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Martin Kusic saniert Schloss Rottwerndorf und kämpft für die Rettung des Schlossparks

Martin Kusic saniert Schloss Rottwerndorf und kämpft für die Rettung des Schlossparks

Die Orangerie im früheren Schlosspark von Rottwerndorf wartet immer noch auf ein Dach. "Die Bezeichnung Orangerie ist eigentlich falsch", berichtigt Martin Kusic.

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Das Dach des Sommerhauses im Rottwerndorfer Schlosspark wurde durch einen Baumsturz zerstört. Martin Kusic möchte einen weiteren Verfall verhindern.

Quelle: Silvio Kuhnert

Es ist ein Sommerhaus, noch besser Gartenhaus. Von einem Garten kann keine Rede mehr sein. Auf einem Teil des Areals befindet sich eine Saftkelterei. Der andere ist eine einzige Wildnis. Und auch das Gartenhaus gleicht einer Ruine, seit ein Baum darauf gestürzt war.

Von der Terrasse aus kann man Schloss Rottwerndorf sehen. Dort wohnt Martin Kusic. Der Schlosspark gehört nicht ihm. Er befindet sich im Eigentum der Stadt Pirna wie das Gartenhaus. "Unter ihm war vielleicht einmal ein Weinkeller", meint Kusic. Reste von Weinbergterrassen, zu dessen Füßen das Häuschen steht, lassen dies vermuten.

Eine Lindenallee verband einst Schloss und Sommerhaus. Ein Alleebaum hat die Zeiten überstanden. Und die Allee selbst ist heute die Einfahrt zur Obstquetsche. Vom Schloss kommend entdeckt man vom Dickicht versteckt ein weiteres historisches Gebäude. "Das war eigentlich die Orangerie", informiert Kusic. Nach 1930 wurde dieser Pavillon, der auch als Teehaus bezeichnet wird, als Obstweinschänke genutzt. Davor hat sich ein kleiner Teich befunden. Er wurde später verschlossen und eine Tanzfläche darauf gebaut. Eine historische Aufnahme zeigt, wie sich um den runden Tanzboden die Tische der Schankwirtschaft gruppieren. Zwischen Pavillon und Sommerhaus befand sich ein noch größerer Teich. "Das Wasser kam aus dem Weinberg", führt Kusic aus, während er auf den noch gut erkennbaren Graben zeigt. Dieser bildete den Zufluss zum kleinen See, der in eine Parklandschaft im englischen Stil eingebettet war. Manchmal kommt noch etwas Wasser an. Meistens jedoch sind Graben und See nur noch Schlammlöcher.

"Der Park ist ein hohes wertvolles Kulturgut", sagt Kusic. Die Anlage steht unter Denkmalschutz. Zum Verfall haben die komplizierten Eigentumsverhältnisse beigetragen. 1953 wurde das ehemalige Rittergut aufgeteilt. Vor allem nach der Wende kam es immer wieder zu Besitzerwechseln. Der Park befindet sich heute im Eigentum der Stadt. Als Kusic im Jahr 2011 in den ländlich geprägten Pirnaer Stadtteil Rottwerndorf zog, war das Gartenhaus noch relativ gut in Schuss. Doch im Winter 2012/13 flog ein Baum auf das Häuschen. Das Dach stürzte ein. "Es ist noch nicht zu spät, das Sommerhaus zu retten", ist sich Kusic sicher. Der Stadt liegt seit vergangenem Jahr ein Angebot für eine Notsicherung vor. Doch das Häuschen ist zu sehr versteckt, von der Straße aus sieht es keiner. "Es interessiert niemanden, das wertvolle Ensemble zu schützen", kritisiert Kusic. Bislang hat sich nichts getan.

Eine Notsicherung scheitert bisher an der Finanzierung. Für die Sicherungsarbeiten wurde ein Angebot eingeholt. Die Kosten waren allerdings ernüchternd. 35 000 Euro sind allein für das Dach notwendig. Die Mittel konnten im städtischen Etat noch nicht locker gemacht werden. Deshalb wollte die Stadt weitere Angebote einholen. "Wir suchen nach einer kostengünstigeren Variante", teilt Stadtsprecherin Jekaterina Nikitin mit. Fortschritte hat es hier aber noch keine gegeben. "Uns ist die Bedeutung des Sommerhauses bekannt. Wir werden eine Notsicherung auch nicht ewig verschieben", so Nikitin. Aber der Schlosspark Rottwerndorf steht derzeit nicht oben auf der Prioritätenliste. Im Denkmalamt der Stadt werden derzeit die Fördermittelanträge und die denkmalschutzrechtlichen Belange für den Wiederaufbau nach der Flut vergangenen Jahres abgearbeitet. "Das hat erst einmal Vorrang", so Nikitin.

Das Dach auf dem Sommerhaus ist derzeit nicht das einzige, das Kusic bewegt. Auch das seines Schlosses will er in Angriff nehmen. "1998 gab es eine Notsicherung", berichtet der Architekt, der nun schon bald seit zwei Jahren mit seiner Familie in dem Renaissancebau lebt. Schwarzes Wellblech verhinderte, dass Nässe in das 1556 bis 1579 erbaute Wasserschloss eindrang. Nun soll das Haus eine neue Abdeckung bekommen. Die Pläne dafür werden derzeit in Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden geschmiedet.

"Wir arbeiten uns von oben nach unten durch", erklärt Kusic das Vorgehen auf seiner Dauerbaustelle. Schritt für Schritt möchte er das Schloss wieder zu dem ursprünglichen Stand, ohne die fremden Ergänzungen wie Außen- und Innentreppe oder Abortanbau zurückführen, zugemauerte Fenster in den Erkern wieder öffnen. Außerdem arbeitet er auch daran, dass der Bauzaun um sein Grundstück durch eine Sandsteinmauer ersetzt wird. Hier gibt es allerdings noch ein Problem zu lösen. Entlang der Straße stehen Pappeln. "Sie sind Flachwurzler", so Kusic. Und vertragen sich daher nicht mit den Sandsteinen der künftigen Mauer.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.05.2014

Silvio Kuhnert

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