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Meißen sprengt Schornstein der Schuhfabrik: DDR-Vorzeigebetrieb ist Geschichte

Meißen sprengt Schornstein der Schuhfabrik: DDR-Vorzeigebetrieb ist Geschichte

Meißen. In Sekunden war alles Geschichte: Über hundert Jahre Schuhfabrik fielen gestern um 16 Uhr symbolisch mit dem 35 Meter hohen Industrieschornstein zu Boden.

Zerschellten in Tausende Teile aus Schutt, Stein und Schmutz, wurden später fortgeräumt und weggekehrt, ganz so, als wären sie nie gewesen. Erloschen sind die Erinnerungen an die Werkhallen, an die Klingel, die zur Schicht rief, an die rauchenden Schlote und die edlen Meißner Herrenschuhe. Doch Vergangenheit ist nicht endlos und die Gegenwart braucht eine Chance.

Meißen möchte aufholen, seine Wirtschaft stärken und vom Boom der Landeshauptstadt profitieren. "Mit dem Abbruch der Schuhmanufaktur verschwindet eine innerstädtische Brachfläche", sagte Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos). "So wird das Gewerbegebiet attraktiver für neue Investoren." Die Nachfrage nach Investitionsflächen im Gewerbegebiet Meißen-Ost bricht nach Angaben der Stadt nicht ab. Deswegen habe sich die Kreisstadt entschieden, die zum Teil asbestverseuchten Gebäude und Anlagen auf dem Gelände der ehemaligen Schuhfabrik abzureißen, erklärte eine Sprecherin der Stadt. Schon jetzt sei ein Viertel der zukünftig freien Flächen an dort angesiedelte Handwerker vergeben.

Die Kosten für die Abbrucharbeiten sind mit rund 180 000 Euro niedriger als geplant - ein Ergebnis der Ausschreibung, an der sich 26 Firmen beteiligten. Die Bothur GmbH aus Großenhain erhielt den Zuschlag. Die Europäische Union trägt 75 Prozent der Kosten, den übrigen Betrag stemmt Meißen aus Eigenmitteln. Insgesamt werden 10 000 Kubikmeter an Gebäuden und baulichen Anlagen abgerissen, 1,2 Hektar Grünflächen gerodet sowie 3000 Quadratmeter Boden entsiegelt. Bis zum Oktober sollen die Arbeiten und die Bodenproben auf dem Gelände zwischen Hermann-Grafe-Straße und Ziegelstraße abgeschlossen sein. Zuletzt soll das 20 000 Quadratmeter große Areal begrünt werden.

Der Schornstein war eines der letzten Bauwerke des einstigen DDR-Vorzeigebetriebs, das abgerissen wurde. Heizhaus, Werkstatt und Lkw-Garage sind bereits verschwunden. Erhalten bleibe aber das markante, verwaiste Manufakturgebäude, in dem sich einst das Finanzamt befand, sagte Matthias Hor, zuständiger Architekt aus Meißen.

Die Schuhmanufaktur wurde 1911 errichtet, nach 1945 in VEB Meißner Schuhfabrik umbenannt. Noch im Jahr 1992 meldeten die neuen Eigentümer die Wort-Bildmarke "Meißen Schuhmanufaktur" beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA), doch schon 1995 ist die Produktion eingestellt worden. Jetzt gibt es die Schuhe aus Meißen nur noch im Museum oder bei Ebay.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.08.2013

Katrin Tominski

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