Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Meißen setzt trotz Kurtaxenpause auf Tourismus

Meißen setzt trotz Kurtaxenpause auf Tourismus

Meißen. 2013 und 2014 haben Meißen noch einmal wegen Flut und Schlammlawine in die Schlagzeilen gebracht. OB Olaf Raschke (parteilos) will nun den Tourismus langfristig ankurbeln.

Voriger Artikel
Schrift und Buchkunst-Ausstellung von Marí Emily Bohley im Museum Schloss Klippenstein
Nächster Artikel
Händlerverein hat eine Idee für besondere Pflastermalereien in Pirna entwickelt

Die Elbstraße ist es schon eine Weile, seit Anfang des Jahres ist auch die Burgstraße eine temporäre Fußgängerzone. Das soll den Tourismus in der Meißner Altstadt fördern und dem Parksuchverkehr in den engen Gassen den Garaus machen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Wie, das hat er DNN-Mitarbeiter Uwe Hofmann im Interview erklärt.

Meißen hat sich viel vorgenommen im touristischen Bereich. Gibt es für die Entwicklung einen Dämpfer, weil die Kurtaxe ausbleibt?

Es ist aktuell noch schwierig, weil die schriftliche Begründung des Urteils über die Dresdner Kurtaxe nach wie vor fehlt. Allerdings habe ich mich ganz frühzeitig, als absehbar war, dass Fragen auftreten, an den Sächsischen Städte- und Gemeindetag und das Innenministerium gewandt, um Klärung in der Sache zu bekommen. Wir wollen Rechtssicherheit haben und haben deswegen unsere Satzung nicht in Kraft gesetzt, bis es klare Aussagen gibt. Andernfalls wären wir ja Gefahr gelaufen, gleich das nächste Verfahren zu provozieren.

Das deutet darauf hin, dass es noch eine ganze Weile dauern kann.

Das will ich gar nicht sagen. Wenn eine relativ schnelle Klarstellung kommt, dass zum Beispiel die Kurtaxsatzung nicht mehr als Kurtaxsatzung sondern als Ortssatzung zu bezeichnen ist, dann könnten wir rasch anpassen. Dann wäre es durchaus denkbar, dass wir im zweiten Halbjahr 2015 oder ab 1. Januar 2016 die Satzung inkraft gesetzt werden könnte.

Ist es ein Problem, dass die veranschlagten Einnahmen von 180 000 Euro bis dahin fehlen?

Natürlich ist es so. Wir brauchen ja nicht drumherum reden, dass wir Mittel einwerben wollten, um zusätzlich Dinge für die Attraktivität der Stadt umzusetzen, für die man sonst das Geld nicht hat. Deshalb brauchen wir relativ schnell Klarheit.

Und wie taktet sich die Fremdenver- kehrsabgabe ein, die ja ebenfalls kommen soll?

Daran arbeiten wir. Sie soll ja planmäßig erst 2016 verabschiedet werden. Da sie immer nachläuft, könnte sie 2017 das erste Mal erhoben werden.

Sie verschiebt sich jetzt aber nicht wegen der Kurtaxe?

Nein, das hat damit gar nichts zu tun. Das ist eine Fleißarbeit, die intern noch erbracht werden muss.

In diesem Jahr soll die Stadtmarketing- gesellschaft gegründet werden. Wie ist da der Stand?

Wir haben die Stelle des Geschäftsführers ausgeschrieben. Die Bewerbergespräche werden in Kürze geführt. Wir gehen aber davon aus, dass wir im zweiten Halbjahr den oder die Neue an Bord haben. Und dann soll mit dem oder der Neuen die GmbH gegründet werden, so dass wir ab dem 1. Januar 2016 eine funktionstüchtige GmbH vorweisen können, die dann auch ihre Arbeit aufnimmt.

Was ist dann Aufgabe der GmbH?

