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Meissener Bleikristall behauptet sich seit 67 Jahren auf dem Weltmarkt

Meissener Bleikristall behauptet sich seit 67 Jahren auf dem Weltmarkt

Meißen. Langsam nähert sich das Glas der mit Diamanten besetzten, rotierenden Scheibe. Kurz berührt sie sie, was so ein ähnliches Geräusch ergibt, wie man es von Zahnarztbesuchen kennt.

Dann ist alles vorbei, die Vase aus Bleikristall hat einen weiteren Schliff bekommen. Unzählige Male passiert genau das in den Produktionsräumen von Meissener Bleikristall bis ein Werkstück fertig ist. Wie beim großen Nachbarn, der Meißner Porzellanmanufaktur, entstehen in dem Traditionsunternehmen mit einer irgendwo zwischen Handwerk und Kunst angesiedelten Produktionstechnik hochwertige Luxusartikel, die auf der ganzen Welt ihre Käufer finden. "Wir exportieren zu 85 bis 90 Prozent", sagt Geschäftsführer Edgar Schwarz.

1947 wurde das Unternehmen von Horst Sändig als Kristallschleiferei gegründet. Als Sitz wählte er ein Wohnhaus am Kalkberg, wo das Unternehmen noch heute seinen Sitz hat. Die Produktionsstätten liegen in einem benachbarten Gebäude auf gleichem Grundstück. Sändig, dessen Vater im nach 1945 polnisch gewordenen Stettin schon eine Glasschleiferei betrieben hatte, begann mit zwei Mitarbeitern und vergrößerte sein Unternehmen bis auf 25 Angestellte, ehe der Betrieb 1972 als VEB Meissener Bleikristall verstaatlicht wurde. Dort wurde Sändig Betriebsdirektor, weil man auf Fachleute nicht verzichten wollte. "Eigentlich hatte er das so nicht gewollt", sagt Schwarz, der selbst seit 1981 im Betrieb ist. Dennoch hat ihm die Geschichte seine Unternehmenslust ganz offenbar nicht verdorben. 1974 schließt er eine Kooperation mit der Porzellanmanufaktur und sichert seinem Betrieb damit mit ziemlicher Sicherheit das Überleben bis in die Gegenwart hinein. Sinn der Vereinbarung war es, bekannte Porzellanmotive in das Bleikristallglas zu gravieren. Für diese schwierige Gravurtechnik brauchte Sändig besser ausgebildetes Personal, musste auf allerhöchste Qualität pochen, um zu bestehen. "Es kam nur auf die Qualität an, die Planerfüllungskennzahlen haben bei uns dagegen weniger eine Rolle gespielt", erinnert sich Schwarz.

Das kam schon damals auf dem Weltmarkt gut an. 1956 ging erstmals Bleikristall aus Meißen in den Export, und zwar in die USA. Auf dem japanischen Markt ist man seit fast 40 Jahren präsent. Heute sitzen Käufer aber auch in Taiwan, den arabischen Ländern und anderswo. "Wir haben eine Nische gefunden", sagt Schwarz. Denn es gebe heutzutage Maschinen, die einen Schliff perfekt hinbekommen. Künstlerische Arbeiten wie in Meißen entstehen auf diese Weise jedoch nicht. "Wir geben unseren Artikeln ein Gesicht", sagt der Geschäftsführer, der das Unternehmen gemeinsam mit Gabriele Philipp führt. Das helfe auch, sich von den Konkurrenten in der Tschechischen Republik, Frankreich und Schweden zu unterscheiden.

Entsprechend bezeichnet er seine Graveure auch als Künstler. Sie hinterlassen ihre Signets auf den fertigen Glasprodukten. Einmal im Jahr reist zudem ein Graveur nach Japan und Taiwan, wo er vor Publikum in Kaufhäusern seine Technik vorführt. Zurück kommt er meist mit neuen Ideen und Kundenwünschen, was im Moment gefragt sein könnte. Wobei das, wie im Hochpreissegment üblich - starken Wechseln unterworfen ist. "Es ist für uns immer spannend", sagt Geschäftsführerin Philipp über die Besuche von Einkäufern in ihrem Schausaal. Dort ist ein Querschnitt durch die Produktpalette mit 3000 bis 4000 Artikeln zu sehen. Häufig sei völlig unklar, wofür sich die Kunden interessieren. "Farben, bestimmte Motive, Formen, Größe - auf all das kommt es an", sagt Schwarz. Er hat es schon oft erlebt, das ein Design eine Weile in den Regalen liegt und plötzlich reißenden Absatz findet. Immerhin gibt es eine grobe Orientierung: So mag man es in den arabischen Ländern gern groß und bunt. In Touristengegenden sind dagegen kleinere Arbeiten gefragt, die sich als Mitbringsel eignen.

Bleikristall Meißen, Kalberg 15, mit Werksverkauf werktags 8-16.30 Uhr, Schauwerkstatt werktags 8-15 Uhr, Eintritt: 4 Euro, Verkaufsgeschäft an der Elbstraße 15 in Meißen, sowie gemeinsam mit der Porzellanmanufaktur Meißen im Hilton Dresden und dem Quartier an der Frauenkirche

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.06.2014

Uwe Hofmann

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