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Meissens umstrittener Manufakturchef Christian Kurtzke geht

Meissens umstrittener Manufakturchef Christian Kurtzke geht

Er hat die 300 Jahre alte Porzellan-Manufaktur Meissen auf den Weg zur europäischen Luxusmarke geführt, er hat den Sächsischen Staatsbetrieb komplett umgekrempelt, fast 200 Leute und etliche Mitgeschäftsführer entlassen, hat sich im Markenstreit mit Meißner Firmen und der Stadtpolitik ordentlich Feinde geschaffen – und trotzdem Jahr für Jahr aufs Neue dem Freistaat millionenschwere Zuschüsse abgetrotzt.

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Quelle: dpa

Christian Kurtzke, der Mann, der 2008 über einen Headhunter ins Unternehmen kam und wie kein zweiter polarisierte, nimmt seinen Hut. Oft genug hatte der alerte Manager davon gesprochen, sich über kurz oder lang „überflüssig zum machen" – nun, wo die Marke tatsächlich in Mailand, Paris und Asien Achtungserfolge feiert, hält er den Zeitpunkt offenbar für gekommen. Heute wird bekanntgegeben, wann und wohin der Mittvierziger wechselt. DNN-Informationen zufolge wird sein neuer Arbeitgeber nicht in Sachsen ansässig sein.

Der 45-Jährige und sein Luxus-Kurs waren und sind äußerst umstritten. Viele kreiden Christian Kurtzke die Entfernung vom Kerngeschäft der Traditionsfirma an und werfen ihm unbezahlbare Höhenflüge vor. 2013 hatte Kurtzke die Holding „Meissen Couture" gegründet. Er ist mit deren Sparten „Meissen-Joaillerie", „Meissen-Fine Art" und „Meissen-Home" in den Luxuszentren der Welt angekommen, macht Abschlüsse mit Schmuck, Mode und Möbeln, auf denen die gekreuzten Schwerter prangen. Sein Ziel: In einer Liga spielen mit Gucci, Dior und Bulgari.

Mit Kurt Biedenkopf hat er einen treuen Gewährsmann im Aufsichtsrat, der für 2017 schwarze Zahlen vorhersagt. Doch noch ist die Manufaktur ein Unternehmen mit zwar globaler Bedeutung, aber höchst regionalem finanziellen Spielraum. Trotz der zuletzt 2012 gemeldeten gut 40 Millionen Euro Umsatz bei Meissen-Couture musste der Freistaat inzwischen 14,8 Millionen Euro zuschießen, um das Wachstum in die Welt zu bezahlen.

Dass Steuergelder in Größenordnungen flossen, ist EU-rechtlich bedenklich, weshalb der Freistaat Sachsen Ende 2014 eine Stiftung ins Leben rief. Die Meissen Porzellan-Stiftung GmbH wird für einen zweistelligen Millionenbetrag die zu Tausenden vorhandenen Formen und Dekore sowie die Museumsstücke der Manufaktur erwerben. Für die Kaufsumme werden die Stücke derzeit bewertet. Grundlage der Entscheidung, den Staatsbetrieb finanziell auf solide Füße zu stellen, war ein KPMG-Gutachten, das Kurtzkes Kurs offenbar im vergangenen Jahr einige Erfolgsaussichten beschied.

Inzwischen hatte das Land weitere Fakten geschaffen. Mit Tillmann Blaschke hat es einen kaufmännischen Geschäftsführer ins Boot geholt. Der soll die Bücher führen. Und er sollte – was Kurtzke partout nicht gelingen wollte – den Markenstreit in Meißen befrieden. Mit einigem Erfolg: Die höchsten Wogen zumindest sind geglättet. Außerdem hat Finanzminister Georg Unland einen dreiköpfigen Beirat für die Manufaktur installiert: Gerhard Heinrich, Frank Löschmann und Frank Müller sollen künftig ihre Sachkunde zur Verfügung stellen, wenn es um die strategische Ausrichtung des Staatsbetriebs geht.

Das alles zusammengenommen: der Staat als Aufpasser, die Stiftung als Geldgeber, ein zweiter Chef, ein Beirat – das alles darf als enges Korsett für einen Firmenchef gelten, der trotz kreativer Ideen und perfekter Umgangsformen nicht eben als Teamplayer verschrien ist. Christian Kurtzke, der immer als exzellent vernetzt galt, der Meissen wie eine Lebensaufgabe verkaufen konnte und die Marke in die Welt getragen hat, er sucht sich nun eine neue Spielwiese. Barbara Stock

Barbara Stock

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