Niemand kann nebenbei das Thema Marketing und Veranstaltungen übernehmen. Man macht das mit, aber wenn man professionell unterwegs sein und Partner einbinden will, dann braucht man wirklich geeignetes Personal, das die Grundlagen versteht und über einen gewissen Erfahrungsschatz verfügt, um hier in der Stadt Meißen mit den bestehenden Akteuren neue Ideen umzusetzen. In dem neuen Konstrukt hat man dann ausschließlich die Aufgabe, sich um die Vermarktung und um die Attraktivität der Stadt zu kümmern.

Einer der angesprochenen Akteure ist die Porzellan-Manufaktur Meißen. Mit ihr will man, so steht es in der mit Stadträten getroffenen Vereinbarung, enger im touristischen Bereich zusammenarbeiten. Wie schätzen sie das Potenzial ein?

Mit der Porzellan-Manufaktur hat man ein international agierendes Unternehmen. Auch wir haben internationale Gäste, aber das ist ja gar nicht vergleichbar. Was liegt näher, als dass man zusammenarbeitet?

Das bedeutet auch, dass die Altstadt als touristisches Zentrum näher an die Porzellan-Manufaktur heranrücken wird.

Das ist darüber hinaus eine städtebauliche Frage, die wir momentan umsetzen. Ziel ist es, den Weg von der Altstadt in die Manufaktur und zurück attraktiver zu bekommen. Da gehören für mich mehrere Straßen dazu: Die Gerbergasse, die wir dieses Jahr fertig bauen, der Stadteingangsbereich, die direkte Zuwegung zur Manufaktur, aber auch in der Fortführung der Neugasse. Man hat auch fußläufig Wegebeziehungen aus der Altstadt heraus, die attraktiv sein sollen.

In die Kategorie Attraktivität gehört wohl auch, dass der Markt erstmals in der Adventszeit autofrei gehalten wurde.

Das war wichtig. Die Autos können nah am Zentrum parken, etwa in den Neumarkt-Arkaden, 300 Autos für je zwei Euro am Tag. Noch besser ist es, dass die Gäste aus Dresden mit der S-Bahn in 28 Minuten vom Hauptbahnhof direkt in die Meißner Altstadt gelangen. Wir wollen einfach den Markt großzügiger gestalten. Dass die Autos nicht durchfahren, sondern abfließen.

Und wie hat das zur Meißner Weihnacht funktioniert?

Wunderbar. Ich habe nur positive Rückmeldungen bekommen. Wie übrigens vor zehn Jahren auch, als ich gesagt habe, dass es kein Parken mehr auf dem Markt geben soll. Da gab es zuerst Aufregung, aber mit der Wegnahme des Blechs aus dem Markt hatten die Gastronomen auf einmal die Möglichkeit der Außenbewirtschaftung und damit trat natürlich eine Attraktivitätssteigerung ein.

Also könnte das eine Regelung sein, die man irgendwann einmal dauerhaft einführt?

Das will ich nicht sagen. Aber die am meisten von Touristen frequentierten Straßen, die Elbstraße und die Burgstraße, sind temporäre Fußgängerzonen geworden. Wir wollen, dass diese Straßen, die von Fußgängern stark frequentiert werden, auch in der Hauptgeschäftszeit von 10 bis 17 Uhr den Fußgängern zur Verfügung stehen. Der Markt kann künftig noch umfahren werden, aber es gibt diesen innerstädtischen Parksuchverkehr nicht mehr.

Die Vereinbarung zwischen Stadtrats- fraktions-Chefs und Manufaktur war schon Thema. Wie beurteilen Sie diese Vereinbarung generell?

Bei einem Streit gibt es keine Gewinner. Wenn man gemeinsam unterwegs sein kann, soll man die Chance ergreifen, die Dinge zu regeln, die zu regeln sind. Insofern sehe ich diese Vereinbarung als ersten Schritt, dem jetzt weitere Schritte folgen müssen. Der neue Geschäftsführer Tillmann Blaschke hat sich bei mir angekündigt. Wir werden also in den nächsten Tagen Gespräche führen, in denen wir ausloten, wie es gemeinsam weitergehen kann. Wir diskutieren nicht darüber, dass es eine ganz klare Markenabgrenzung außerhalb der Stadt Meißen geben muss. Das ist für mich völlig normal, dass das Unternehmen seine Waren und Dienstleistungen schützt. Aber es muss zumindest so viel Toleranz da sein, dass die hier in der Stadt agierenden Unternehmen mit ihrem geografischen Herkunftsbegriff arbeiten können. Und genau dort müssen wir hinkommen.

