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Motorbootkapitäne werden auf der Elbe noch stiefmütterlich behandelt

Wassertourismus Motorbootkapitäne werden auf der Elbe noch stiefmütterlich behandelt

Die Sächsische Schweiz gilt als Eldorado für Kletterer, Wanderer und Fahrradtouristen. Auf der Elbe, von der aus man oft die schönsten Aussichten auf die bizarren Sandsteinfelsen hat, fehlen dagegen noch Angebote für Sportboottouristen.

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Quelle: Marko Förster

Sächsische Schweiz. Sie lassen sich ihr Hobby viel Geld kosten und dennoch werden sie links und rechts der Elbe in der Sächsischen Schweiz vielerorts kaum bedacht. Sportbootfahrer, Hobbykapitäne in Motorbooten, werden auf der Oberelbe zwischen Dresden und der tschechischen Grenze oft stiefmütterlich behandelt. Für sie gibt es nur wenige Anlegestellen, manche davon gänzlich ohne Service. In Tourismushochburgen wie Bad Schandau mutmaßen die Verantwortlichen eher, dass sie etwas für die Sportbootfahrer im Angebot haben, als dass sie es wissen. In Königstein kümmert das Thema die Stadtverwaltung dagegen gar nicht – nach einem halben Monat Wartezeit und mehreren Nachfragen wird klar: Sportbootkapitäne sind dort alles andere als König Kunde, das Rathaus hüllt sich in Schweigen.

Doch es gibt auch Gemeinden, die mit gutem Beispiel vorangehen, Wehlen und Rathen zum Beispiel, Obervogelgesang gehört auch dazu. Dabei hat es der Wassertourismus schwer im Wander- und Kletterparadies Elbsandsteingebirge. „Wassertourismus ist bei der Aktualisierung des Tourismusleitbildes als Schwerpunkt entfernt worden“, teilt Andrea Wötzel mit, Verwaltungskoordinatorin in Bad Schandau. Dass er auch in „Schandau“ keine große Rolle spielt, könnte sie bei einem Blick aus dem Rathaus auf die Elbe erkennen. Zwar schreibt sie von einem „Sportbootanleger Stadtzentrum“ und erklärt auf Nachfrage detailliert, wo der Anleger zu finden ist. Die Ex-Betreiber aber berichten, sie hätten ihr Angebot schon vor mehr als einem Jahr eingestellt. Das Geschäft mit dem Anleger sei einfach zu anstrengend gewesen, berichten Elke und Walter Strohbach aus Krippen, er ist verschwunden.

„Natürlich gibts Wassertourismus, aber wir haben uns überlegt, mit welchen Themen wir nach außen gehen und punkten können“, sagt Tino Richter, Geschäftsführer des Tourismusverbands Sächsische Schweiz. Da hatten die Bootsfahrer das Nachsehen zugunsten der Wanderer und Radfahrer. „Da sind wir im Vergleich mit der Konkurrenz sehr gut aufgestellt, Wassersport ist eher eine Nische“, erklärt der Tourismuschef, das sei eher ein „begleitendes Thema“.

Wehlen und Rathen bedienen genau diese Nische. „Das ist nicht weniger geworden“, meint Andreas Ruppert aus Stadt Wehlen zur Zahl der Sportbootfahrer, „das hat sich im Jahresschnitt gesteigert“. Ruppert betreibt den großen Sportbootanleger neben der Dampferanlegestelle in Wehlen (Nummer 5). Dort sind Hobbykapitäne gern gesehen. Auch gegenüber, am neuen Anleger vor dem Bauernhäusl sind sie willkommen (Nummer 4). „Der Steg hat eine Doppelnutzung“, sagt Mirko Täubrich, Chef des Gasthauses Bauernhäusl, vor der die Anlegestelle in der Elbe festgemacht ist. Dort übt die Freiwillige Feuerwehr Roßwein, zugleich dürfen Bootsfahrer fest machen, die seine Gaststätte besuchen wollen. Rathen hat einen Sportbootanlege unterhalb der Gierseilfähre auf der Bahnhofsseite der Elbe (Nummer 6). Wer diesen Steg ansteuert, muss wissen: Dort wird es schnell flach und die Vorbeifahrt an der Fähre ist nur dann möglich, wenn sie auf der Bastei-Seite am Ufer liegt.

Weniger Kundschaft wünschen sich die Strohbachs aus Krippen an ihrem Steg vor dem Gasthaus Ziegelscheune (Nummer 8), dem letzten Anlegeplatz für Motorboote vor der Grenze. Dort liegen normalerweise ihre eigenen zwei Boote, mit denen sie Touristen auf der Elbe fahren. Ist noch Platz, dürfen auch Sportbootkapitäne fest machen.

Neuigkeiten gibt es weiter elbabwärts in Obervogelgesang und Pirna. Walter Matzke, Chef des Gasthofs in Obervogelgesang, freut sich über Sportbootkapitäne in seinem Lokal. Dafür dürfen sie gern auch an seinem Anleger (Nummer 3) festmachen. Allerdings müssen sie dabei den Fahrplan der „Personenschiffahrt Oberelbe“ von Bernd Frenzel aus Pirna kennen. Seine Schiffe machen dort zwei Mal pro Tag fest, dann ist kein Platz für Motorboote. Matzke meint, bis zu 15 Boote hätten an seinem Anleger Platz. Und er plant Großes. Vielleicht schon im nächsten Jahr soll es dort auch einen Anleger für die Sächsische Dampfschiffahrt geben. Karin Hildebrand, die Chefin der Flotte, hat nichts gegen diesen Plan, vorausgesetzt, sie muss dafür selbst „kein Geld in die Hand nehmen“. Darüber hinaus sieht sie die Zahl der Sportbootfahrer nicht nur positiv. „Ich habe da ein bisschen Sorge“, sagt die Dampferchefin, nicht jeder kenne alle Signale und Schilder auf der Elbe. Ihre Schiffsführer würden jedenfalls versuchen, stets auf die Hobbykapitäne zu achten.

In Pirna, wo stromauf der vielleicht schönste Teil der Elbe in Sachsen beginnt, können Motorbootfahrer und Segler den Hafen des Sportvereins Fortschritt in Posta, gleich hinter der Fährstelle ansteuern (Nummer 2). „Einschränkungen gibt es nur dadurch, dass im Sommer das Wasser im Hafen zu niedrig für Boote mit größerem Tiefgang sein kann“, sagt Markward Hoffmann von der Abteilung Segeln des Sportvereins. Auch er hat festgestellt: „Der Sportboottourismus entwickelt sich aufwärts.“ Und Hoffmann hat gute Nachrichten: „Schon bald soll beim Gelände der Wasserschutzpolizei ein weiterer Steg entstehen. Dann hätten Motorbootfahrer unterhalb der Stadtbrücke eine neue Anlegestelle (Nummer 1^.

Von Christoph Springer

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