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Mit Emotion und Handwerk gegen Elektronikwunder von Apple

Mit Emotion und Handwerk gegen Elektronikwunder von Apple

Intelligente Uhren, sogenannte Smartwatches, erobern immer mehr das Handgelenk. Seit bekannt ist, dass Apple mit einer eigenen Uhr in den Markt einsteigen will, reagiert die Branche höchst aufgeschreckt.

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Teile des Großdatums werden in das Uhrwerk einer Lange & Söhne eingesetzt. Weil die Teile so klein sind, arbeiten die Uhrmacher mit Lupe. Die elektronische Uhren-Konkurrenz kommt nun auch aus Amerika: Scannen Sie das Bild und sehen Sie im Video, was die Apple Watch kann.

Quelle: A. Lange und Söhne

Einige Schweizer Hersteller wollen schnell noch auf den Zug aufspringen. Andere warten noch. Im sächsischen Uhrenmekka Glashütte (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) gibt man sich hingegen höchst entspannt.

"Wir glauben, dass Uhren wie die Apple Watch den Markt der Quarzuhren verändern werden", sagt Judith Borowski, Mitglied der Geschäftsführung von Nomos Glashütte. Sie freue sich sogar darüber. Die Designerin spricht von einer "Belebung des Handgelenks" (siehe Interview). Nomos selbst bleibe aber ein Hersteller mechanischer Uhren. Und man fährt bislang ganz gut damit, wie auf der eben zu Ende gegangenen Uhren- und Schmuckmesse Baselworld zu sehen ist: Die Manufaktur hat für zwei ihrer mechanischen Zeitmesser höchste Auszeichnungen erhalten.

Auch beim Nachbarn A.Lange&Söhne keine Spur von Aufregung. Der Hersteller von Luxusuhren beobachte die Entwicklung bei den smarten Uhren mit Interesse, wie Sprecher Arnd Einhorn betont. Gefahr für das eigene Geschäft sieht er aber nicht. Und dass in eine Lange-Uhr, deren aufwendig verfeinerten Werke für viele der Inbegriff sächsischer Uhrmacherkunst sind, kein Computer gehört, das verstehe sich von selbst.

In Glashütte tickt die Welt noch immer ein klein wenig anders als in der Schweiz. Luxus-Uhrenhersteller leiden seit Beginn der Sanktionen zwar generell unter dem schwächelnden Russland-Geschäft und der Kaufunlust der Chinesen. Aber mit der Abkopplung des Schweizer Franken vom Euro haben die Eidgenossen ein zusätzliches Problem. Der aufgewertete Franken verteuert High-End-Produkte wie mechanische Uhren noch mal empfindlich.

Genau in diese Phase platzt auch noch die Apple Watch. Wird sie das Segment der Computeruhren erobern wie zuvor das iPhone den Handymarkt? Laut einer Studie wurden im Vorjahr 6,8 Millionen Smartwatches verkauft, die meisten von Samsung und Motorola. Geschätzt wird, dass sich der weltweite Markt für diese Uhren 2015 mehr als versechsfachen könnte.

Da werden böse Erinnerungen an die Quarzkrise wach. Damals in den 70er-Jahren überschwemmten japanische Quarzuhren den Markt und trieben Hersteller mechanischer Uhren reihenweise in die Insolvenz. Die neuen Uhren waren billiger in der Herstellung und dank des Schwingquarzes als Taktgeber erheblich genauer.

Heutige mechanische Uhren sind um ein Vielfaches genauer als noch vor Jahren. Über die Anzeige von Stunde, Minute und Sekunde hinaus verfügen sie über weitere Funktionen (auch Komplikationen genannt) wie Datumsanzeige, Mondphasenanzeige, Sekundenstopp, Wecker, mehrere Zeitzonen. Manche haben sogar ein Spielwerk. Je komplizierter eine Uhr, umso teurer. Mechanische Uhren haben oft einen Glasboden, damit ihre Träger einen freien Blick haben auf all die kleinen Rädchen, Federn, Schnecken und Ketten.

Quarzuhren können weit mehr, manche überwachen Blutdruck- und Zuckerwerte, Kalorien-Aufnahme und -Verbrauch, die Bewegung im Schlaf oder Muskelaktivitäten am Tag. Das alles kann auch die Apple Watch, die im April in den Handel kommen soll. Und mehr. Sie öffnet Türschlösser, steuert die Musik auf dem iPhone, bedient das Apple TV - eine Art abgespecktes iPhone am Armgelenk.

Die Schweizer Uhrenindustrie versteckt sich nicht vor der Apple Watch wie das Kaninchen vor der Schlange. Der Uhrenriese Swatch hat bereits die Touch Zero One angekündigt. Mit der Uhr kann man zwar nicht telefonieren, dafür kann sie aber auch beim Sport für digitale Messfunktionen eingesetzt werden und soll neben weiteren Funktionen das kontaktlose elektronische Bezahlen ermöglichen.

Ganz vorn mitmischen will auch Tag Heuer. Die Schweizer wollen als Partner von Google und Intel eine Smartwatch auf den Markt bringen. Und weitere Firmen haben in Basel angekündigt, "intelligente" Uhren fürs Handgelenk zu bauen. Die Ideen reichen vom tragbaren Minicomputer bis zum langlebigen Produkt, das eine gewisse Konnektivität aufweist, also sich mit Handy oder PC vernetzen lässt.

Thilo Mühle hat sich über einige der neuen Produkte und Vorhaben informiert. "Die Smartwatch ist ein spannendes Thema", sagt der Geschäftsführer von Mühle-Glashütte. Aber für das unabhängige Familienunternehmen, das neben Armbanduhren auch nautische Instrumente fertigt, werde das keine Rolle spielen. "Wir verfolgen unseren Plan weiter, leidenschaftliche und emotionale mechanische Uhren zu fertigen. Für Menschen, die dies zu schätzen wissen." Und wer weiß, sagt er weiter, "vielleicht wird es von diesen, als Gegenpol zur elektronischen Uhr, bald sogar noch mehr geben". In Basel stellte die Traditionsfirma eine neue Uhr mit nur einem Zeiger vor. Das Einzeigermodell biete die Möglichkeit, "die Zeit auf eine neue Art und Weise wiederzuentdecken und diese schon mit einem flüchtigen Blick zu erfassen".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.03.2015

Andreas Dunte

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