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Miese Zustände an der Oberschule Kötzschenbroda

Warten auf ein Wunder Miese Zustände an der Oberschule Kötzschenbroda

Die Oberschule Kötzschenbroda hat ihre besten Tage hinter sich. Aussicht auf Besserung gibt es jedoch wenig. Die Oberschüler schauen auf das Gymnasium Luisenstift, in das Radebeul regelmäßig Millionen investiert. „Sind wir Schüler zweiter Klasse?“, fragen sie sich.

Vertrauenserweckend sieht dieses Rohr im Treppenhaus nicht aus.
 

Quelle: Catrin Steinbach

Radebeul. Bei Schülern, vielen Eltern und Lehrern der Oberschule Kötzschenbroda in Radebeul wächst der Unmut. Das Weinberghaus des Gymnasiums Luisenstift ist erst vor wenigen Jahren für fast acht Millionen Euro umgebaut und um einen Anbau erweitert worden. Jetzt steht an diesem Gymnasium schon wieder ein Mammutprojekt an. Für über sieben Millionen Euro sind Umbau und Modernisierung des alten Hauptgebäudes des Luisenstifts und ein schicker Anbau geplant. Wie es dagegen mit der Oberschule Kötzschenbroda weitergeht, darüber gibt es keinerlei konkrete Aussage.

Auch bei der jüngsten Einwohnerversammlung, bei der es um das neue Sanierungsgebiet Radebeul-West ging, war von der Oberschule keine Rede. „Erst als ich nachfragte, hieß es kurz, dass auch mit der Schule was passieren werde“, erzählt Marianne Höher, die Stellvertretende Schulleiterin. Konkreter wurde es nicht.

„Es sind halt keine Gymnasiasten“, „Das Luisenstift ist das Prestigeobjekt, da können die anderen sehen, wie sie kommen“, „Die Schule befindet sich ja nicht im angeblich gehobenen Viertel oberhalb der Meißner Straße“, „Wir haben keine Lobby“, hört man resigniert und manchmal auch zynisch, wenn man sich mit Eltern unterhält, deren Kinder an der Oberschule in Altkötzschenbroda lernen. „Sind unsere Kinder weniger wert als die, die das Gymnasium Luisenstift besuchen?“, bringt Yvonne Hennig, Vorsitzende des Elternrates, den Ärger an der Oberschule Kötzschenbroda auf den Punkt.

Klar ist allen, dass das alte Luisenstiftgebäude tatsächlich baufällig ist. Was fehlt, ist ein Plan, eine Perspektive für die Oberschule. Denn das Schulgebäude ist nur wenige Jahre jünger als das Luisenstift und bedarf ebenfalls dringend einer Sanierung und eines Umbaus. Dass die Stadt Radebeul auf ihrer Internetseite schreibt, die Oberschule Kötzschenbroda sei „altehrwürdig…, aber modern ausgestattet“, klingt in den Ohren derjenigen, die das Gebäude durch den Schulalltag kennen, wie Hohn.

„Wir fühlen uns schlecht behandelt und zurückgesetzt“, sagen uns zum Beispiel Schüler aus der zehnten Klasse. Bei anderen würden die Millionen fließen. „Aber wenn wir was Größeres machen wollen, dann heißt es immer: ,Wir haben kein Geld dafür’“, ist Martin, 10. Klasse verärgert.

„Wir haben von der Stadt eins auf den Deckel bekommen, weil wir zu viel Kopierpapier verbrauchen“, erzählt sein Klassenkamerad Jan. Jetzt würden die auf A4 geschriebenen Aufgaben oft nur im Format A5 gedruckt, seien kaum noch zu lesen. Und die Zettel müssten abgeschrieben werden, damit auch noch andere Schüler sie nutzen können. „Wir müssen am Papier sparen und das Luisenstift bekommt sogar mehrere Aquarien.“

Erst jüngst waren die Lernbedingungen Gegenstand einer Sitzung des Schülerrates. Dem gehören der Klassensprecher und dessen Stellvertreter aus jeder Klasse – insgesamt 24 Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 17 Jahren – an. Wir haben uns mit ihnen getroffen und sie gefragt, warum sie noch unzufrieden sind. Die Liste ist lang.

„Die Toiletten befinden sich außerhalb des Schulgebäudes im Hof. Dort gibt es nur eiskaltes Wasser zum Händewaschen, keine Papiertücher, sondern nur einen Trockner, der aber nicht so gut funktioniert. Deswegen nehmen wir oft Toilettenpapier“, so Deborah aus der 9. Klasse. Nebeneffekt der Außentoilette: „Das Schulhaus ist immer für Jedermann zugänglich. Wir können ja den Kindern nicht verbieten, auf die Toilette zu gehen. Also bleiben die Eingangstüren offen“, ergänzt später im DNN- Gespräch die Stellvertretende Schulleiterin.

„Viele Fenster haben keine Rollos oder die Rollos sind kaputt.“ Wenn die Sonne blendet, sei es schwer, an der Tafel etwas zu erkennen. Und ohne Verdunklungsmöglichkeit könne man das, was der Lehrer mit dem Beamer zeige, ebenfalls kaum sehen, nennt Deborah einen weiteren Mangel.

