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Nach 15 Jahren als Ballettchef der Landesbühnen Sachsen wechselt Reiner Feistel ans Theater Chemnitz

Nach 15 Jahren als Ballettchef der Landesbühnen Sachsen wechselt Reiner Feistel ans Theater Chemnitz

Die Nachricht seines Wechsels an die Theater Chemnitz kam für alle überraschend, und Reiner Feistel selbst hatte das Geheimnis einige Wochen lang noch nicht preisgeben dürfen.

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Gelassen, aber auf dem Sprung nach Chemnitz: der Landesbühnen-Ballettdirektor Reiner Feistel.

Quelle: Hagen König

Er übernimmt dort die Position des Chefchoreografen unter Leitung des neuen Generalintendanten Christoph Dittrich ab der Spielzeit 2013/2014. Als die Nachricht verkündet war, erreichten die Landesbühnen Sachsen schon wenige Stunden später erste Bewerbungen für die Nachfolge des Ballettchefs. Das Karussell dreht sich. Doch bis zum Ende der Spielzeit bleibt uns Reiner Feistel noch erhalten. Und am Freitag bringt er seinen neuen zweiteiligen Tanzabend "Am Ufer der Zeit" auf der Studiobühne heraus. Für Gabriele Gorgas die Gelegenheit, um ihm ein paar Fragen zu stellen. Über Kommen, Bleiben und Gehen, Abschied, Hoffnungen, Gewinn und Verlust.

Frage: Was in Dresden eher selten passiert, in Radebeul offenbar möglich ist - für Sie scheint der doch schmerzliche Weggang ein Abschied mit Dank zu sein?

Reiner Feistel: Man war nicht gerade glücklich über meine Entscheidung, hat aber auch Verständnis gezeigt. Und ich glaube, dass man nach 15 Jahren ohne ein schlechtes Gewissen gehen kann. Wenn das Ballett in Radebeul bislang alle Sparzwänge nahezu unbeschadet überleben konnte, ist das vielen zu danken. Und es hat sicher auch etwas mit meiner Arbeit zu tun.

Mit dem Ballettchefwechsel verbinden sich garantiert Veränderungen in beiden Ensembles?

Das bleibt natürlich nicht aus. Wobei ich nicht der Meinung bin, dass man als Neuankömmling gleich alles Bestehende auf den Kopf stellen muss. Ich will weder in Radebeul zu große Lücken aufreißen noch muss ich bei meiner Ankunft radikal alles verändern, zumal es in Chemnitz ein hervorragendes Ensemble gibt. Vier Tänzer vom Ballett der Landesbühnen Sachsen - sie hatten sich sehr schnell zu entscheiden - kommen mit mir. Und neun werden aus unterschiedlichen Gründen in Chemnitz gehen. Einige sicher auch, weil ich der neue Chefchoreograf bin. Das bringen Wechsel einfach mal mit sich.

Hatten Sie in den vielen Jahren in Radebeul nie den Wunsch, sich zu verändern?

Doch, manchmal schon. Vor allem dann, wenn wir sehr erfolgreich waren, beispielsweise mit "Schwanensee", und es überregional keinerlei Interesse an dem gab, was wir da so in Radebeul herausbringen. Als ich einen Versuch startete, hatte ich keinerlei Antworten darauf bekommen. Das sind überhaupt die Vor- und Nachteile der kleineren Bühnen. Du kannst tun, was Du willst, und mit etwas Glück hat auch das Publikum seine Freude daran. Aber in der deutschen Bühnenlandschaft werden weder Choreografien noch Tänzer aus Radebeul wahrgenommen. Jeder Assistent an der Semperoper hat bessere Chancen, sich bewerben und verändern zu können.

In Chemnitz erwartet Sie mit 22 Tänzern ein größeres Ensemble und natürlich auch eine wesentlich größere Bühne. Weckt das spezielle Wünsche?

Irgendwann bei einer Ballettchef-Umfrage hatte ich als Wunsch genau das angesprochen: eine große Bühne! Das ist wie ein Geschenk. Und da lässt es sich auch ganz anders mit dem Raum umgehen, kann sich der Tanz befreien von Enge und Begrenztheit. Ich werde aber in Chemnitz, um die Tänzer zunächst kennenzulernen, nicht gleich mit Uraufführungen anfangen, sondern bewährte eigene Stücke übertragen. Das schafft eine bessere Basis, um schließlich gemeinsam Neues herauszubringen. Ich wollte auch bisherige Chemnitzer Produktionen übernehmen, aber es gibt nicht genug Zeit für die notwendigen Umbesetzungsproben. Und mit Halbheiten will ich gar nicht erst anfangen.

Alles auf Anfang auch in Chemnitz?

Für mich schon. Ich gebe das Vertraute auf, muss mir jegliches Ver- trauen der anderen neu erwerben. Das kann ich in der bestehenden, etwas schwierigen Situation nur schaffen, indem ich in meiner Arbeit überzeuge. Ich muss also so gut sein, so dass es auch andere anspricht und gut ist für alle. Vertrauen wird man mir nicht einfach schenken. Ich muss dafür etwas tun, gute und kluge Verabredungen treffen und sie auch einhalten, Maßstäbe setzen.

Zunächst kommt jetzt in Radebeul ein weiteres Tanzstück zu Grönemeyer und Bach heraus. Und im März 2013 schließlich eine "Carmina Burana".

Mit "Carmina Burana" als multimedialer Aufführung müssen wir zeigen, dass wir es schaffen können. Das ist eine enorme Herausforderung, zumal in der Dimension der Bühne in Radebeul. Aber im Ausschöpfen aller Möglichkeiten sind wir schon immer groß gewesen, und da lassen wir uns auch nicht beirren. Überhaupt haben die Tänzer an den Landesbühnen reichlich viele Aufgaben, und dafür will ich mich ebenso in Chemnitz einsetzen, dass das Ensemble viel zu tanzen hat. Wenn man einen Vergleich zieht zwischen beiden Theatern, gibt es in der Gewichtung von Tanz an meiner neuen Wirkungsstätte einiges wieder aufzuholen.

Haben Sie auch Einfluss auf die Nachfolge in Radebeul?

Das ist eine Entscheidung des Hauses, und ich werde da nur beratend mitwirken. Für mich scheint es sinnvoll, für den Tanz an den Landesbühnen quasi alles auf Anfang zu stellen. Also jemanden zu finden, der seine eigenen Wege geht. Und der natürlich auch zum Hause passt, eine besondere Publikumsnähe herstellen kann. Im besten Sinne also ein Geschichtenerzähler ist.

"Am Ufer der Zeit", zweiteiliger Tanzabend von Reiner Feistel mit Musik von Herbert Grönemeyer und Johann Sebastian Bach, Uraufführung am Freitag, 20 Uhr auf der Studiobühne der Landesbühnen Sachsen

www.dresden-theater.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.11.2012

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