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Nach Neonazi-Attacken: Bad Schandau fürchtet um seinen Ruf

Nach Neonazi-Attacken: Bad Schandau fürchtet um seinen Ruf

Nach den Neonazi-Angriffen auf zwei Jugendliche geht in der Sächsischen Schweiz die Angst um, nicht etwa vor dem Erstarken der Rechtsextremen: Touristiker befürchten vielmehr einen gewaltigen Imageschaden und sinkende Besucherzahlen.

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Klaus Brähmig (CDU), Vorstandschef des regionalen Tourismusverbandes: "Die Sächsische Schweiz ist kein Neonazi-Nest. Es gibt keinen Grund, nicht zu uns zu kommen. Wir sind weltoffen und gastfreundlich"

Quelle: Archiv DNN

Bad Schandau. Einen weiteren Einbruch der Buchungen könnte die bereits durch die Juni-Flut malträtierte Region nicht verkraften.

Nicht schon wieder. Bloß nicht wieder diese Negativ-Schlagzeilen, die bundesweit für Aufsehen sorgen. "Die Sächsische Schweiz ist kein Neonazi-Nest. Es gibt keinen Grund, nicht zu uns zu kommen. Wir sind weltoffen und gastfreundlich", wird Klaus Brähmig, der Vorstandschef des regionalen Tourismusverbandes, nicht müde zu erklären. Die Erinnerungen an 2008 und 2009, als die NPD in seiner Heimat zweistellige Wahlergebnisse einfuhr, haben sich eingebrannt. Damals war kaum noch vom Urlaubsparadies die Rede, sondern fast ausschließlich von der Neonazi-Hochburg. Es gab Boykott-Aufrufe, die Buchungszahlen gingen drastisch zurück.

Tatsächlich lässt sich die Außenwirkung der Attacken in Ostrau und Dohna, die ein Jugendlicher nur mit viel Glück überlebt hat, längst noch nicht absehen. "Wer weiß schon, wie viele potenzielle Gäste sich innerlich von einer Buchung verabschieden", sagt Kerstin Meve-Garreis, Direktorin des Parkhotels in Bad Schandau. "Nach dem Hochwasser können wir momentan von den Einnahmen gerade so leben. Wir müssen uns jetzt dem Problem stellen, ohne Gäste zu verprellen." Die Reaktionen im Internet sind bereits eindeutig: "Beschämend. Ich weiß jedenfalls, dass ich bei Ihnen keinen Urlaub mache", heißt unter anderem auf der Facebook-Seite des Hotels. Weil auch sie sich schämen, sind einige Wirte bereits dazu übergegangen, Hassplakate der NPD von den Laternenmasten zu nehmen. Wenn das rauskommt, droht ein Bußgeld.

Auch in Bad Schandaus Jugendherberge, wo die Hamburger Schülergruppe wohnte, haben besorgte Lehrer angerufen. Das beliebte Haus bangt, dass die nächsten Klassen absagen. "Wir sind uns bewusst, dass dieser Vorfall eine nachhaltige Wirkung haben wird", ist sich Thomas Müller, Vorstandschef des Jugendherbergen-Landesverbands, sicher. Bei der örtlichen Kur- und Tourismuszentrale gehen seit dem Wochenende täglich 20 bis 30 verängstigte Nachfragen ein.

Dabei hat sich spätestens seit den NPD-Wahlerfolgen einiges getan. Die Aktion Zivilcourage, 1998 von Schülern in Pirna gegründet, verfügt inzwischen über kommunalpolitisches Gewicht. Beim Landkreis ist eine Steuerungsgruppe Extremismus angesiedelt, die aktuell den Rückgang der Gewalttaten lobt. Die Mobilen Beratungsteams gegen Rechts werden anerkannt und auch von lokalen Politikern um Hilfe gebeten. Und bei den Jugendwahlen der 10- bis 17-Jährigen hat sich der Zuspruch für die Neonazis im Vergleich zu 2009 auf 6,6 Prozent halbiert.

"Die kontinuierliche Arbeit zeigt Wirkung. Es gibt aber keinen Grund, sich auszuruhen", macht Sebastian Reißig klar. Zugleich ärgert sich der Geschäftsführer der Aktion Zivilcourage über die Reaktionen auf die Überfälle: "Der Imageschaden ist unser geringstes Problem. An erster Stelle sollte es um die Opfer gehen." Kritisch äußerte sich auch die SPD-Arbeitsgemeinschaft Euroregion Elbe-Labe "Wir sind schockiert und zornig zugleich", erklärte Klaus Fiedler. Der Überfall sei kein bedauerlicher Einzelfall. "Wir fordern die Verantwortlichen auf, nicht zu jammern, dass Medien die Sächsische Schweiz wieder Mal als Nazihochburg bezeichnen, sondern aktiv zu werden." Fiedler forderte eine bessere Polizeipräsenz für die Region.

"Der brutale Naziüberfall und die völlig ungenügende Reaktion der Polizei ist leider kein schrecklicher Einzelfall in Sachsen, wie es Innenminister Markus Ulbig darstellt", erklärte Eva Jähnigen, innenpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag. "Vielmehr werden die Defizite der Polizei überdeutlich, hier zeigen sich die unmittelbaren Folgen ihres Rückzuges. Dass die Polizei eine halbe Stunde vom Notruf bis zum Eintreffen brauchte, zeigt, dass eine lückenlose Polizeiabdeckung außerhalb der großen Städte kaum noch gewährleistet ist."

Ein Blick auf die Statistik der RAA-Opferberatung verdeutlicht: In der Sächsischen Schweiz wurden im Vorjahr pro 100 000 Einwohner 3,9 Übergriffe angezeigt - in Leipzig und Dresden waren es je 4,4; an der Spitze rangierten Nordsachsen (5,3) und der Kreis Leipzig (6,3). "Pöbeleien und Angriffe gegen anders Denkende oder anders Aussehende gehören in vielen Orten zur Normalität, natürlich auch in der Sächsischen Schweiz", sagt Robert Kusche, Leiter der RAA-Opferberatung. "Wir stellen aber fest, dass hier in den vergangenen Monaten die Übergriffe deutlich zugenommen haben."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.09.2013

Katrin Tominski & Andreas Debsk

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