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Meißner Kunstpreisträger Ulrich Jungermann präsentiert Grafikband

Meißen Meißner Kunstpreisträger Ulrich Jungermann präsentiert Grafikband

Ulrich Jungermann mit seiner Staffelei im Meißner Stadtbild hat wohl jeder Besucher der Porzellanstadt schon mal gesehen. In der Albrechtsburg hat der Maler und Grafiker nun präsentiert, womit er sich beschäftigt, wenn es winters an seiner Staffelei im Freien zu ungemütlich wird.

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Ulrich Jungermann präsentiert ein Blatt seines Skizzenbuches. Einige der dort festgehaltenen Beobachtungen hat er nun in einem Grafikband herausgebracht.

Quelle: Uwe Hofmann

Meißen. Wer öfter mal durch die Straßen Meißens und vor allem über die Elbwiesen streift, der kennt Ulrich Jungermann. Der Maler und Grafiker ist oft genug, vor allem natürlich während der warmen Monate, mit seiner Staffellei unterwegs, um das Motiv seines Lebens direkt auf die Leinwand zu bannen: Meißen, aus allen Perspektiven, mit all seinen Facetten. Sein Tun hat ihm mehrere Personalausstellungen eingebracht, zuletzt 2013 anlässlich seines 60. Geburtstages im Bennohaus des Kunstvereins. 2014 bekam er den Meißner Kunstpreis verliehen, eine alle zwei Jahre von der Stadt vergebene Auszeichnung. In der Albrechtsburg hat der 1953 in Stralsund geborene Jungermann nun einen Grafikband mit 24 Ätzradierungen vorgestellt, der – wie sollte es anders sein – gänzlich in Meißen entstand.

Damit beantwortet er auf ziemlich klare Weise auch die Frage, was er im Winter so treibt, wenn es im Freien an der Staffelei doch ziemlich ungemütlich werden kann. Während der kalten Monate hat er sich am Busbahnhof aufgehalten, in Bahnhofshalle und auch auf offener Straße und Meißner Szenen gezeichnet. Sie bilden die Vorlage für die handcolorierten Ätzradierungen, die in einer Mini-Auflage von fünf Bänden über Jungermanns Galerie am Baderberg 2 bezogen werden können. „Geschichten“ erzählen diese genau beobachteten Ausschnitte aus dem Meißner Leben und oft genug zeigen sie auch „Meißner Typen“, wie Jungermann meint. Gestalten also, deren Namen vielleicht nicht jeder kennt, deren Auftauchen im Straßenbild für die Meißner aber etwas vertrautes haben. Man sieht Reisende im Zug, Wartende im Vorzimmer des Zahnarzt-Behandlungszimmers, auch Menschen beim Speisen. „Da habe ich schon sehr genau ins Gesicht geschaut, wie der Löffel in den Mund geführt wird“, sagt Jungermann, den man im übrigen gut und gerne selbst als einen dieser Meißner Typen bezeichnen kann.

Besonderen Eindruck hinterlassen vor allem die Gesprächsszenen, von denen viele bei einer Ausstellungseröffnung in der Hafenstraße entstanden sind. Menschen im Disput, beim gemütlichen Beisammensein, vielleicht bei der Anbahnung einer Liebschaft lassen sich auf diesen Blättern erkennen. Die oftmals auf Gesichter und Oberkörper reduzierten Figuren haben etwas Zeitloses, Universelles, seien aber alle nach Zeichnung konkreter Personen entstanden, wie Jungermann mit Verweis auf sein Skizzenbuch sagt. Im Grafikband entstehen neue Bezüge, die durchaus komisch wirken können. etwa wenn ein „Verwegener Zeitgenosse“ auf einem Blatt einen ziemlich intensiven Blick auf die laut Jungermann „gut gebaute“ Dame wirft, die sich auf der gegenüberliegenden Seite mit dem „Vorfrühlingsputz“ beschäftigt.

Jungermann bezeichnet diesen Band als eine „Vorbereitung auf das Frühjahr“. Er macht klar: Erst mit dem Frühjahr beginnt seine Zeit, die aus seiner Wanderschaft mit der Staffelei resultierenden Gemälde begreift er als den Kern seines Schaffens. Nichtsdestotrotz stehen die grafischen Arbeiten in nichts zurück, zumal sie demselben Anspruch unterworfen werden. Jungermann will nichts Naturalistisches Schaffen, sondern sich der Wirklichkeit nähern, wie er sagt. Er meint das durchaus in einem traditionellem Sinne, hat auch nichts dagegen, wenn seine Werke mal „etwas Spitzwegerisches“ haben. Auch Biedermeier-Maler Carl Spitzweg (1808-1885) habe schließlich genau hingesehen und sich informiert, wie Jungermann sagt.

Jungermann kam 1970 nach Meißen und trat in der Porzellan-Manufaktur eine Ausbildung zum Porzellanmaler an. Einige Lehr- und Arbeitsjahre später begann er 1981 sein Wirken als freiberuflicher Maler. Heute lebt er mit seiner zweiten Frau und den zwei Kindern am Baderberg – ein Domizil, das er nach eigener Auskunft allerdings aufgeben wird. Auch die Galerie ist davon betroffen. „Wir führen Gespräche, entschieden ist aber noch nichts“, sagt Jungermann über ein neues Domizil. Neben Landschaften und Stillleben finden sich im Werk des Malers immer wieder auch Portraits, Miniaturen und Alltagsszenen. Dem Meißner Stadtmuseum hat der Maler bereits einige Schenkungen überlassen, zuletzt Anfang 2015 einen Bilderzyklus zur Meißner Weihnachtszeit mit 54 handkolorierten Ätzradierungen.

Von Uwe Hofmann

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