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Mühlgraben wird für rund 400 000 Euro saniert

Schwerstarbeit in der Meißner Unterwelt Mühlgraben wird für rund 400 000 Euro saniert

Der Mühlgraben wird für rund 400 000 Euro saniert, das Geld stammt aus dem Programm zur Hochwasserschadensbeseitigung. Von den Bauarbeiten ist oberirdisch nicht viel zu merken. Nur an einer Stelle, an der Gerbergasse, herrscht viel Betrieb.

Unterhalb der Gerbergasse ist der Mühlgraben gut erhalten und wird restauriert.

Quelle: Uwe Hofmann

Meißen. Es ist heiß im Mühlgraben, etwa einem Meter unter dem Roßmarkt. Heiß, feucht, dunkel und eng, schließlich ist das alte Bauwerk, das weiter in Richtung Elbe etwa 1,80 Meter hoch ist, an dieser Stelle nur 1,60 Meter, 1,50 Meter hoch, wie Bauleiter Thomas Tzschoppe von der Firma Aarsleff schätzt. Gebückt steht der da und gestikuliert in Richtung eines Betonkastens, der direkt unter dem Roßmarkt die Tunnelhöhe noch einmal um einen halben Meter drückt und in dem Leitungen für Strom, Trinkwasser und ähnliches geführt werden. „Dahinter sieht man noch eine Erdgasleitung, dann ist das Bauende erreicht“, sagt er. Von dieser Stelle an, unmittelbar unter der Filiale der Deutschen Bank, werden Bauarbeiter in den nächsten Wochen auf rund 175 Metern ein neues Glasfaserrohr mit einem Durchmesser von 1,1 Meter verlegen. Der Mühlgraben wird für rund 400 000 Euro saniert, das Geld stammt aus dem Programm zur Hochwasserschadensbeseitigung.

Von den Bauarbeiten ist oberirdisch nicht viel zu merken. Nur an einer Stelle, an der Gerbergasse, herrscht dabei viel Betrieb. Dort lassen die Bauarbeiter ein bis 2,50 Meter lange Rohrteile in einen Schacht hinab, wo sie auf einen eigens gebastelten Fahrwagen gesetzt werden. „Die Teile wiegen bis zu 300 Kilogramm, da kommt man mit dem Prinzip ’vier Mann – vier Ecken’ nicht weit“, sagt Tzschoppe. Wann ein Element mit bestimmter Größe an der Reihe kommt, hat man nach vorheriger dreidimensionaler Ausmessung des Tunnels festgelegt und in einem Plan festgeschrieben. An diese „Puzzle-Anleitung halten sich die Jungs ganz genau“, sagt Bauleiter Tzschoppe mit Verweis auf die Vier-Mann-Teams, die täglich am und im Mühlgraben zu Gange sind.

Einzeln werden die Rohrteile an Ort und Stelle gefahren, miteinander und mit den verschiedenen kleinen Rohren verbunden, die alle paar Meter aus der Wand des Mühlgrabens herausschauen. Das sind Einleitungen von Dachanlagen und Straßen; der Mühlgraben transportiert seit dem Bau eines Mischwasserkanals nur noch Regenwasser in die Elbe. Man habe jede einzelne Einleitung mit einer Kamera kontrolliert um sicher zu gehen, dass keine Abwässer in den Mühlgraben gelangen, sagt Tzschoppe. Sind alle Rohrteile verbunden werden jegliche Hohlräume zwischen neuem Kanalrohr und Mühlgrabenwand mit einer Dämmschicht verfüllt.

Der Mühlgraben war einst tatsächlich ein offener Graben, der Wasser von der Triebisch abzweigte und auf die Wasserräder mehrere Mühlen und Sägewerke führte. Später, in etwa ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, wurde der Graben mehr und mehr überwölbt, um Platz für Straßen und Gebäude zu gewinnen. Der heutige Kanal kann also auch ein beredtes Zeugnis für die Stadtgeschichte geben, weshalb ein etwa 60 Meter langes Teilstück unterhalb der Gerbergasse im Bestand saniert und erhalten wird. Dafür müssen insbesondere die in Mitleidenschaft gezogenen Fugen ertüchtigt und wieder aufgefüllt werden. Als Baumaterial für den Kanal hat man früher verwandt, was es so gab, vor allem Ziegel-, Sand- und Bruchsteine. Außerdem bekommt dieser Teil eine neue Sohle aus Beton, wie sie der oberhalb liegende Abschnitt schon hat. „Sonst könnte dort der Wagen gar nicht fahren“, begründet Tzschoppe.

Im unteren Teil soll die neue, glatte Sohle, die den bisherigen schlammigen Untergrund ersetzt, einen ordentlichen Abfluss und die Begehbarkeit garantieren. Zuvor müssen aber noch Schlamm und Geröll herausgebracht werden, der sich trotz einer ersten Beräumung des Mühlgrabens vor zwei Jahren angefunden haben. Der Bau der Sohle selbst ist ein Knochenjob. Alle paar Meter werden über ein Rohr frische Betonhaufen auf den beräumten Grabenboden gelegt, den die Arbeiter mit Schaufel und Rechen ausbreiten und glattziehen müssen. Schwerstarbeit, die ungesehen unter den Füßen der Meißner passiert.

Von Uwe Hofmann

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