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Meißen versinkt in der Elbe - Viele Bewohnerwollen trotzdem ausharren

Meißen versinkt in der Elbe - Viele Bewohnerwollen trotzdem ausharren

Entschlossen stapft Sylke Philipp über die überflutete Gerbergasse in Meißen. Ihre Enkelin Joanne trägt sie auf der Schulter, die Kleine hätte sonst keine Chance, einigermaßen trocken über die Straße zu kommen, so hoch stehen die Elbefluten bereits.

"Ich nehme die Kinder heute zu mir", sagt Philipp mit Blick auf Joanne und deren größere Schwester Jessica. Es sind die Kinder ihres Sohnes, der derzeit beruflich auswärts zu tun hat. Seine Frau will auf die gemeinsame Wohnung am Nicolaisteg aufpassen, hat schon alle Möbel ins obere Stockwerk geholt. Die Kinder hat sie zur Großmutter gegeben, die im Triebischtal wohnt, wo sich die Lage inzwischen zum Glück entspannt hat.

Ganz anders in Meißen. Dort hat die Elbe wie erwartet die Altstadt geflutet. Gehen oder bleiben - diese Frage stellen sich entsprechend derzeit viele Meißner. Die Antwort lautet je nach Viertel unterschiedlich. Der Theaterplatz etwa wirkt wie ausgestorben. "Es ist die tiefste Stelle in der Altstadt", sagt Daniel Klein von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Mannshoch steht die Elbe dort schon, die Stadt will mit Pumpen dafür sorgen, dass wenigstens der Zuschauerraum im Meißner Theater trocken bleibt. "Sonst wären dort die ganzen Sanierungen im Eimer", sagt Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos). Die Bewohner des Areals seien ziemlich diszipliniert im Umgang mit Hochwasser. Die unteren Etagen haben sie leergeräumt und sich dann vorübergehend eine andere Bleibe gesucht. Ein paar Menschen sollen aber noch im Gebiet sein. DLRG-Bootsführer Klein, selbst ein Meißner, steht deshalb mit einem Boot in der Nähe. Sobald das Zeichen komme, dass ein Haus im Gebiet evakuiert werden müsse, will er zur Menschenrettung aufbrechen. Elisabeth Kalkowski steht derweil mit fragendem Blick an ihrem Hauseingang in der Neugasse.

Im Hof steht schon Wasser und jetzt will die junge Mutter wissen, wie es weitergeht. "Ich warte, dass mal jemand eine Ansage macht, was mit dem Strom wird", sagt sie. Sie wolle mit ihrem Mann und ihrer Tochter in der Wohnung bleiben. Wenn der Strom ausfällt, müssten sie aber raus, sagt sie. "Wir werden die Stromversorgung so lange aufrecht erhalten, wie es geht", sagt OB Raschke dazu. Ab einem Elbpegel von 9,05 Metern bei Meißen (8,15 Metern in Dresden) werde es erste Abschaltungen geben.

Die Stadt erwartet eine Flut so schlimm wie 2002, heißt es nach wie vor aus dem Rathaus. Der Krisenstab orientiert sich an den damals gemachten Erfahrungen und fährt bisher offenbar ganz gut damit. So wurden 140 Senioren vorsorglich aus ihren Heimen in die Verwaltungsfachschule verlegt, weil sich ihre Gefahrenrettung 2002 als sehr schwierig erwiesen hat. Nachdem die Stadt am Montag frühzeitig vor der Flut gewarnt hatte, wirkt Meißens Innenstadt gespenstisch. Überall sind die Geschäfte leergeräumt und verbarrikadiert. Nur Renate Moch steht in ihrer Ladenfiliale der Bäckerei George. Bis zuletzt will sie verkaufen, sagt sie. Wann sie rausgeht, wolle sie kurzfristig entscheiden. Bis es so weit ist, bringt sie noch Brötchen und Kuchen an den Mann.

"Natürlich kann man jetzt flennen, aber es muss doch weitergehen", sagt sie. Die Lage wird sich heute noch weiter verschärfen. So lange es geht, wolle man die Neue Brücke und den Schottenbergtunnel freihalten, sagt OB Raschke.

Seit die Altstadtbrücke als Basis für das DLRG gebraucht wird, ist das die einzige Meißner Verbindung über die Elbe. Die Dresdner Straße musste dagegen schon gestern gesperrt werden. Die Schulen, die schon geschlossen sind, bleiben das wenigstens bis Freitag. Außerdem gaben die Organisatoren bekannt, dass das Literaturfest Meißen nun doch abgesagt wird.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.06.2013

Uwe Hofmann

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