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Nach Chemie-Explosion in Pirna: Anwohner können wieder in ihre Wohnungen

Nach Chemie-Explosion in Pirna: Anwohner können wieder in ihre Wohnungen

Nach der Explosion im Chemiewerk Schill & Seilacher im Pirnaer Stadtteil Neundorf am Montagnachmittag können die Bewohner der angrenzenden Häuser wieder in ihre Wohnungen.

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Bei einer Explosion in Pirna kam ein Mensch ums Leben.

Quelle: dpa

Die Feuerwehr habe die Gebäude um 2 Uhr freigegeben, teilte die Polizei am Dienstag mit. Wegen austretender Lösungsmittel waren mehr als 100 Anwohner in Sicherheit gebracht worden.

Bei der Explosion gegen 17.20 Uhr war ein Arbeiter getötet worden– sein Leichnam wurde am Abend in den Trümmern gefunden. Vier weitere Fabrik-Mitarbeiter wurden schwer verletzt, sie sollen schwerste Verbrennungen erlitten und möglicherweise sogar Gliedmaßen verloren haben.

Der getötete Mitarbeiter stammt aus Böblingen in Baden-Württemberg. Nähere Angaben konnte die Polizei am Dienstagmorgen nicht machen. „Er wurde noch nicht geborgen“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr Dresden. Die Produktionshalle, in der sich das Unglück ereignete, sei bisher nicht freigegeben.

Das Unglück soll von einem Reaktor für chemische Produkte ausgegangen sein. Kriminaltechniker sind heute vor Ort, um das Gebäude zu untersuchen. „Die eigentlichen Untersuchungen werden beginnen, sobald wir wieder Tageslicht haben", sagte ein Polizeisprecher am Montagabend. Zur Identität des Toten und der Verletzten gab es zunächst keine Angaben. Frühestens am Dienstag wird mit ersten Erkenntnissen gerechnet.

Sichtlich erschüttert berichtet Betriebsleiter Joachim Seifert am Montagabend von dem Unglück in einer Chemiefabrik in Pirna. „Ein Reaktor für chemische Produkte hat durchgezündet - warum auch immer“, sagt der 54-Jährige mit leiser Stimme bei einer Pressekonferenz und starrt niedergeschlagen auf die Tischplatte vor ihm. „Das ist bisher nicht erklärbar“.

An dem Unglückstag wurde laut Seifert an der Anlage seit dem Vormittag eine neue Produktion hochgefahren, ein Flammschutzmittel für Textilien und Kunststoffe. „Es war eine Erstproduktion.“ Der bei der Explosion ums Leben gekommene Kollege war eigens deswegen im Werk. Zuvor sei die Anlage schon einmal probeweise getestet worden, mit kleineren Mengen - und ohne Probleme. Warum es nun zu dem Unglück kam, müssen jetzt die Kriminaltechniker klären.

Augenzeugen berichteten, dass es einen großen Feuerball über dem Werk gegeben habe. Durch die Wucht der Explosion schlugen Trümmerteile ringsum ein und beschädigten auch umliegende Häuser. Feuerwehr, Rettungskräfte und Polizei rückten mit einem Großaufgebot aus. Auch aus Dresden wurden Helfer herbeigerufen, dort waren aber zeitgleich viele Einsatzkräfte durch die Pegida-Kundgebung und deren Gegendemo gebunden.

Den Feuerwehr-Männern in Pirna bot sich ein Bild der Zerstörung, überall lagen Trümmerteile herum, Chemikalien liefen aus. Das Betriebsgelände und auch die Umgebung wurden abgesperrt. Die Einsatzkräfte evakuierten mit Bussen die Anwohner aus etwa 20 Gebäude im Umkreis von 100 Metern um das Werk. Für sie wurde laut Rathaus-Sprecher Thomas Gockel eine Turnhalle auf dem Sonnenstein eilends als Notunterkunft hergerichtet. Einige seien aber auch in privater Initiative anderweitig unterkommen.

Das Werk in Pirna-Neundorf ist einer von fünf Standorten der Firma Schill & Seilacher, Der Konzern übernahm dort 1997 die Agrotex GmbH, die nach der Wende aus dem gleichnamigen Volkseigenen Betrieb hervorgegangen war. Das Werk in Pirna dient der Produktion und Forschung im Bereich Silikonchemie. Im Jahre 2010 hatte die Firma mehrere Millionen Euro in den Betrieb investiert. Damals genehmigte die Landesregierung die Erweiterung der Produktionsanlagen. Rund 10.500 Tonnen organischer Chemikalien sollten so zusätzlich im Jahr hergestellt werden.

Die rund 60 Mitarbeiter zählende Chemiefirma ist spezialisiert auf die Herstellung von Chemikalien und Additiven für die Bekleidungsindustrie und Papierproduktion. „Ohne uns würden Ihre Schaumstoffe im Sessel oder im Bett hart wie ein Brett sein. Unsere Chemiefasern finden sie in fast jedem Polyamid-Hemd", umriss damals Betriebsleiter Joachim Seifert die Produktionspalette. Gegründet wurde die Firma 1877 in Heilbronn von Cristoph Seilacher und Karl Schill, anfangs zur Herstellung von Spezialchemikalien zur Lederverarbeitung. Heute gibt es außer Pirna Standorte in Hamburg, Böblingen sowie zwei Städten im US-Bundesstaat Ohio. Insgesamt sind rund 600 Mitarbeiter für die Unternehmensgruppe tätig, die sich bis heute in Familienbesitz befindet.

dbr/hp/dpa

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