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Nächtlicher Massentourismus unter Felsen: In der Sächsischen Schweiz ist Boofen kein Geheimtipp mehr

Nächtlicher Massentourismus unter Felsen: In der Sächsischen Schweiz ist Boofen kein Geheimtipp mehr

Boofen - sächsisch eingefärbt von poofen (schlafen) - ist in der Sächsischen Schweiz unter Insidern beliebt. Es ist eine spezielle Art des Biwakierens, die es nur im Elbsandsteingebirge gibt.

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Nationalparkführer Christian Neumann zeigt eine Boofe. Boofen ist das Übernachten an speziellen Stellen, oft unter Felsüberhängen, in der Sächsischen Schweiz.

Quelle: Dirk Knofe

Bad Schandau. Unter Kletterern gilt es als Geheimtipp mit langer Tradition. Mindestens seit der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg suchten Bergsteiger nach getaner sportlicher Betätigung Unterschlupf am Felsen.

Offiziell ist das legale Nachtlager an Felsüberhängen auch heute noch nur Kletterern vorbehalten. Aber immer mehr Wanderer, die per Buschfunk von den kostenlosen Unterkünften gehört haben, sowie Neugierige, die einfach mal in freier Natur nächtigen wollen, nutzen die Schlafgelegenheit fernab der Zivilisation. An sommerlichen Wochenenden sind die Unterkünfte mitunter völlig überfüllt.

Um den Boof-Tourismus nicht zusätzlich anzuheizen, wird das Geheimnis über die genauen Standorte streng gehütet. Nur Insider wissen, wo und wonach sie suchen müssen. "Wer das System verstanden hat", verrät Nationalparkführer Christian Neumann aber, "hat eigentlich keine Probleme, die Boofen zu finden."

Boof-Touristen, die mit hohem Geräuschpegel, nicht eingehaltener Nachtruhe und im schlimmsten Fall offenem Feuer keinen Respekt vor der Natur zeigen, sind Nationalpark-Verantwortlichen ein Dorn im Auge. In gehäufter Form bringen sie die Gefahr mit sich, dass seltene Tiere aus dem Naturschutzgebiet verschwinden, befürchtet Neumann. Ganz abgesehen davon, welches Desaster ein Waldbrand auslösen würde. Das Gebiet sei weder mit Löschfahrzeugen noch per Hubschrauber zu erreichen, weshalb ein Feuer nur schwer wieder unter Kontrolle zu bekommen wäre.

Eigentlich sollte Boofen deshalb um 1990, als die Sächsische Schweiz zum Nationalpark wurde, verboten werden. Der Sächsische Bergsteigerbund (SBB) ging allerdings auf die Barrikaden. "Der SBB hatte schon damals über 10 000 Mitglieder. Denen kann man nicht einfach über den Mund fahren", begründet Neumann, warum die Zuständigen des Nationalparks schließlich einlenkten. Der Kompromiss: Übernachten ist an 57 im Internet und an den Felsen ausgewiesenen Stellen für Kletterer erlaubt, allerdings nicht in der Kernzone des Naturschutzgebiets und nur mit auferlegten Regeln. Dazu gehört unter anderem das Verbot, offenes Feuer zu entfachen. Außerdem sollen Gäste ihren Müll wieder mitnehmen, sich ruhig verhalten und die Natur schonen. Als der Kompromiss gefasst wurde, war allerdings das Internet noch nicht so verbreitet und Boofen nur unter Kletterern bekannt. Inzwischen entwickelt sich ein regelrechter Massentourismus.

Auf Anfrage reagiert die Nationalparkverwaltung bei diesem Thema äußerst zugeknöpft. Öffentlichkeitsarbeit werde in Bezug auf Boofen nicht gemacht, weil jede Erwähnung dazu führen würde, dass noch mehr Menschen in die Sächsische Schweiz kommen, heißt es. Bei dem Kompromiss handele es sich um "eine fragile Ausnahmeregelung, die fortbestehen soll, die aber davon lebt, dass sich alle an die Regeln halten und es nicht zu einem Massenphänomen wird", so die offizielle Stellungnahme.

Nur hinter vorgehaltener Hand werden die Angaben konkreter: "Das größte Problem haben wir mit den Feuern", sagt ein Mitarbeiter, der namentlich nicht zitiert werden möchte. Nicht nur wegen der Brandgefahr. "Es kann nicht sein, dass jemand hingeht und altehrwürdige Bäume abhackt, um daraus Feuer zu machen." Ein weite- res Problem seien Klopapier und Hygiene-Artikel. "Jeder muss mal auf die Toilette, die meisten mindestens einmal morgens und einmal abends", heißt es weiter. Wenn Massen kommen und das jeder macht, werde die Sache unangenehm. Tiere müssten zwar auch mal, aber die benutzten eben kein Toilettenpapier. Darüber hinaus würden an verschiedenen Ecken ganze Flaschenlager und rostige Dosen liegenbleiben.

Der Massentourismus ärgert auch viele Kletterer, die das alleinige Recht aufs Boofen beanspruchen möchten. Schließlich war der ursprüngliche Gedanke, nach einem anstrengenden Tag am Felsen an einem geschützten Ort erholt schlafen zu können. Inzwischen ist es - besonders an Wochenenden - schwierig, in den Abendstunden überhaupt noch eine freie Stelle in einer der Boofen zu finden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.08.2013

Frauke Sievers

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