Das Thema Beamer bringt gleich mehrere Schüler auf die Palme. Aline aus der 10. Klasse: „In jedem Raum wurde eine Beamerwand montiert, aber nur drei Räume haben überhaupt einen Beamer drin. Außerdem wurden die Leinwände über den Tafeln angebracht. Zieht man sie herunter, kann man die Tafel nicht mehr benutzen.“ „Außerdem sind die Beamer fest installiert“, ergänzt Jan. So könne man auf die Technik nur zurückgreifen, wenn man in dem Raum auch tatsächlich in dem betreffenden Fach Unterricht habe. „Mobile Geräte wären sinnvoller gewesen.“

Überhaupt hapert es mit der Technik. Polylux-Geräte rattern laut, wenn man sie anschaltet, und lassen sich nicht mehr scharf stellen. „Gestern wollten wir uns in Ethik einen Film ansehen. Aber der Fernseher ging wieder nicht“, erzählt Richard aus der 5. Klasse.

Auch mit den Computern ist das so eine Sache. „Wir können an denen oft nicht arbeiten, weil der Server nicht funktioniert. Deswegen ist auch schon mal Informatik ausgefallen oder wir mussten Theorie machen“, nennt Jan ein weiteres Beispiel. Die Stellvertretende Schulleiterin bestätigt das später gegenüber DNN. Aufgrund der Computerprobleme komme es auch hin und wieder vor, dass man den Vertretungsplan nicht online stellen könne.

Die jungen Leute sind mit ihrer Mängelliste noch nicht am Ende: einige Tafeln sind voller Dellen und die Kreide hafte nicht mehr darauf, der Putz bröckelt, einige Heizkörper werden nicht warm, die Farbe blättert ab, Rohre verlaufen über dem Putz und die Verkleidung ist defekt, das Vordach über dem Schuleingang ist kaputt, es sind viel zu wenig Fahrradstellplätze da, der Putz ist alt und hässlich.

Hauptprobleme in der alten Schule sind jedoch die Struktur des Gebäudes und der Platzmangel. Das Schulhaus hat zwei Treppenhäuser. Von einem Teil des Gebäudes in den anderen gelangt man nur durch das Lehrerzimmer, durch ein Klassenzimmer im 3. Stock oder über den Hof.

Abgesehen davon ist jedes noch so kleine Zimmerchen als Unterrichtsraum ausgebaut. Die Zeiten, in denen der Hausmeister und der Beratungslehrer jeweils über einen Raum verfügten und es Abstellkammern gab, sind längst vorbei. Auch im Speiseraum findet Unterricht statt. Ein Fachkabinett für Geografie – passé und sowieso nicht nötig, wie die Stadt der Schulleitung sagte. So bugsiert der Geografielehrer die bis zu zwei Meter langen Kartenrollen samt Kartenständer durchs ganze Schulhaus und eben zur Not über den Hof.

„Durch unser besonderes Unterrichtskonzept brauchen wir mehr Räume“, erklärt die Stellvertretende Schulleiterin. „Wir bieten in den 7., 8. und 9. Klassen Differenzierungsunterricht an. Die Kinder lernen in Mathe, Deutsch und Englisch statt in zwei Klassen in drei Leistungsgruppen. Das macht es uns möglich, den Unterricht individueller zu gestalten. Und es hat den Vorteil, dass Hauptschüler auch den Unterricht der Realschüler besuchen können. Doch dafür brauchen wir pro Klassenstufe einen Raum mehr“, so Marianne Höher.

„Zudem sind wir Erprobungsschule für die Inklusion von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Für speziellen Förderunterricht, den diese Kinder bekommen, brauchen wir ebenfalls zusätzliche Zimmer. Und es wäre schön, wenn wir für besondere Lernformen wie Stations- und Gruppenarbeit, durch die die Schüler lernen, selbstständiger zu arbeiten und zu agieren, mehr Platz hätten. Wir sind in unserer Lehrtätigkeit wirklich sehr eingeschränkt“, ergänzt Höher.

Die Mittelschule nutzt mit der benachbarten Grundschule nicht nur zusammen eine Turnhalle und die Aula, sondern belegt im Nachbarschulhaus auch mehrere Unterrichtsräume. Grund- und Oberschule haben aber zu unterschiedlichen Zeiten Pause, damit sich nicht alle Schüler auf einmal auf dem gemeinsamen kleinen Schulhof tummeln. „Wir sind drüben mitten im Unterricht, da klingelt es für die Grundschüler zur Pause und sie rennen durchs Schulhaus, sind draußen auf dem Hof. Sich da weiter auf den Unterricht zu konzentrieren, ist echt nicht leicht. Besonders wenn wir gerade eine Arbeit schreiben“, schildert Jan seinen Schulalltag.

„Wir klagen nicht, weil die Schule nicht schön aussieht, sondern weil es wirklich Grund zur Klage gibt“, so Marianne Höher. Schüler, Eltern und Lehrer verbinden große Hoffnungen mit den Planungen für ein Sanierungsgebiet Radebeul-West. Ob sie sich erfüllen, werden alle gespannt verfolgen.

Von Catrin Steinbach

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