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Meißen übergibt Tschechien ein Bild, das 1921 nach Deutschland geschmuggelt wurde

Rückkehr eines Gemäldes nach 95 Jahren Meißen übergibt Tschechien ein Bild, das 1921 nach Deutschland geschmuggelt wurde

Zu einer bisher einmaligen Rückgabe eines Ölgemäldes kam am Mittwoch eine tschechische Delegation ins Meißner Stadtmuseum. Jan Paparega, Bürgermeister der nordböhmischen Stadt Most (deutsch: Brüx) nahm das Kunstwerk entgegen - 95 Jahre lang hatte es in Deutschland gelagert.

Der Bürgermeister der Stadt Most (Brüx), Jan Paparega (links), mit Meißens OB Olaf Raschke bei der Bildübergabe im Meißner Stadtmuseum. Dort liegt auch das Säkularband (rechtes Foto), das Moster Katholiken 1921 in Meißen übergaben.

Quelle: D. Flechtner

Meißen. Zu einer bisher einmaligen Rückgabe eines Ölgemäldes kam am Mittwoch eine tschechische Delegation ins Meißner Stadtmuseum. Jan Paparega, Bürgermeister der nordböhmischen Stadt Most (deutsch: Brüx) nahm das Kunstwerk entgegen - 95 Jahre lang hatte es in Deutschland gelagert. "Wir sind sehr froh, dass das Bild nun nach Most zurückkehrt", so Paparega bei der Übergabe, zu der auch der tschechische Generalkonsul Jirí Kudela sowie Thomas Motak, Leiter des Kulturreferats der Deutschen Botschaft in Prag, gekommen waren. "Für uns Bürger aus Most hat das Bild einen außerordentlichen Wert, nicht nur historisch, sondern auch emotional."

Das 1,28 mal 2,08 Meter große Gemälde "Überfall der Hussiten auf das Brüxer Nonnenkloster" zeigt eine Szene aus dem Jahr 1421. Das Bild selbst entstand mindestens 250 Jahre später, der Künstler könnte Johann Michael Bretschneider sein. Im Jahr 1421 zogen die Hussiten, eine reformatorische Bewegung, brandschatzend durch Böhmen. Sie griffen auch die Stadt Most und das nahe gelegene katholische Magdalenen-Kloster an, wo sie sieben Nonnen töteten. Die Nonnen und die Moster Bürgerschaft baten den Meißner Markgrafen Friedrich IV. um Hilfe. Der kam mit seinem Heer und brachte gemeinsam mit den Moster Bürgern den Hussiten die erste Niederlage bei.

"Diese fast wunderliche Rettung der Stadt hat uns stark geprägt und wurde Teil der Identität der Bürger von Most", sagte Bürgermeister Paparega. Noch 500 Jahre später, im Jahr 1921, kamen Moster Katholiken nach Meißen, um an die Hilfe des Meißner Kurfürsten zu erinnern. "Dem Befreier der Stadt Brüx im Notjahr 1421" steht auf einem Säkularband, das sie der Stadt stifteten und das heute im Stadtmuseum Meißen liegt.

Ebenfalls 1921 verließ das Ölgemälde Most und kehrt erst jetzt in die nordböhmische Stadt zurück, die etwa 30 Kilometer südöstlich von Seiffen liegt. Die Bewohner Mosts waren seit dem 14. Jahrhundert mehrheitlich Deutsche. Nach dem ersten Weltkrieg kam es im Zuge der Gründung des tschechischen Nationalstaats zu Spannungen zwischen den deutschen Einwohnern und der neuen tschechischen Regierung. Die Moster Bürger fürchteten um das Ölgemälde, das seit 1893 dem Moster Stadtmuseum gehörte. Deshalb schmuggelten sie das Gemälde mit einem weiteren Bild nach Deutschland - und nutzten dazu die Gelegenheit, dass 1921 der Nachlass von Ulrike von Levetzow, der letzten Geliebten von Johann Wolfgang von Goethe, aus Nordböhmen nach Weimar gebracht wurde. "Beim Verladen gelang es, die beiden tschechischen Finanzbeamten unter einem Vorwand zur Seite zu locken", steht auf einem Zettel, der dem Gemälde beigelegt war. So gelangte das Bild nach Deutschland.

Geheimnisvoller Zettel entdeckt

Der Zettel wurde erst 1988 entdeckt, als das Gemälde in Dresden restauriert wurde. "Schon damals beunruhigte natürlich die Frage - wer schmuggelte, und warum?" erzählte gestern die Leiterin des Meißner Stadtmuseums, Martina Fischer. Die Antwort fand sie erst 2014 im Meißner Stadtarchiv - im Brief des Moster Zeitungsredakteurs Anton Partes von 1921. Er schrieb wenige Tage nach dem Transport der Gemälde an Meißen, das Most in der Geschichte schon einmal beigestanden hatte. Darin bat er die Meißner, die zwei Bilder aus Weimar entgegenzunehmen und in Meißen auszustellen, "bis sie wieder nach Brüx gebracht werden können". Im Jahr 1932 kam ein Gemälde nach Meißen, ein zweites wurde dort nie registriert.

"Als ich herausbekommen hatte, wie das Bild hierher gekommen war, war es selbstverständlich, dass es zurückgegeben wird", sagte Martina Fischer. "Der Brief zeigte ja, dass man es uns damals in gute Obhut gegeben hatte und es zu gegebener Zeit zurückholen wollte." Ein ehemaliger Mitarbeiter der Albrechtsburg, der das Bild in den achtziger Jahren untersucht hatte, informierte die Stadt Most im Jahr 2009 über das Ölgemälde im Meißner Stadtmuseum. Vier Jahre später ging eine Anfrage der Stadt Most in Meißen ein. Bis dahin war die Herkunft des Bildes ungeklärt, und Martina Fischer begann ihre Recherchen. "Provenienzforschung betreibe ich häufig, aber dass ich die Sache über fast 100 Jahre zurückverfolgen musste, und dass ein Bild über solche Umwege zu uns kommt - das hatten wir noch nie."

Der Meißner Stadtrat beschloss 2013, das Bild nach Most zurückzugeben. "Die große Bedeutung, die diesem Bild als stadtgeschichtlichem Dokument zukommt, hat uns schließlich bewogen, es an seinen historischen Ursprungsort zurückzugeben", sagte Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) bei der Übergabe. Sein Amtskollege aus Most verkündete, dass das Bild restauriert und gerahmt werden soll. Dann wird es ein zentrales Werk einer Ausstellung über die "verschwundene Stadt Most".

Miriam Kruse

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