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Mehr als 100 Weingästeführer besuchen Sachsen

Sächsische Winzer präsentieren sich Fachleuten Mehr als 100 Weingästeführer besuchen Sachsen

120 Weingästeführer aus fast allen Anbaugebieten Deutschlands haben am Wochenende das sächsische Elbland erkundet. Naturgemäß lag der Schwerpunkt der vom Deutschen Weininstitut (DWI) organisierten Reise auf Sachsenwein und den regionalen Winzern.

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Ronny Göhlich vom Radebeuler Weingut Ulf Große mit Pfälzer Weinbotschaftern Rosmarie und Klaus Becker sowie Alfred Hahn beim Verkosten.

Quelle: Foto: Lars Müller

Radebeul/Meissen. 120 Weingästeführer aus fast allen Anbaugebieten Deutschlands haben am Wochenende das sächsische Elbland erkundet. Naturgemäß lag der Schwerpunkt der vom Deutschen Weininstitut (DWI) organisierten Reise auf Sachsenwein und den regionalen Winzern. Ralf Walter und Tabea Hundt von der Sächsischen Vinothek an der Frauenkirche in Dresden haben das Besuchsprogramm vor Ort organisiert. Dabei ist es gelungen, dass die auswärtigen Gäste die Tropfen von mindestens 15 Winzern probieren und viele der Winzer selbst kennenlernen konnten. Wichtig sei es gewesen, die gesamte Bandbreite der regionalen Weine zu zeigen, so Walter.

Deutlich wurde dabei: Weingüter, die auf Verkostungen nur Mitarbeiterinnen aus dem Marketing schicken, vergeben sich Chancen. Gerade weinaffines Publikum will mit Kellermeistern und Winzern persönlich über deren Philosophien diskutieren - und eben nicht mit Verkaufspersonal.

So hielten es auch Rosmarie und Klaus Becker, Kultur- und Weinbotschafter aus der Pfalz. Sie hatten zwar schon vom sächsischen Anbaugebiet gehört und auch schon einmal Dresden besucht, sächsische Weine haben sie aber erstmals probiert. Sie lobten die jungen Winzer als „dynamisch und experimentierfreudig“. Mit dem studierten Oenologen Hendrik Weber vom Weingut Matyas und Weinbautechniker Matthias Schuh vom Weinhaus Schuh konnten sie auf einer Weinprobe am Freitag gleich zwei Vorzeigewinzer der neuen Generation kennenlernen. Daneben präsentierten sich die über die Region hinaus vor allem in der Nobelgastronomie schon bekannten Winzer Martin Schwarz und Klaus Zimmerling, deren erlesene Gewächse durchaus polarisieren und nicht unbedingt ein Massenpublikum ansprechen. Echte Sachsenklassiker präsentierte das Weingut Joachim Lehmann. Sympathiepunkte mit seinem französischen Charme sammelte Frédéric Fourré . „Bei Frédéric holen wir uns noch einem Müller-Thurgau von alten Reben, die schon mehr als 60 Jahre Trauben tragen“, kündigte Familie Becker an. Die Pfälzer kennen sich auch im Verkauf von Weinen aus, vertreten sie doch eine Sektkellerei und ein Weingut aus ihrer Heimat auf dem brasilianischen Markt. Sie haben länger in Südamerika gelebt.

Nicht gleich über den Atlantik, aber zumindest über das Elbtal hinaus sollten auch die Sachsenwinzer allmählich ihren Blick richten. Die Geschäftsführerin des DWI, Monika Reule, ist überzeugt davon, dass sich der Wein aus Sachsen nicht auf Dauer alleine im Anbaugebiet verkaufe. Die Weinexpertin rät deshalb den Betrieben, sich rechtzeitig neue Märkte zu erschließen und dabei dem mittleren und gehobenen Preissegment und hohen Qualitäten aus der Steillage treu zu bleiben. In der Region und darum herum könnte auch der Lebensmitteleinzelhandel – besonders Edeka und Rewe – neue Käuferschichten erschließen. Überregional nennt Monika Reule kaufkraftstarke Ballungszentrum in ganz Deutschland als potenzielle Absatzmärkte für Sachsenwein. Dabei sollten sich die Winzer auf wenige typisch sächsische Rebsorten konzentrieren. Über den Goldriesling, der fast nur noch in Sachsen kultiviert wird, könnte das Interesse geweckt werden. Allerdings ist und bleibt Goldriesling ein einfacher Zechwein, der teilweise trotzdem für 15 Euro verkauft wird. Laut der DWI-Chefin habe der sächsische Traminer großes Potenzial. Auch mit Weiß- und Grauburgunder, die allgemein als Trendweine gelten, könne Sachsen punkten. Hilfreich wäre hierbei eine gemeinsame Strategie über eine Gebietsweinwerbung, wie es sie in allen anderen zwölf deutschen Anbaugebieten gebe. Mit Ausnahme von Baden und Württemberg, wo es eine freiwillige Abgabe ist, zahlen Winzer in anderen Anbaugebieten eine verbindliche Landesabgabe. In Sachsen gibt es das bisher nicht, die meisten Weingüter von der Elbe vermarkten ihre Weine allein – bisher recht erfolgreich. Und deshalb dürfte eine weitere Zwangsabgabe auch auf wenig Gegenliebe bei den Betrieben stoßen, zumal viele der Güter durch hohe Investitionen sowieso noch genügend Verbindlichkeiten haben.

Weil Sachsenwein überregional kaum zu haben sei, habe er bei den Verbrauchern quasi kein Image, so Monika Reule. Das könne ein Vorteil für einen unbelasteten Markteintritt sein. Im Weinhandel und in der Gastronomie werde Sachsenwein insbesondere mit strenger Säure, geringer verfügbarer Menge und vergleichsweise hohen Preisen verbunden – aber auch mit vertretbaren Qualitäten.

Monika Reule geht davon aus, dass die Generation der jungen Winzer auch junge Verbraucher erreichen wird. Ab etwa 25 Jahren seien Konsumenten für die Weinbranche interessant. Häufig gelinge der erste Kontakt über Weinmixgetränke oder liebliche Tropfen. Das DWI vermarktet deutsche Weine bundesweit und in ausgewählten Auslandsmärkten. Dabei würden alle 13 Anbaugebiete gleichberechtigt behandelt, hieß es. Finanziert wird die DWI-Werbung über eine Abgabe von allen Winzern. - www.deutscheweine.de

Von Lars Müller

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