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Mädchen und Jungen der Kinderarche Radebeul betreuen seit zehn Jahren eigenen Weinberg

Mädchen und Jungen der Kinderarche Radebeul betreuen seit zehn Jahren eigenen Weinberg

Die Kinderarche in Radebeul hat Grund zum Feiern: Seit zehn Jahren betreuen die Mädchen und Jungen ihren eigenen Weinberg. Wie die Einrichtung mitteilte, wurden zum Jubiläum ältere Stöcke ersetzt, die den vergangenen Winter nicht überstanden hatten.

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Die Mädchen und Jungen der Kinderarche Radebeul arbeiten seit zehn Jahren im Weinberg. Fachlich betreut werden sie von Sabine Flierl, studierte Weinbautechnikerin vom Staatsweingut Schloss Wackerbarth.

Quelle: Lars Müller

Bei der Pflanzaktion zeigte sich erneut, dass die neun Mädchen und Jungen beinahe schon kleine Weinbauexperten sind. Immerhin verbringt die Sozialpädagogische Wohngruppe des "Weinberghauses" mit ihren Betreuern viel Freizeit im angrenzenden Weinberg. Fachlich betreut werden die Kinder von Sabine Flierl. Die studierte Weinbautechnikerin vom Staatsweingut Schloss Wackerbarth kommt jede Woche einen Nachmittag zu den Heimkindern, um mit ihnen gemeinsam im Weinberg zu arbeiten.

Bevor sie loslegen können, müssen 87 steile Stufen am Ravensberg in der Oberlößnitz bewältigt werden. Dann ist die 600 Quadratmeter große Terrasse der Kinderarche erreicht. "Hier stehen zurzeit 150 Weinstöcke der Rebsorte Johanniter und direkt vor einer sanierten Weinbergmauer noch 40 Rebstöcke verschiedener Tafeltrauben", zeigt Flierl. Die Tafeltrauben dürfen die Kinder zur Lesezeit naschen, aus den Johanniter-Trauben lässt die Kinderarche in der Hoflößnitz eigenen Wein ausbauen. Dieser wird als Präsent an Spender und Freunde der Einrichtung verschenkt. "Die Kinder kommen nicht mit dem Alkohol in Berührung", betont Sabine Flierl. Dieser Hinweis ist ihr wichtig. Ansonsten aber lernen die Mädchen und Jungen alles, was auch ein Hobbywinzer wissen muss. Vom Rebschnitt am Ende des Winters bis nach der Lese wird zwischen den Rebzeilen gearbeitet, im Winter gibt es gemeinsame Freizeitaktivitäten und etwas Theorie zum Weinbau.

Önologin Flierl hat den Ersatz für abgestorbenen Weinstöcke mitgebracht. Wissbegierig lassen sich die Kinder erklären, wie eine Rebe fachgerecht gesetzt wird. Die 14-jährige Ronja und ihr ein Jahr älterer Mitbewohner Martin legen mit dem Spaten los, kratzen mühsam Steine aus dem noch flachen Pflanzloch. Irgendwann stellt Ronja die unvermeidliche Frage: Warum graben wir nicht einfach Weinbeeren mit Kernen ein und warten, bis die keimen?

Jetzt ist Sabine Flierl wieder in ihrem Element: Sie zeigt Ronja und Martin an der jungen Rebe, wo diese veredelt wurde. Als Unterlage dient eine amerikanische Sorte, die gegen die Rebläuse im sächsischen Boden resistent ist. Oben aufgepfropft sprießt der Johanniter. Mit Samen würde das nichts werden, davon sind schließlich auch Ronja und Martin überzeugt. Auf einem kleinen Erdhügel im Pflanzloch werden schließlich die Wurzeln der Rebe ausgebreitet, dann kommt Erde darauf und schon wässern die Kinder ihre Weinstöcke kräftig, formen einen Trichter aus dem lockeren Erdreich, der Regenwasser auffängt und gezielt der Rebe zuführt.

Die Weinbauexpertin erklärt, dass sie sich bewusst für den pilzwiderstandsfähigen Johanniter entschieden habe. "Ich versuche, das ganze Jahrohne jeglichen Pflanzenschutz auszukommen." Bei dem Wein für die Kinderarche gehe es schließlich nicht um massenhaften Ertrag. Das Erlebnis für die Kinder in der Natur und inmitten der jahrhundertealten Kulturlandschaft steht im Vordergrund. Sie alle wurden vom Jugendamt - meist vorübergehend - aus schwierigen familiären Verhältnissen geholt. Ziel bleibt immer, den jungen Leuten wieder eine Rückkehr zu ihren Eltern zu ermöglichen und bis dahin zu fördern. Das Weinberg-Projekt ist fester Bestandteil und fast alle Bewohner sind mit augenscheinlicher Begeisterung bei der Sache, gezwungen zur Mitarbeit im Weinberg wird niemand. 2014 will Sabine Flierl weitere 150 Johanniter-Reben auf einer bereits gerodeten Fläche auf derselben Terrasse setzen. Die Rebrechte bestehen bereits. Ein Ende des Projekts ist nicht in Sicht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.06.2013

Lars Müller

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