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Maler Hernando León arbeitet an Projekten in Chile, Spanien und Pirna

Maler Hernando León arbeitet an Projekten in Chile, Spanien und Pirna

Wenn die Elbe extremes Hochwasser führt, bekommt der Maler Hernando León gleich doppelt nasse Füße. Im Dresdner Stadtteil Laubegast lebt er unmittelbar an dem Fluss.

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Der chilenische Maler und Bildhauer Hernando León

Quelle: dpa

Elbaufwärts in Pirna steht sein Atelier unweit des Wassers. Zuletzt hat 2013 eine verheerende Flut die Wohn- und Arbeitsstätten des Chilenen heimgesucht. Doch in seinem knapp 81 Jahre langen Leben hat er schon ganz andere Schicksalsschläge gemeistert.

Als die Pinochet-Diktatur 1973 Andersdenkende wie León jagte, musste er ins Exil gehen. Er wählte Dresden, wo er bereits in den 1960er Jahren einen Teil seiner Ausbildung erhielt und seine Frau Margarita Pellegrin kennenlernte. Sie nennt ihren Mann ein „Energiebündel“. „Er ist vital, zieht die Dinge bis zum Ende durch. Und er ist bei großen Dingen sehr großzügig“, beschreibt die Malerin und Grafikerin ihren Mann fürs Leben. Drei Kinder haben die beiden großgezogen. Auch jetzt, am Lebensabend, sind sie noch voller Pläne. Der Terminkalender Leóns für das kommende Jahr ist gut gefüllt.

In Pirna wird in den kommenden Wochen im ehrwürdigen Ratssaal eine Ausstellung mit großformatigen Bildern des Chilenen gezeigt. Im Oktober eröffnet León in seiner dritten Heimat Vélez-Malaga (Andalusien) eine Schau lateinamerikanischer Gegenwartskunst. Im Dezember geht es wieder in die alte Heimat. „Bei jedem Besuch nehme ich ein Stück Abschied von Chile“, sagt León und lächelt. Nach dem Ende der Diktatur hat er regelmäßig den Winter auf der Südhalbkugel verbracht. León genießt den ewigen Sommer. „Ich brauche Sonne, ich kann den Winter nicht mehr vertragen“, sagt der Künstler. Doch mit dem Alter sei der lange Flug beschwerlicher geworden: „Es ist immer wieder schön, in Chile zu sein. Auch wenn die Nachrichten vom Tod alter Freunde und Bekannte zunehmen. Ich habe viele Jahre gebraucht, um mich von Chile abzunabeln. Langsam wird es Zeit, den endgültigen Abschied ins Auge zu fassen.“

Doch wer mit León über die Zukunft spricht, glaubt nicht an einen baldigen Abschied von irgendeinem seiner Orte. Für die Universidad del Bío Bío in Chillán entwirft er ein Wandbild. Zugleich ist dort eine Schau mit Zeichnungen Leóns geplant. Eine Dauerausstellung mit Bildern und Grafiken gibt es schon. Chillán ist die Stadt, in der er aufwuchs. Ihr möchte er etwas zurückgeben. Der Maler will den Hof der Uni zu einem Hort der Künste machen. León nimmt Chile noch immer als gespaltenes Land wahr, auch 25 Jahre nach Ende der Diktatur. „Chile ist noch nicht ausgesöhnt. Das kann noch ein paar Generationen dauern.“ Leóns Malerei ist für ihre magische Bildsprache bekannt.

Viele seiner Werke basieren auf Legenden und Mythen Chiles - Kritiker sprechen vom „Realismus des Wunderbaren“. Im Pirnaer Ratssaal ist auch das Gemälde „Einige Geheimnisse der Marienkirche“ zu sehen. León hat sich oft von der Architektur Pirnas inspirieren lassen. Nun ist er neugierig, wie der Stadtrat auf die Bilder reagiert. Auf jeden Fall findet er es mutig, dass sich Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke so für das Zeitgenössische einsetzt. Doch Hanke ist überzeugt: „Unglaublich wichtige Kunst benötigt ungewöhnliche, aber bedeutende Orte, um präsentiert zu werden.“ Eine Seite von Leóns Wirken ist in den vergangenen Jahren immer stärker hervorgetreten - er restauriert alte Häuser. Ein Haus in Pirna hat er verkauft, um in Vélez-Malaga ein anderes zu erwerben und als Atelier auszubauen.

„Das hat den Vorteil, dass ich immer beschäftigt bleibe. Das Restaurieren ist Teil meines künstlerischen Lebens geworden“, sagt León und spricht von einer großen Liebe zu alten Gemäuern: „Die sind sehr dankbar. Sie geben bei der Arbeit Dinge preis, die man vorher nicht sah.“ Außerdem gebe es da noch den sozialen Aspekt: „Man bewahrt etwas für nachfolgende Generationen.“

Jörg Schurig, dpa

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