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Michael Schlosser wollte 1983 mit einem selbstgebauten Flugzeug in den Westen flüchten - und flog auf

Michael Schlosser wollte 1983 mit einem selbstgebauten Flugzeug in den Westen flüchten - und flog auf

Michael Schlosser wollte mit einem selbstgebauten Flugzeug aus der DDR fliehen. Doch statt in der Freiheit landete er im "Gelben Elend" in Bautzen, dem Gefängnis in dem auch politische Gefangene untergebracht wurden.

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Michael Schlosser bastelt noch heute wieder an Flugzeugen. 1983 wollte er mit seinem selbstgebauten Fluggerät in den Westen flüchten.

Quelle: Imago

Kommende Woche wird er in Pirna seine Geschichte erzählen. Im Interview mit DNN-Mitarbeiterin Susann Schädlich blickt er auf sein ereignisreiches Leben zurück.

Sie arbeiteten als Kfz-Mechaniker und Fuhrparkleiter beim DDR-Fernsehen in Dresden, besaßen ein Grundstück und hatten eigentlich nichts zu befürchten. Warum wollten Sie 1983 aus der DDR fliehen?

Michael Schlosser: Ich hatte den Traum von einer eigenen KfZ-Werkstatt. Schon 1972 meldete ich das Gewerbe dafür an. Lange wurde mir erzählt, es würde momentan kein neues Geschäft benötigt. Anfang der achtziger Jahre sollte ich dann eine Zugehörigkeitserklärung zu einer Blockpartei unterschreiben. Als ich das ablehnte, musste ich nicht lange darauf warten, bis mir jemand erklärte, dass sich das Vorhaben mit der eigenen Werkstatt endgültig erledigt habe. Da habe ich mir geschworen: "Jetzt haust du hier ab!".

Wie kamen sie dann aber auf die Idee, dafür ein Flugzeug zu bauen?

Das war Zufall. Anfang der 1980er bin ich bei einem Bekannten im tschechischen Doksy im Urlaub gewesen. Dort hörten wir ab und zu Westradio. Als ich bei Radio Luxemburg ein Aufruf hörte, bekam ich plötzlich spitze Ohren: Der Axel-Springer-Verlag wollte demjenigen, der mit einem selbstgebautem Hubschrauber aus der DDR fliehen und auf dem Dach des Verlagsgebäudes in Berlin landen würde, eine Million Euro schenken.

Und das haben Sie dann versucht...

Nun ja, ich habe nach den ersten Bastelversuchen schnell gemerkt, dass es ziemlich schwierig werden würde, einen Hubschrauber zu bauen. Da ich bin auf die Idee eines Leichtflugzeugs gekommen. Damit wollte ich die Grenze zwischen Thüringen und Bayern an der innerdeutschen Grenze bei Rudolphstein und Hirschberg überfliegen und auf der Autobahn landen. Zwei Jahre habe ich dann in meinem Hühnerstall auf meinem Grundstück an dem Flugzeug gewerkelt, Magazine studiert und einen Trabimotor in das Gefährt eingebaut. Und eigentlich sah es wirklich so aus, als könnte der Plan klappen.

1983 sind Sie dann aber aufgeflogen. Wer hat Sie verraten?

Das waren zwei damalige Mitarbeiter des DDR-Fernsehens. Die haben sich bei mir ihre Autos reparieren lassen, das war eigentlich nichts Unübliches. Dass sie Stasispitzel gewesen waren, hatte ich nicht geahnt. Einer von denen hat sich wohl darüber gewundert, dass mein Hühnerstall so fest verschlossen war und er kein Federvieh gackern hörte. Außerdem will er Aluminiumteile gesehen haben. Da hat er mich bei seinem Stasi-Verbindungsmann angeschwärzt.

Und am 28.Oktober 1983 erfolgte dann die Hausdurchsuchung durch die Stasi...

Ja genau. Ich habe davon ja nicht einmal etwas gemerkt. Die kamen mitten in der Nacht, haben alle Schlösser aufgebrochen, Beweise fotografiert und alles wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt. An nächsten Tag gegen kurz vor neun hat mich die Abteilung VIII der Bezirksverwaltung Dresden der Stasi dann bei der Arbeit abgeholt.

Sie wurden wegen versuchter Republikflucht zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt und kamen ins Gefängnis Bautzen. Wie erinnern Sie sich an diese Zeit?

Eigentlich will ich mich daran gar nicht erinnern. Aber nur so viel: Ich wurde mit 26 Häftlingen in eine Zelle gesperrt. Als Zellenneuling wurde ich gezwungen, allen möglichen "Dreck" zu machen und nachts versuchten die anderen, sich an mir zu vergehen. Es war einfach furchtbar.

1984 wurden Sie schließlich von der BRD für 96 000 Westmark freigekauft. Später arbeiteten Sie im rheinland-pfälzischen Alzey für einen großen Automobilhersteller und konnten sich sogar den Traum einer eigenen Werkstatt erfüllen. Warum kamen Sie dann, 2004, zurück nach Sachsen?

Ich hatte lange Zeit mit schlimmen psychosomatischen Störungen zu kämpfen. Nachts stand regelmäßig Erich Honecker an meinem Bett und die Gefängniswärter rasselten mit Schlüsseln. Nach und nach habe ich erkannt, dass ich mein Schicksal aufarbeiten muss. Und das kann ich nur hier, wo das alles passiert ist. Inzwischen habe ich Ruhe.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.10.2014

Susann Schädlich

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