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Meißner diskutieren über den Islam

Bürgerdialog Meißner diskutieren über den Islam

Eine angebliche Islamisierung des Abendlandes bringt immer wieder montags Tausende Dresdner zu den Pegida-Aufmärschen auf die Straße. In Meißen hat man nun bei einem „Bürgerdialog Islam“ offen über die Religion und ihre Anhänger diskutiert. Das Unbehagen unter den Versammelten blieb dennoch.

Das Kopftuch erregt in Deutschland immer wieder Debatten über den Islam.
 

Quelle: imago

Meissen. So verkniffen die Debatte über den Islam in Deutschland in den letzten Monaten auch geführt wurde, darf doch auch noch gelacht werden. So geschehen in Meißen beim „Bürgerdialog Islam“ im, als sich ein Meißner über eine seiner Meinung nach offenkundige Ungerechtigkeit beschwerte. Er kenne einen Muslim, der habe drei Frauen rechtmäßig geheiratet. „Zwei von denen sind gestorben, jetzt bekommt der doppelte Witwenrente – darf denn das in Deutschland sein?“, fragte er sehr zum Amüsement der im Ratssaal Versammelten. Die Frage konnte keiner aus dem Publikum und auch nicht das Podium beantworten, auf dem der Weltanschauungsbeauftragte der evangelischen Landeskirche, Harald Lamprecht, der Dresdner Muslim Yusuf Sengün von der Türkisch Islamischen Gemeinde und Moderator Johannes Bilz, Direktor der Evangelischen Akademie, Platz genommen hatten. Nur so viel: „Mehrehen sind in Deutschland verboten“, sagte Sengün. „In der Türkei übrigens auch.“

Sengün vor allem musste sich vielen Fragen stellen, was der in Bayern aufgewachsene Gastronom mit Gelassenheit tat. Er vertritt einen sehr gemäßigten Islam, hält die Gleichberechtigung von Mann und Frau und ein friedliches Zusammenleben aller gleich welchen Glaubens für Prinzipien seiner Religion. Koransuren, die wortwörtlich behaupten, dass der Mann über der Frau stünde oder dass Ungläubige dort zu schlagen seien, wo man sie träfe, interpretiert er aus den historischen Zusammenhängen und dem Kontext und relativiert sie dadurch. „Sie müssen schon den ganzen Text sehen“, sagt er. Zustimmung erhält er durch den Weltanschauungsbeauftragten Lamprecht. „Auch in der Bibel stehen Passagen, die mich grausen“, sagt er. Die Botschaft des Christentums habe dementgegen mit Gewalt nichts zu tun.

Das Unbehagen, das merkte man den Meißnern an, blieb trotz dieser Worte. „Das Bild, das wir wahrnehmen, ist ein anderes als das, was Sie hier beschreiben“, fasste das Moderator Bilz an Sengün gerichtet in Worte. Kopftuchzwang, Krieg gegen Ungläubige, Fahrverbote für Frauen in Saudi-Arabien – all das sei nicht in der Religion begründet, sondern Aspekte der Kultur, entgegnete Sengün. Gemessen an der aktuellen Flüchtlingsdebatte, die angebliche oder tatsächliche Probleme des Zusammenlebens mit Asylbewerbern – etwa die Übergriffe in der Silvesternacht in Köln – in den Mittelpunkt stellt, hätte dementsprechend eine Diskussion über die arabische und die deutsche Kultur vielen der Versammelten mehr bringen können. Wobei auch da keine einfachen Lösungen zu erwarten sind. „Wie soll man mit Menschen arabischen Namens umgehen, die Frauen belästigen?“, fragte Sengün, dessen Ehefrau über Beleidigungen und Anzüglichkeiten klagt, die sie am Wiener Platz in Dresden zu erdulden habe. „Ich weiß es nicht“, sagte Sengün.

Dennoch war es für die meisten ein Gewinn, Sengün mit seinem friedlichen Glaubensvorstellungen kennenzulernen. Die Fundamentalisten seien im Islam ja nicht in der Mehrzahl, meinte Lamprecht. „In der Auseinandersetzung mit den kriegerischen Islamisten sind die friedlichen Muslime unsere wichtigsten Verbündeten“, fügte er an. Die, die aus islamischen Ländern nach Deutschland kämen, seien schließlich Opfer von Krieg und Terror, keine Täter.

Uwe Hofmann

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