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Mit der Zeit gehen – Radebeuler Jugendarbeit verändert sich

Strategiewechsel Mit der Zeit gehen – Radebeuler Jugendarbeit verändert sich

Die Stadt Radebeul betreibt noch zwei kommunale Jugendclubs, den Ratskeller und das Weiße Haus – 2010 gab es noch fünf.„Der Rückgang liegt nicht am fehlenden Geld, sondern am fehlenden Interesse der Jugendlichen“, erklärt der Amtsleiter für Jugend, Bildung und Soziales Elmar Günther.

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Quelle: dpa-Zentralbild

Radebeul. Die Stadt betreibt noch zwei kommunale Jugendclubs, den Ratskeller und das Weiße Haus – 2010 gab es noch fünf. „Der Rückgang liegt nicht am fehlenden Geld, sondern am fehlenden Interesse der Jugendlichen“, erklärt der Amtsleiter für Jugend, Bildung und Soziales Elmar Günther. So musste der Jugendtreff in Lindenau nach vier Jahren abgerissen werden, weil sich keine Gruppe fand, die das Objekt nutzen und sich darum kümmern wollte.

„Eine Schülerin meinte in einer Diskussion, es gäbe hier kein Ort für Jugendliche“, erinnert sich Günther, „ich habe sie ins Amt eingeladen und ihr gesagt, dass sie für eine symbolische Miete von 50 Euro den Augustenweg mieten könne.“ Das Mädchen kam nie auf das Angebot zurück und, wie fast alle dezentralen Jugendtreffs, wurde auch der Augustenweg im Laufe der Zeit aufgegeben.

„Nach der Wende gab es bis Ende der Neunziger noch recht strukturierte und stabile Cliquen“, erzählt Peter Heilsberg, seit 25 Jahren Jugendsozialarbeiter. „Um 2000 bis 2005 sind diese auseinander gebrochen.“ Heute schwanke die Größe der Gruppen erheblich, es fehle der Zusammenhalt. Auch die Treffpunkte haben sich verändert: Wer heute vor dem Kulturbahnhof sitzt, ist nächste Woche in Klötzschenbroda und darauf vielleicht in Dresden. Heilsberg hat eine Theorie dazu: „Die Verhältnisse haben sich in den letzten 20 Jahren verändert. Früher waren die Eltern zusammen, die Großeltern in der Nähe und die Lebensumstände stabil. Heute sind die klassischen Familienstrukturen verfallen.“

Alles ist im ständigen Wechsel – das erschwert die Sozialarbeit und wirkt sich direkt auf die Jugendarbeit der Stadt aus. Entweder es fehlte schlicht das Interesse oder die Jugendclubs verwahrlosten und es wurde randaliert. „Irgendwann haben wir gesehen, dass wir Betriebskosten für nicht genutzte Gebäude zahlen, also haben wir die Standorte geschlossen“, sagt Günther. Andererseits sind die Jugendlichen heute auch selbstständiger. „90 Prozent brauchen uns gar nicht. Sie sind mit Sport, Hobbys, Schule oder Musik beschäftigt“, erklärt der Amtsleiter. „Manche Jugendliche brauchen jedoch Orientierung oder sich in einem geschützten Rahmen ausprobieren.“

Als Konsequenz fehlte es zeitweise an preiswerten Räumlichkeiten für Konzerte für die Jugendlichen in Radebeul. Die Stadt erkannte das Defizit. 2005 erwarb Radebeul den Verwaltungskomplex der ehemalige LPG „Frühgemüsezentrum“ – im Volksmund aufgrund seiner Farbe auch „Weißes Haus“ genannt. Heilsberg übernahm die Leitung, immer darauf bedacht die Jugendlichen in die Pflicht zu nehmen, ihnen aber auch zu helfen eigene Ideen und Vorstellungen umzusetzen.

„Jugendliche brauchen einen Ort an dem sie sich ausprobieren und verwirklichen können“, ist Heilsberg überzeugt. Die abgeschiedene Lage des „Weißen Hauses“ an der Kötzschenbrodaer Straße 60 helfe dabei: „Jugendliche wollen nicht ständig unter Beobachtung stehen.“ Wenn die jungen Männer und Frauen Ideen haben, erarbeitet Heilsberg mit ihnen Konzepte und trägt die Finanzierungsfragen an den Amtsleiter heran.

Draußen gibt es Graffitiflächen, Skaterbahnen und Beachvolleyball-Felder. Im Mittelteil des Gebäudes dem „Barnyard“ führt das Zentrum bis zu 15 Veranstaltungen von Konzerten, über Festivals bis zu Kleinkunst durch. Der Ostflügel, „Kulturpension“ genannt, beherbergt unter anderem Proberäume, Künstlerateliers und im Obergeschoss fünf Büros für junge Selbstständige mit Jugendbezug, beispielsweise dem Kreis-Jugend-Ring.

Dabei wird das Angebot an die Jugendlichen angepasst: Die Öffnungszeiten richten sich ganz nach ihren Bedürfnissen, auch bis spät in die Nacht hinein. „Trotz anfänglicher Proteste des Jugendamtes in Meißen, haben wir durchgesetzt am Mittwoch bis 24 Uhr zu öffnen“, erklärt Günther. Das Jugendamt war der Meinung, dass Jugendliche um 24 Uhr zu Hause sein müssen. „Natürlich interessiert das die Jugendlichen nicht.“ Am Freitag hingegen ist nur bis zum Nachmittag geöffnet und am Samstag geschlossen. Die Jugendlichen würden sich am Wochenende mit anderen Dingen beschäftigen, so Günther.

Auch die Idee zum mobilen „Radebulli“, ein umgebauter VW T-3 Oldtimer, ist diesem Konzept entsprungen. Das Fahrzeug ist seit vergangenem September unterwegs. Es bietet Sitzgelegenheiten, Musik, Schachspiele und das offenen Ohr sowie Beratung des Streetworkers – dort wo es gerade gebraucht wird. Das Konzept scheint aufzugehen. Zwischen 50 und 200 Jugendlichen nutzen das Jugend- und Kulturzentrum täglich. Der kleiner Ratskeller kümmert sich um 20 bis 30 Personen am Tag.

Von Paul Felix Michaelis

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