutz priorisiert und uns natürlich erst dort darum gekümmert, wo Menschen zu schützen sind oder wo Güter zu schützen sind.“ Hochwasserschutz sei eine „Generationenaufgabe“. Derzeit liefen in Sachsen 27 Deichrückverlegungsmaßnahmen und die Schaffung von sieben Poldern in unterschiedlichen Bearbeitungsstufen. Auch die Behauptung, die Flüsse würden einfach eingemauert, treffe nicht zu. „Wir haben an Sachsens Flüssen erster und zweiter Ordnung Uferbereiche von 23 000 Kilometer Länge. An diesen 23 000 Kilometern haben wir Deiche von 600 Kilometer Länge“, sagte Hofer.

dpa

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