Die Schlammlawine im Triebischtal hat 2014 für Schlagzeilen gesorgt. Wie kann man verhindern, dass so ein Ereignis wieder eintritt?

In so einem Stadtgefüge mit fast 100 Hektar Wald braucht man eine kontinuierliche Pflege. Das andere ist, dass wir von Starkwetterereignissen künftig nicht verschont sein werden. Es gibt seit Ende Dezember ein hydrologisches Gutachten, das auch mit der Wasserbehörde abgestimmt ist, aus dem sich einige Maßnahmen ableiten. Das bedeutet auch, nachhaltige Begrünung in Bereichen anzupflanzen, die bisher wirtschaftlich genutzt wurden. Man muss dort natürliche Puffer wieder wirken lassen. Das ist ein Thema, das nicht in drei Wochen umgesetzt ist, sondern das man permanent in Blick halten muss. Aber diese Aufgaben werden wir allein auch mit 20 Menschen mehr in der technischen Abteilung nicht lösen können.

Also erhoffen Sie sich mehr Engagement der betroffenen Anwohner?

Jeder muss ein Stück Vorsorge für sein eigenes Eigentum treffen. Darüber bedarf es größerer investiver Vorhaben, darum geht es hier nicht. Aber wenn es um die Pflege geht bis hin zur Instandhaltung der Wege, darum haben sich früher Wandergruppen gekümmert. Heute schaut man da nur noch auf die Stadt. Das ist ein Gemeinwesen, das so nicht mehr funktioniert.

Ich möchte noch einmal konkret zum Triebischtal fragen. Gibt es da einen Maßnahmeplan?

Ja. Aus dem hydrologischen Gutachten ist schon genau abzuleiten, wo die Wasserableitung wie eingedämmt werden muss, wo begrünt werden muss und so weiter. Wir haben das Gutachten nur gemacht, um Fachleute überprüfen zu lassen, ob wir mit unseren Ideen auf dem richtigen Weg sind. Es geht darüber hinaus um Schlamm- und Regenrückhaltebecken, Bachbegradigungen, die Instandsetzung von Brücken und Wegen. Es ist ein Konglomerat von vielen Dingen, die jetzt schon umgesetzt werden. Auch die Dimensionierung der Kanäle ist jetzt eine andere als früher.

Was kostet die Schadensbeseitigung samt Maßnahmekatalog?

In der Schadensbilanz haben wir 3,5 Millionen geschätzt. Ich denke, diese Größenordnung trifft zu.

Worauf freuen Sie sich 2015?

Wir haben hervorragende Burgfestspiele geplant. Das sind mehrere Veranstaltungen, die über zehn Tage laufen und bei denen sich viele Partner einbringen. Wir wollen den Burgberg wirklich zum Klingen bringen und als Aushängeschild nutzen. Darüber hinaus feiern wir mit unseren großen Brauereijubiläum 555 Jahre Schwerter und 1000 Jahre Bier in Meißen. Es wird ein Festjahr rund ums Bier geben, neben den klassischen Festen wie Literaturfest und Weinfest. Die Stadt wird als Ganzes erlebbar sein und das wollen wir auch nach außen zeigen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.01.2015

Uwe Hofmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Region News

Ob zur Entspannung, in der Mittagspause oder zum Spaß mit Freunden. Auf unserer Spieleseite können Sie wählen zwischen Denksport-, Geschicklichkeits-, Such- und Sportspiele. Jetzt gratis spielen im Spieleportal von DNN.de! mehr

23.09.2017 - 20:46 Uhr

Die Backhaus-Kicker lassen in dem Oberligaspiel in der Lausitz zu viele Chancen liegen und unterliegen schließlich 0:1.

mehr