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Menschen mit Behinderung und Sport: "Ohne Sport ist das Leben langweilig"

Menschen mit Behinderung und Sport: "Ohne Sport ist das Leben langweilig"

Die AG "Hilfen für behinderte Menschen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge" setzt sich für die Interessen und die Integration und Gleichbehandlung von Menschen mit Behinderung ein.

Im DNN-Interview stellt Anke Loose, Leiterin des AWO Wohn- und Wohnpflegeheims Seifersdorf, Ergebnisse einer Umfrage zum Thema Sport und Behinderung vor. Der Pirnaer Jens Förster und Daniel Geßner aus Reinhardtsgrimma berichten zudem, warum Sport in einem Verein für sie unverzichtbar ist.

Frage: Frau Loose, wie viele Teilnehmer an der Umfrage gab es?

Anke Loose: An unserer Befragung haben sich 197 Menschen beteiligt. Von ihnen stammen 88 aus Dippoldiswalde und Umgebung. 50 kommen aus Freital und 28 aus Pirna. In der Region Neustadt und Sebnitz gab es leider keinen Teilnehmer.

Was ist beim Thema Sport und Behinderung bereits positiv zu bewerten?

Anke Loose: Ich habe mich gefreut, dass mehr als die Hälfte der Befragten, und zwar 110, bereits Sport treiben. So fahren von ihnen beispielsweise 25 Prozent Rad, 13 Prozent tanzen, spielen Fußball (elf Prozent), halten sich mit Gymnastik fit (zehn Prozent) oder gehen Wandern (neun Prozent). 46 Prozent der Befragten gaben an, dass sie einmal in der Woche ihren Sport ausüben möchten. Es gab aber auch 71 Umfrageteilnehmer, die gern bereit sind, sich zwei- oder mehrmals in der Woche sportlich zu betätigen. Mitglied in einem Sportverein ist nur eine Minderheit. Es sind aber immerhin bereits 29. Und sie fühlen sich in den Vereinen wohl und gut aufgehoben, wie aus ihren Antworten hervorgeht.

Herr Förster und Herr Geßner, Sie sind in Sportvereinen aktiv. Warum?

Daniel Geßner: Ich spiele gern Fußball. Früher habe ich in meiner Freizeit nur so zum Spaß gekickt. Dann kam die Überlegung, für einen Verein und eine Mannschaft zu spielen. Seit August 2004 bin ich beim SV Fortschritt Pirna und trainiere regelmäßig einmal die Woche. Ich bin nun fast zehn Jahre in einem Verein und habe es nie bereut. Sport macht mir Freude. Mir gefällt der Zusammenhalt in der Mannschaft und man lernt neue Leute kennen.

Jens Förster: Man hat einfach Spaß in der Gruppe und ist aktiv. Bei meiner Arbeit in der Werkstatt sitze ich fast den ganzen Tag. Da bietet die Bewegung beim Sport einen guten Ausgleich. Ohne Sport wäre das Leben langweilig und einschlafend.

Herr Förster, Sie blicken mit ihren 32 Jahren bereits auf eine lange und abwechslungsreiche Sportlaufbahn zurück. Wie fing alles an?

Jens Förster: Angefangen hat es mit dem Schulsport. Dort waren meine Lieblingsdisziplinen Tischtennis und Langlauf, für die ich auch an Wettkämpfen teilnahm. Nach der Schule ging es weiter mit Judo und Fußball. Auch ich spielte für die Behindertensportabteilung des SV Fortschritt Pirna, trainierte regelmäßig und stand bei Punktspielen der Regionalliga Dresden sowie zu den Wettkämpfen der Sachsenmeisterschaft und Deutschen Meisterschaft auf dem Spielfeld. Aus gesundheitlichen Gründen musste ich den Fußball leider aufgeben. Ich suchte mir eine neue Sportart. Seit 2012 ist der Pirnaer Ruderverein meine neue sportliche Heimat. Zweimal in der Woche ist Training und als Steuermann sitze ich bei Regatten im Boot.

Frau Loose, beide Sportler sind positive Vorbilder. Im Gegensatz zu Herrn Geßner, ist Herr Förster bereits in einem Verein ohne gesonderte Sektion für Menschen mit Behinderung aktiv. Das ist allerdings noch die Ausnahme. Wo gibt es noch Defizite?

Anke Loose: Ziel unserer Befragung war es natürlich herauszufinden, welche Hilfen noch benötigt werden. Über die Hälfte der Befragten gab an, dass ein Fahrdienst notwendig ist, um zu einer Sport- oder Trainingsstätte zu gelangen. Sie können es nicht selber oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln schaffen. Ein Viertel gab an, dass sie Assistenz, also eine Begleitperson bräuchten. Und der finanzielle Aspekt darf auch nicht vernachlässigt werden.

Wie sieht die finanzielle Situation für Menschen mit Behinderung aus?

Anke Loose: Das ist unterschied- lich. Ein Großteil bekommt Grundsicherung, die 50 Euro über dem Hartz- 4-Satz liegt. Wer in einem Wohnheim lebt, bekommt ein Taschengeld sowie, wenn er oder sie in einer Werkstatt arbeiten, ein Werkstattentgelt. Im Schnitt können sie monatlich nur über rund 180 Euro frei verfügen. Über dieses Budget werden aber Medikamentenzuzahlungen, Kosmetikartikel oder andere Aktivitäten wie ein Kinobesuch beglichen. Deshalb gab eine große Mehrheit der Befragten an, dass sie für sportliche Zwecke nur fünf bis maximal zehn Euro im Monat zur Verfügung haben. Und wenn man sich anschaut, was ein Monatsbeitrag in einem Verein oder Fitnessstudio kostet, ist ersichtlich, dass für viele eine Mitgliedschaft aus finanziellen Gründen derzeit nicht möglich ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.05.2014

Silvio Kuhnert

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