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Natalia Krasowska von der Aktion Zivilcourage e. V. : "Demokratie ist ungemütlich"

Natalia Krasowska von der Aktion Zivilcourage e. V. : "Demokratie ist ungemütlich"

Seit vielen Jahren setzt sich die Aktion Zivilcourage für Toleranz und Weltoffenheit ein. Warum diese Werte dieser Tage besonders wichtig sind, sagt Natalia Krasowska, die derzeit eine Ausbildung zum Mentor für professionelle Beratung und Bildung koordiniert, im DNN-Interview.

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Natalia Krasowska von der Aktion Zivilcourage.

Quelle: Silvio Kuhnert

Frage: Frau Krasowska, die Aktion Zivilcourage bietet eine Weiterbildung zur Demokratieförderung und Prävention von Menschenfeindlichkeit an. Wurden Sie durch die aktuellen Demonstrationen in Dresden zu dem Angebot bewogen?

Natalia Krasowska: Die Aktion Zivilcourage engagiert sich seit ihrer Gründung für Toleranz und Weltoffenheit. Mit unseren Veranstaltungen setzen wir seit mehreren Jahren ein Zeichen für Mut, Menschlichkeit und Demokratie. Das Weiterbildungsangebot ist nicht als Reaktion auf die Demonstrationszüge entstanden. Wenn mehrere tausend Menschen auf die Straße gehen, ist es wichtig sich mit der Bedeutung von Demokratie auseinanderzusetzen. Die aktuellen Ereignisse verdeutlichen, dass ein großer Bedarf in Sachsen besteht, sich für Toleranz und Weltoffenheit zu engagieren.

Gleich in der ersten von insgesamt sechs Kurseinheiten werden neue Entwicklungen des Rechtsextremismus thematisiert. Anfang der 1990er Jahren war es einfach einen Rechtsextremisten an seiner Kleidung und Symbolen zu erkennen. Gibt es heute auch noch entsprechende Erkennungszeichen?

Im ersten Weiterbildungsmodul geht es zum einen um aktuelle Tendenzen in der rechtsextremen Szene, aber auch um Strategien zum Umgang mit menschenfeindlichen Positionen. Heutzutage ist es schwieriger, einen Rechtsextremisten klar am Aussehen zu erkennen. Jedoch entlarvt er sich, wenn man mit ihm spricht, wenn er seine menschenverachtende Einstellung zum Ausdruck bringt. Unser Augenmerk liegt aber nicht nur auf dem rechten Rand, sondern auch auf der Mitte der Gesellschaft. Viele Menschen, die am Montag in Dresden demonstrieren, verstehen sich nicht als rechtsextrem. Das ist der Großteil sicher auch nicht. Allerdings stehen sie unseren demokratischen Institutionen sowie allem Fremden kritisch bis ablehnend gegenüber, und stellen sich mit Menschen, die menschenverachtende Einstellungen haben, montags gemeinsam auf die Straße. Ziel unserer Ausbildung ist es, die Teilnehmer zu befähigen sich mit solchen Positionen kritisch auseinanderzusetzen und diese Fähigkeiten an andere weiter zu geben.

Sie wollen Demokratie befördern. Ist es nicht ein urdemokratisches Recht zu demonstrieren?

Demokratie ist immer ein Prozess. Sie beschreibt den Weg, wie eine Entscheidung gefunden wird. Auch wenn die Sachlage kompliziert erscheint, muss ich immer zwischen Positionen wählen und mich für eine entscheiden. Solch eine Entscheidung ist es eben, ob man am Montag mit Pegida gegen etwas demonstriert oder wie am vergangenen Sonnabend sich auf dem Neumarkt zu Weltoffenheit bekennt. Demokratie ist anstrengend und ungemütlich. Man muss sich kritisch und selbstkritisch damit auseinandersetzen, für was man sich einsetzt. Wenn man für oder gegen etwas auf die Straße geht, muss man schon genau schauen und sich informieren, wer hinter den Kulissen steckt. Jetzt benötigen wir meiner Meinung nach mehr den je Menschen, die sich für Zivilcourage, für Demokratie und Menschlichkeit engagieren, die anderen zeigen, dass dies die Werte unserer Gesellschaft sind.

Welche Kompetenzen sollte ein Demokrat haben?

Vielen Menschen machen sich keine Gedanken darüber, wie sich etwa ein Asylbewerber fühlt, der wegen Krieg und Verfolgung seine Heimat verlassen hat und nun in Deutschland Schutz sucht. In der Mentorenausbildung beschäftigen wir uns in zwei Modulen mit der Methode "Betzavta". Das ist ein Demokratie- und Toleranztraining. Durch meist spielerische Übungen werden demokratische Prinzipien für den Alltag erfahrbar gemacht. Man versetzt sich in eine andere Rolle hinein, stellt sich vor, selbst einmal einer Minderheit anzugehören, um so die Fähigkeit zur Kompromissfindung und zur Lösung von Konflikten zu fördern. Demokratie muss immer wieder geübt werden.

Weiter Infos unter Tel.: 03501/46 08 82; per E-Mail: mentor@aktion-zivilcourage.de; www.aktion-zivillcourage.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.01.2015

Silvio Kuhnert

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