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Meißner Dom: Wimperg über dem Westportal der Fürstenkapelle für 110.000 Euro rekonstruiert

Meißner Dom: Wimperg über dem Westportal der Fürstenkapelle für 110.000 Euro rekonstruiert

Meißen. Der Meißner Dom hat seinen Wimperg zurück. So nennt man die giebelförmige Bekrönung über dem Westportal der Fürstenkapelle, das Besuchern als erstes ins Auge fällt, sobald sie den Burgberg erklommen haben.

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Unterm Wimperg: Dombauvereins-Vorsitzender Matthias Donath, Landrat Arndt Steinbach, Friedrich-Wilhelm von Rauch (Ostdeutsche Sparkassenstiftung), Dombaumeister Günter Donath, Syndikus Michael Gilbert und Sparkassen-Vorstand Rainer Schikatzki (v.l.).

Quelle: Uwe Hofmann

Über die Rekonstruktion war zuvor mehr als zehn Jahre geredet worden, ehe im vergangenen Jahr die Arbeiten beginnen konnten. "Der Burgberg ist jetzt 35 Tonnen schwerer", sagt Dombaumeister Günter Donath. So schwer wiegen die Blöcke sächsischen Sandsteins insgesamt, die beim Einbau Verwendung fanden.

Mit dem Wimperg hat der Dom nicht nur ein wichtiges Zierelement - bestehend aus Wasserspeiern, Kriechblumen und Krabben - zurück, Dombaumeister Donath erhofft sich auch einen besseren Schutz vor den Wettereinflüssen. Denn nachdem der alte Wimperg 1910 aus "heute nicht nachvollziehbaren Gründen" abgerissen worden war, wie Donath sagt, gibt es in der Fürstenkapelle Probleme. Verbunden damit ist nach Donaths Forschungen ein inzwischen bekannt gewordener Name: Cornelius Gurlitt, der Großvater des in die Schlagzeilen geratenen Münchner Hüters eines Bilderschatzes. Gurlitt senior war der Begründer der Denkmalpflege in Sachsen und Leiter einer Kommission, der die Wettiner die Sorge um die Fürstenkapelle übertragen hatten. Wohl einer Mode folgend ließ Gurlitt den Wimperg abbrechen und votierte auch dagegen, an seiner Stelle ein neues Ornament anzubringen, wie der Dombaumeister erläutert.

Mit weitreichenden Folgen. Denn in das vom damaligen Dombaumeister Albrecht Meydenbauer als Ersatz angebrachte Pultdach drang beständig Wasser ein. "Alle zehn Jahre mussten wir die Fugen nachdichten", sagt Donath. Der stete Wasserschaden gefährdete zwei lebensgroße Terrakottafiguren aus dem 15. Jahrhundert und warf zudem ein fahles Licht auf die Fürstenkapelle, die bis 1539 Grablege der Wettiner war. Ein Blechdach hätte den Regen dauerhaft fernhalten können, das wollte Donath allerdings nicht. "Dann hätte man ein Provisorium verstetigt", sagt er. Also optierte er für die Rekonstruktion des Wimpergs nach alten Bildaufnahmen und Zeichnungen. Damit verbunden war eine schwierige Diskussion mit dem Denkmalschutz, der sich eigentlich gegen solche Ersatzbauten für verloren Gegangenes wehrt. Geldgeber für den knapp 110 000 Euro teuren Bau wurden mit der Bundesstiftung Umwelt und der Ostdeutschen Sparkassenstiftung gefunden.

Mit der Fertigung der Sandsteinblöcke wurde die sächsische Steinmetzschule in Demitz-Thumitz und die tschechische Steinmetzschule Horice beauftragt. Die Kooperation hat Symbolcharakter, hat die Fürstenkapelle doch ihr Vorbild in der 1390 entstandenen Allerheiligenkapelle in der Prager Burg, für die Baumeister Peter Parler verantwortlich zeichnete. Nach diesem ist heute übrigens ein Preis für Steinmetze benannt, der in diesem Jahr vielleicht für den Wimperg vergeben wird. Die Parler-Preiskommission jedenfalls stattete dem Bauwerk gestern einen Besuch ab. Für Dombaumeister Donath rundet sich damit ein wichtiges Kapitel seiner Tätigkeit ab. "Es ist gut, dass der Wimperg am Ende meiner Laufbahn steht", sagt der bald 65-Jährige. "In den 1990er Jahren hätte ich mir das sicher noch nicht zugetraut."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.04.2015

Uwe Hofmann

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