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Meißens Altstadt lässt sich nur noch im Boot durchqueren

Meißens Altstadt lässt sich nur noch im Boot durchqueren

Meißen. Eine Nacht hatten sie in der Meißner Poststraße ausgeharrt, ihre Sachen aus der Parterre-Wohnung geschafft und eine Etage darüber übernachtet.

Als Marcel Triebe am Morgen nachsehen wollte, wie es in der Wohnung aussieht, stand er plötzlich bis zum Bauchnabel im Wasser. "Dann wollten wir raus", sagt er. Kein Strom, kein Wasser, das gehe schon allein wegen der zwei Kinder nicht, sagt er. Also hat seine Freundin Nicole Hoffmann ein Boot der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zu Hilfe gerufen. "Die waren auch innerhalb von zwei Minuten da", sagt Triebe. Jetzt stehen sie mit den beiden Töchtern Josie und Joanne auf der Altstadtbrücke und warten, bis sie eine Freundin abholt, bei der sie übernachten können. "Wir sind erst im Mai eingezogen", sagt Triebe noch. Jetzt werde er sich wohl erneut auf Wohnungssuche machen müssen.

So wie ihm ist es gestern vielen Meißnern gegangen, die das Hochwasser eigentlich in ihren Wohnungen überstehen wollten. Allein 20 weitere Menschen mussten aus dem gleichen Wohnhaus geborgen werden, darunter eine Schwangere und eine über 90-Jährige. "Wir wissen nicht, wo überall noch welche sind", sagt Christopher Göbel von der DLRG. Deswegen fahren die Retter regelmäßig Touren und sehen nach dem Rechten. Mehr als 120 Menschen hatten sie bis zum gestrigen Abend aus der überfluteten Altstadt geholt, teils auch aus medizinischen Gründen, wie Göbel sagt. Zumeist werden sie aber von der flächendeckenden Stromabschaltung aus ihren Wohnungen getrieben. Der Krisenstab des Landkreises Meißen schätzt die Zahl derer, die ihre Wohnungen wegen der Flut verlassen haben, auf insgesamt 1000 Personen.

Gespenstisch ist eine Bootsfahrt durch die Innenstadt. Hin und wieder sieht jemand aus dem Fenster, spricht ein paar Worte, ansonsten hört man nur das Elbwasser an die Hauswände platschen und die Funkgeräte der DLRG-Retter. Da fordert zum Beispiel eine männliche Stimme Verstärkung an, weil sich die Rettung einer "schweren Dame" als unerwartet schwierig herausgestellt hat. Sein Wunsch findet bei der Zentrale kein Gehör, die Dreimannbesetzung muss die Frau allein ins Boot hieven. Jede Evakuierung bedeutet jetzt großen Aufwand. "Gestern hätte sie noch aus ihrer Wohnung laufen können", schüttelt eine DLRG-Retterin den Kopf.

Die Boote dienen inzwischen auch als Transportmittel quer durch die überfluteten Gebiete. Unterhalb vom Markt steigen drei Frauen ein, die mit Handzetteln aus dem Rathaus kommen und übersetzen wollen. "Wir verteilen Flutbriefe an die betroffenen Haushalte", sagt Carola Berger. Ihr Arbeitsplatz ist eigentlich im derzeit überfluteten Technischen Rathaus, nun klärt sie eben die Meißner auf, auf was sie sich noch gefasst machen müssen. Denn die Elbe steigt weiter an. Auch außerhalb der Altstadt mussten Menschen deshalb weichen: Bewohner und Firmen haben den rechtselbisch gelegenen Wohnkomplex Teichertring geräumt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.06.2013

Uwe Hofmann

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