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Meißen sucht noch nach einer einheitlichen Vermarktungsstrategie

Meißen sucht noch nach einer einheitlichen Vermarktungsstrategie

Meißen. Das anschauliche Beispiel serviert sich selbst - zwar nicht auf silbernem Tablett, aber auf schlichten Tellern. "Wollt Ihr die änglische Garde oder die deudsche", fragt der Kellner freundlich und in tiefstem sächsisch.

Porzellanmanufaktur Meißen, Schloss Albrechtsburg, der Dom - Meißen hat viele Sehenswürdigkeiten. Ein neues Konzept und eine Organisation soll der Stadt endlich ein einheitliches Image verleihen.

Quelle: Martin Förster

"Nein, ich verstehe deutsch", tönt es aus der Ecke. Die Kolumbianerin Mimi-Vera hat ihre Eltern zu Besuch, die Sache mit den Steaks übersetzt sie lieber selbst.

Wenige hundert Meter weiter hat die Stadtmarketing-Beauftragte Anne-Kathrin Liebthal im Rathaus gerade erklärt, dass die fehlende Internationalisierung eines der großen Mankos von Meißens Außendarstellung sei. Zu wenig fremdsprachige Speisekarten, Flyer, Führungen, Erklärungen. Aber das ist eigentlich nur der ganz kleine Baustein, eines viel größeren Problems. Meißen ist zerrissen, zwar nicht innerlich, aber in seiner Außendarstellung. Der Tourismusverein, die Porzellanmanufaktur, Schloss Albrechtsburg, der Gewerbeverein - viele Akteure werkeln vor sich hin, basteln Infoblätter, organisieren Führungen. "Die fehlende Zusammenarbeit führt zu Lücken, aber auch Dopplungen in der touristischen Vermarktung", erklärt Liebthal. Deswegen will die ausgebildete Ökonomin das Marketing von Meißen auf neue Füße stellen. Das Ziel: Gäste gewinnen, Touristen locken und überhaupt, Meißen ein bisschen mehr Glanz verleihen.

Doch ist das überhaupt nötig? Sprechen Meißens Kulturgüter nicht für sich? Insgesamt 124 000 Übernachtungen buchten Gäste im vergangen Jahr, etwa 1,1 Millionen Tagesbesucher kamen. Doch die Auslastung der Hotels lag lediglich zwischen 30 und 35 Prozent. Die Restaurants bleiben manchmal leer und insgesamt könnte Meißen ein paar Gäste mehr vertragen. Auf etwa 45,3 Millionen Euro schätzt die Stadt die Wertschöpfung aus dem Tourismus. Knapp 3 000 Menschen verdienen in Meißen ihr Geld direkt durch Fremdenverkehr. Demgegenüber stehen über 3 700 Arbeitslose (Stand Mai), das ist ein Anteil von 9,6 Prozent und etwa ein Drittel mehr Arbeitslose als in der Nachbarkommune Radebeul (sieben Prozent).

Wirtschaftsleistung kann die von der Flut gebeutelte Stadt Meißen also dringend brauchen. Insofern ist die Tourismusdebatte keine Annehmlichkeitsdiskussion und Wohlfühlpolitik, sondern der Kampf um ernste Perspektiven. Das sieht übrigens nicht nur Vermarkterin Liebthal so, sondern der ganze Stadtrat. Deswegen hat er den offiziellen Beschluss gefasst, Meißen ein ordentliches Konzept zu verpassen. Damit es diesmal klappt - das Vorhaben gibt es seit Jahren - hat er gleich 50 000 Euro drauf gelegt. Damit soll nun unter anderem die Beraterfirma Dwif Consulting bezahlt werden, die bei Analyse und Strategie behilflich ist.

Eines haben die Experten schon herausgefunden: Meißen oszilliert zwischen seinem Selbstverständnis als Porzellanstadt, Weinstadt und historischem Kleinod. "Diese Identitäten müssen wir bündeln. Wir werden einen Schwerpunkt in den Vordergrund rücken", erklärt Liebthal. "Sollte dies die Porzellanstadt werden, geht es jedoch um weit mehr als nur um die Manufaktur. "Wir haben viele historische Höhepunkte zu bieten, die bislang nicht oder nur wenig bekannt sind", erklärte Stadtsprecher Jörg Böhme.

Zusammen mit allen Akteuren sollen nun das neue Konzept und konkrete Maßnahmen festgeschrieben werden. Ein großer Schritt wird die Gründung einer eigenen Meißner Tourismus-Organisation sein. "Ob diese GmbH oder Verein wird, entscheiden wir noch", sagte Liebthal. Die neue Organisation werde das Marketing bündeln, sich mit den Akteuren aus Meißen vernetzen und mit Dresden intensiver kommunizieren. Bislang geschehe dies vor allem über den Sächsischen Tourismusverband. Wie die Vermarktung finanziert werden soll, ist noch nicht klar. "Es wird einen Mix geben", erklärt Liebthal. "Eine neue Fremdenverkehrsabgabe schließen wir nicht aus."

Vielleicht können die Eltern von Mimi-Vera ihr Steak das nächste Mal selbst bestellen. Meißen jedenfalls gefällt ihnen. Wenn sie sich noch ein paar Wochen gedulden, können sie auch im Internet erfahren, was es in der Stadt alles so gibt. Die Webseite wird gerade übersetzt: In die englische, die russische und die tschechische Sprache.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.08.2013

Katrin Tominski

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